Die ehemalige Landtagsabgeordnete und Schauspielerin Barbara Rütting und der stellvertretende Bundesvorsitzende der V-Partei, Michael Kneifel hängen am 30.08.2017) in Marktheidenfeld ein Wahlplakat auf. (Quelle: dpa/Daniel Peter)
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Bundestagswahl | V-Partei³ - Wenn grün nicht grün genug ist

Veränderung, Visionen, Vernunft: Die 2016 gegründete V-Partei³ setzt bei der Bundestagswahl auf große Themen und Begriffe, vor allem aber auf Vegetarier und Veganer. Die Partei fordert ein Ende der industriellen Tierhaltung - mit allen Konsequenzen. Von Sarah Mühlberger

Eigentlich habe sie ja nie in eine Partei eintreten wollen, erzählt Angela Küster. Dass sie jetzt plötzlich als Spitzenkandidatin mitten im Wahlkampf steckt, hängt mit einem Besuch auf der Messe VeggieWorld im November zusammen: Küster wurde am Stand der V-Partei³ angesprochen, dort suchte man Mitstreiter. "Die Themen und die Ziele der Partei haben mich überzeugt", sagt die 52-jährige Politologin.

Bei der V-Partei³ ist schon auf den ersten Blick alles grün: Das Logo, die Bildmotive auf der Website, die Schrift. Aber auch das Parteiprogramm, das den Titel "Wir lieben das Leben" trägt, liest sich grün: Klima schützen, gentechnisch verändertes Saatgut verbieten, Bio-Produkte für alle bezahlbar machen.

Mit ihren Visionen fühlen sich die Politiker der V-Partei³ ausgerechnet bei den Grünen nicht gut aufgehoben. "Die Grünen gehen zu viele Kompromisse ein und haben keine konsequente Haltung", kritisiert Angela Küster. Das habe sich bei Themen wie dem Veggie-Day oder Waffenexporten gezeigt.

Die Berliner Landesvorsitzende der V-Partei³, Angela Küster (Quelle: privaz)
Angela Küster, Landesvorsitzende der V-Partei³ | Bild: privat

Nicht nur Vegetarier und Veganer im Blick

Das V im Namen steht laut Partei zwar auch für Veränderung und Visionen, aber vor allem explizit für Vegetarier und Veganer. Es ist keine kleine Nische: Rund zehn Millionen Deutsche ernähren sich bereits fleischfrei, hinzu kommen all diejenigen, die bewusst und reduziert Fleisch konsumieren – laut Umfragen ist das angeblich jeder zweite Deutsche.

"Die wachsende Zahl von VegetarierInnen und VeganerInnen steht dafür, dass die Produktion von Nahrungsmitteln und sonstigen Gegenständen kein vernünftiger Tötungsgrund ist", heißt es im Parteiprogramm der V-Partei³. Und weiter: "Unsere Vorstellung ist daher, als neue gesetzliche Regelung, das Verbot aller Tierschlachtungen, die in Verbindung mit der Produktion von Nahrungsmitteln, Kosmetik, Kleidung und Gebrauchsgegenständen stehen." Dieses Ziel soll im Jahr 2030 erreicht werden.

Ziel: Die Agrarreform 2030

"Unsere zentrale Forderung ist die Umstellung auf eine ökologische und tierleidfreie Landwirtschaft", sagt Angela Küster. Mit ihrem Schwerpunkt Agrarökonomie ist die Politologin eine gefragte Expertin in ihrer Partei, und so wurde sie im Januar, zwei Monate nach ihrem Eintritt, bereits zur Berliner Landesvorsitzenden gewählt.

Die vegane Ernährung ist zwar das explizite Ideal, aber auch Fleischesser seien in der Partei willkommen, sagt Angela Küster. "Wir wollen ihnen nichts verbieten, sondern mit guten Argumenten überzeugen."

In Brandenburg wurde die V-Partei³ nicht zur Wahl zugelassen

Die V-Partei³ möchte Fluchtursachen bekämpfen, den Import von Atomstrom aus Nachbarländern verbieten, Waffenexporte und die Zeitumstellung abschaffen. Eingeführt werden sollen beispielsweise das bedingungslose Grundeinkommen, eine konsequent nachhaltige Energiepolitik und die Schulfächer "Ernährung" und "Rechtskunde".

Die V-Partei³ tritt am 24. September nach der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen zum zweiten Mal bei einer Wahl an, dabei ist sie noch sehr jung: Gegründet wurde die Partei im vergangenen Jahr als Reaktion auf das erfolgreiche Brandenburger Volksbegehren gegen die Massentierhaltung. Ausgerechnet in Brandenburg wird die V-Partei³ jedoch nicht auf dem Stimmzettel stehen: Sie war an der notwendigen Hürde von 2.000 Stimmen gescheitert.

Die Partei hofft auf einen Überraschungserfolg - und mindestens ein Prozent

In Berlin sei die Unterstützung groß, sagt die Landesvorsitzende Küster. Nicht nur auf der Straße, sondern auch in Restaurants und veganen Läden. Dort habe man kleinere Plakate aufhängen dürfen. 60 Mitglieder habe die Partei bereits in Berlin, in Brandenburg sind es mehr als 40. Die V-Partei³ möchte Küster zufolge eine Wahl-Alternative insbesondere für Nicht-Wähler und Unentschlossene sein.

Das Ziel der V-Partei³ ist es, über den 24. September hinaus zu wachsen und Unterstützer zu aktivieren. Für den Wahltag selbst ist die Hoffnung, zumindest die 1-Prozent-Hürde zu knacken – dann nämlich würde der Partei die Finanzierung zustehen. Bisher finanziert sich die V-Partei³ über Spenden, ihre Mitglieder arbeiten ehrenamtlich. Noch mehr Stimmen wären natürlich noch besser. Angela Küster hält es nicht für gänzlich unmöglich, dass ihre Partei in den Bundestag einzieht: "Solche Überraschungserfolge gab es ja in der Vergangenheit immer wieder."

Diese 24 Parteien treten in Berlin an

  • Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU)

  • Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)

  • Die Linke

  • Bündnis 90/Die Grünen (Grüne)

  • Alternative für Deutschland (AfD)

  • Piratenpartei

  • Freie Demokratische Partei (FDP)

  • Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative (Die PARTEI)

  • Freie Wähler

  • Ökologisch-Demokratische Partei (ödp)

  • Bürgerrechtsbewegung Solidarität (BüSo)

  • Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD)

  • Sozialistische Gleichheitspartei, Vierte Internationale (SGP)

  • Bergpartei, die Überpartei - ökoanarchistisch-realdadaistisches Sammelbecken (B*)

  • Bündnis Grundeinkommen - Die Grundeinkommenspartei

  • Demokratie in Bewegung

  • Deutsche Kommunistische Partei (DKP)

  • Deutsche Mitte - Politik geht anders... (DM)

  • Die Grauen - Für alle Generationen (Die Grauen)

  • Die Urbane. Eine HipHop Partei (du.)

  • Menschliche Welt – für das Wohl und Glücklich-Sein aller (Menschliche Welt)

  • Partei für Gesundheitsforschung (Gesundheitsforschung)

  • Partei Mensch Umwelt Tierschutz (Tierschutzpartei)

  • V-Partei³ - Partei für Veränderung, Vegetarier und Veganer (V-Partei³)

Beitrag von Sarah Mühlberger

Kommentar

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19 Kommentare

  1. 19.

    So viel Dummheit wie in diesen Kommentaren habe ich lange nicht gelesen.
    Wer gegen Veganismus wettert, solle sich erst einmal INFORMIEREN bevor man mit Unwissen um sich schmeisst.
    Viele Veganer waren selbst mal Fleischesser und kennen BEIDES!

    Gerade jene, die nicht wissen, wo die Nährstoffe enthalten sind, was Protein, Eisen und Mineralstoffe überhaupt sind, behaupten Veganer wären mangelernährt.

    Weiterhin Fleisch essen und für den Hunger auf der Welt und Tierqual verantwortlich sein, heisst auch Krebs, Demenz und viele "Zivilisationskrankheiten" auf sich nehmen.
    Hauptsache "es schmeckt" .... zeigt wie wenig IQ und wie viel Egoismus in einem Menschen steckt.


  2. 17.

    Vielleicht noch einmal ergänzt:
    Ich achte das hoch, wenn andere Menschen für sich auf Fleisch verzichten. Und ich weise es zurück, wenn diese Menschen mich ausdrücklich oder unausdrücklich bevormunden wollen.

    Auch ich erlebe diese Gesellschaft als zuweilen eng. Solange an einer Imbissbude auf die Frage, ob es auch Salat gäbe, zur patzigen Antwort kommt "Karnickelfutter führen wir nicht!" , ist für mich diese Gesellschaft in weiten Teilen eingefleischt. In vielen Kleinstädten rennen sich Menschen, die augenblicklich oder dauerhaft kein Fleischgericht haben wollen, förmlich die Hacken ab. Großzügigerweise wird dann von einem auf Fleisch gründenden Gericht das Fleisch weggelassen und das Ganze als fleischLOS verkauft.

    Hier sollte Beides existieren. Mögichst immer und überall. Viel wäre gewonnen, wenn ein Mittagessen aus Kartoffeln / Nudeln / Reis + Gemüse / Obst + x bestünde. "x" kann eine weitere Zutat, x kann Fleisch o. auch mal gar nichts sein. Weil 1. und 2. reicht.

  3. 16.

    Die V-Partei - sei es nun Vegetarier- und Veganer- oder aber Verbots-Partei, schießt nach meiner Empfindung über das Ziel hinaus. Welten liegen zwischen dem Elend in Form der Massentierhaltung und dem Entschluss, deswegen überhaupt kein Fleisch mehr zu essen.

    Wer die Massentierhaltung naturverachtend findet, ist immer noch gut beraten, nicht die Grundlage dafür zu liefern. Das kann durch vollkommenen Verzicht auf Fleisch geschehen, aber auch durch einen Fleischkonsum in überschaubaren Mengen, der eine Massentierhaltung gar nicht erst rentabel macht. Was mich anbelangt, so habe ich über Monate einmal errechnet, dass mein eigener Fleischkonsum im Durchschnitt bei 400 Gramm pro Woche liegt. Da kann dann schon mal ein Braten drin sein - im Winter bspw. ein leckeres Eisbein - und drei bis viermal die Woche abends Fleisch-Aufschnitt auf Brot. Wie jemand das für sich ordnet, sollte jedem Menschen selbst überlassen bleiben.

    Dann kann´s was werden ...

  4. 15.

    Leute der V-Partei - lasst Euch die Eckzähne ziehen, ihr braucht sie nicht mehr, als Zahnersatz gibt's Kauplatten. Ich würde alle einsperren die Ihre Kinder und Haustiere zwingen veg. zu essen.

  5. 14.

    Der Mensch ist nun mal ein Raubtier. Auch SIE! Selbst dann, wenn Sie es nicht wahrhaben wollen. Sie können Ihr Leben leben, wie Sie es für sich für gut und richtig halten, verschonen mich aber bitte mit Moralvorhaltungen. In einem Punkt komme ich Ihnen entgegen: man muss nicht jeden Tag Fleisch essen und in der Tierhaltung sollte ein Umdenken erfolgen. Ansonsten verweise ich wieder auf die Entwicklung vom Affen zum (denkenden) Menschen.

  6. 12.

    Nach neuen Untersuchungen fehlen bei "nur"Veganer Lebensweise wichtige Mineralstoffe wie z.b.Eisen etc.pp. Auch wird sogar davor gewarnt schon Kleinkinder nur Vegan zu ernähren.Dieser Hippe Trent ist eine Erfindung von einer besonderen Spezies Mensch u.d.Industrie treibt sich als erstes die Hände( siehe Biomarkt )Gegen Pflanzenkost spricht gar nichts.Aber wohldosierte Zunahme von Fleisch eben auch nicht.

  7. 11.

    Warum sind die Affen vom Baum gestiegen und zum Menschen geworden? Weil sie anfingen, Fleisch zu fressen. Ich möchte nicht zurück auf den Baum....

  8. 10.

    es ist absurd, unmoralisch und unlogisch 70 mill. landtiere täglich zu füttern, zu quälen, zu töten und zu essen.
    den menschen, den tieren und dem planeten geht es dadurch noch nie so schlecht.
    es gibt keine argumente gegen vegan zu leben....nur dafür. ich bin froh, daß es immer mehr menschen gibt, die nicht nur an sich und ihre kleine welt denken, sondern global und logisch. gut, daß es am 24.9. was sinnvolles zu wählen gibt.

  9. 8.

    Man warne mich vor Fanatikern."Veganismus" gehts noch? Smoothis ist einer dieser neuen Begriffe wie auch Vegan und damals wie heute nenne i.solch Getränkesäfte Mixgetränke.Zum Thema Tierhaltung hätte ich anfügen sollen"vernünftige Biobauern"?Dem normalem Bauer wird das ja nicht zugeschrieben da einfach zu dumm oder wie?Mein Fazit ist: nur wer genug Kohle hat kann sich Veganismus u.Biofleisch überhaupt leisten.Schon jetzt wird alles was unter dem Label Vegan feilgeboten wird auch gleichgestellt mit einer bes.Klientel an Kundschaft,verbunden mit Esoterik(Kosmetikprodukte rein Vegan)Gerade das Internet bietet ja die Plattform für solch Quacksalber.Ist voll davon.Da nützen auch Dr.Titel rein gar nichts.

  10. 7.

    Doktortitel alleine reichen nicht um auch verblendet zu sein.Über den Rest denken u.forschen Sie selbst mal i.Internet z.b.nach.

  11. 6.

    Rein pflanzliche Ernährung (für ALLE!)ist die baldige Zukunft! "Nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist."

  12. 5.

    Veganer sind schlechte Menschen, sie fressen dem armen Vieh das Futter weg, bäh! Schämt Euch!

  13. 4.

    Falls du den Text gelesen hättest, wüsstest du wie man an das Thema "Fleisch verbieten" herangeht. Wo hat Veganismus mit Esoterik zu tun? Das sind zwei völlig verschiedene Themen, die du hier unter einen Hut steckst, völlig sinnlos. Wer sagt denn, dass du jeden Tag Smoothies zu dir nehmen musst? Geh doch mal auf die Seite Chefkoch bspw und gebe "Vegan" in die Suchfunktion ein, du wirst schnell feststellen dass es an nichts fehlt, im Gegenteil.
    Welche Bauern zeigen denn dass es anders geht? Ich arbeite seit Jahren in Tierschutz- und rechtsprogrammen mit, dort sieht man keine Besserungen, Verschlechterungen in der Haltung sind der Fall, TROTZ ständig ändernder Bedingungen!

  14. 3.

    Weil die Grünen längst zur Greenwashing-Partei verkommen sind, war das überfällig! In Baden-Württemberg huldigen die Grünen den Automobilkonzernen und Ihr Bundes-Fraktionsvorsitzender macht Werbung für "leckeres Schweinefleisch"! Offenbar leugnet man nicht den Klimawandel, aber die wirklichen Gründe und die notwendigen politischen Konsequenzen.

    Zum Leserkommentar von "Lotte": Was ist esotherisch, wenn eine Fr. Dr. Dr. Küster sich für eine neue Partei einsetzt!? Zwei Doktortitel sollten reichen um als wissenschaftlich qualifiziert zu gelten...

  15. 2.

    Oh - eine neue V-Patei. 'V' wie Verbote - also eine Verbotspartei.

    Dann doch lieber auch Schnitzel und Schinken, aber nicht nur für die elitären oberen Zehntausend.

    Das ist reine Bevormundungssucht.

  16. 1.

    Eine verblendete "Vegi-Partei" na bitte.Nun spalten sich auch schon diese Esoteriker von den Grünen ab.Gehts noch?Vor allem lasse i.mir nicht vorschreiben was u.wie i.mein Essen zukünftig zu gestalten habe.Jeden Tag Smoothis trinken?Igitt!Gegen d.unkontrollierte,tierquälerische Massentierhaltung gibt es auch andere Mittel u.Wege vorzugehen.Viele Bauern zeigen schon das es auch anders geht.Deswegen brauchen wir nicht auch noch radikale Esoteriker i.Bundestag.

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