Christina Schwarzer (CDU) und Fritz Felgentreu (SPD) (Quelle: Abendschau)
Video: Abendschau | 24.08.2017 | Heike Bettermann | Bild: Abendschau

Serie: Wahlkreisduelle | Christina Schwarzer und Fritz Felgentreu - Punkten mit den Neuköllner Kindern

In Neukölln kämpfen ein gestandener SPD-ler und eine CDU-Hoffnung um das Direktmandat. Es kann eng werden - auch themenmäßig liegen die beiden, Christina Schwarzer und Fritz Felgentreu, nah beieinander. Von Heike Bettermann

Neukölln ist für die beiden Kandidaten Christina Schwarzer und Fritz Felgentreu kein einfaches Pflaster. Beide sind noch Bundestagsabgeordnete, beide wollen via Direktmandat wieder in das Haus einziehen, an dessen Giebel "Dem Deutschen Volke" steht.

Der in Kiel geborene und an der Nordsee aufgewachsene Sozialdemokrat Felgentreu bringt Nehmerqualitäten von der Küste mit: "Uns haben selbst die heftigsten Sturmfluten nicht weg gehauen", meint er schmunzelnd und mit Blick auf den derzeit schlechten Trend der SPD in Berlin.

Der Altphilologe und Lehrer ist seit 25 Jahren SPD-Mitglied, seine Partei hat ihn aber nicht über die Landesliste abgesichert. Das bedeutet: Felgentreu bekommt das Direktmandat, oder es ist aus mit dem Traum vom Bundestags-Wiedereinzug. Felgentreu kennt solche Schlappen aus der Vergangenheit. Und er weiß, dass in seinem Wahlkreis Neukölln viele linke Kräfte um Stimmen buhlen. "Ich muss wirklich hart um jede Stimme kämpfen, sonst kann es eben passieren, dass auch in einem Bezirk wie Neukölln, der mehrheitlich eher links tickt, trotzdem die CDU-Kandidatin am Ende die Abgeordnete ist".

"Der Fritz" hat die Kinder im Blick

Am Lipschitzplatz hat Felgentreu Heimspiel, hier ist sein Bürgerbüro, hier nennen ihn alle "den Fritz". Dass er ein souveräner Straßenwahlkämpfer ist, stellt er schnell unter Beweis: Er geht auf die Leute zu, bietet an, drängt nichts auf. Am Hermannplatz habe ihm 'mal im Wahlkampf ein Fahrradfahrer "eine reingehauen", erinnert er sich. Dies sei im Vorbeifahren und in voller Absicht geschehen, weil dieser sich über Felgentreu geärgert hatte. Derzeit habe er keine Probleme, doch einen bestimmten Prozentsatz Pöbler gebe es immer, sagt der Sozialdemokrat.

Er will Investitionen in die Bildung ganz weit oben auf seine Agenda schreiben und da ist ihm Neukölln auch in der Bundespolitik vor Augen, denn die Kinder hier würden ganz anders groß als in anderen Berliner Stadtteilen. Denen eine Perspektive durch Bildung zu bieten, sei sein Ziel. Milliarden müssten in die Bildung fließen und das gehöre auch in den nächsten Koalitionsvertrag, sagt Felgentreu und macht damit das Fass für die nächste große Koalition auf Bundesebene auf.

Schwarzer engagiert sich für den Schutz von Babys

Zum zweiten Mal in den Bundestag will Felgentreus direkte Kontrahentin: Christina Schwarzer von der Union. Die 40-Jährige steht auf Listenplatz 6 der Berliner CDU. "Das ist nicht sicher" sagt sie.

Zu Beginn ihrer Zeit im Bundestag hat sie sich die Worte der Kanzlerin zu Herzen genommen, die allen Newcomern mit auf den Weg gab: "Vergesst nicht, wo ihr herkommt und bleibt authentisch". Die gebürtige Neuköllnerin hat es nicht vergessen. Sie ist stolz auf ihre Erfolge, 1,7 Millionen Euro für eine Kampagne gegen das Schütteln von Babys erkämpft zu haben. Als hartnäckig, willensstark und nicht immer geduldig beschreibt sich Schwarzer selbst.

Derselbe Fokus: Kinder

Müll, Sicherheit, Raser auf den Strassen - das sind die Themen, auf die sie im Straßenwahlkampf angesprochen wird, die große Bundespolitik bleibt eher außen vor. Im Start-up "bookingkit", das seit November in Neukölln neben dem Estrel-Hotel ansässig ist, erkundigt sie sich nach den Wünschen eines jungen, aufstrebenden Unternehmens. Die Chefs Christoph Kruse und Lukas C.C. Hempel fordern eine digitale Agenda - und zwar von allen Parteien: Schon in der Schule müssten digitale Themen zum Standard gehören, denn da liege die Zukunft. Schwarzer sieht die CDU gut aufgestellt, fordert einen Digitalminister und mehr Unterstützung der Schulen.

Die jungen Chefs und die Politikerin duzen sich, das Unternehmen mit bereits rund 50 Mitarbeitern ist ein Vorzeige-Start-up. Schwarzer verspricht, sich für vereinfachte Gründungsverfahren auch für Start-ups einzusetzen, wenn sie denn in den Bundestag gewählt wird.

Ihr Kernthema ist aber Kinder- und Jugendschutz und den haben gerade Neuköllner Kinder besonders nötig. Schwarzer und Felgentreu - beide wollen sie sich dafür einsetzen, beide waren im entsprechenden Ausschuss des Bundestages. Wer am Ende das Direktmandat holen wird, ist vier Wochen vor dem Wahltermin noch nicht entschieden.

Beitrag von Heike Bettermann

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