Die Berliner Landeswahlleiterin, Petra Michaelis (r) und ihre Vertreterin, Ulrike Rockmann. (Quelle: dpa/Pedersen)
Audio: radioBerlin 88,8 | 25.09.2017 | Christoph Reinhardt | Bild: dpa-Zentralbild

Nach massiven Software-Problemen - Berliner Landeswahlleiterin schließt Hacker-Angriff aus

Wer auf das vorläufige Endergebnis der Bundestagswahl gewartet hat, brauchte Durchhaltevermögen. Wegen Serverproblemen übermittelte Berlin seine Zahlen als letztes Bundesland - um 3.44 Uhr. Die Probleme waren allerdings hausgemacht. 

Ein Ausfall der Software, mit der Wahlergebnisse aus den Bezirken übermittelt wurden, hat am Wahlabend in Berlin für eine verspätete Auszählung der Stimmen gesorgt. Für eine Stunde konnten überhaupt keine Ergebnisse aus den Wahlbezirken übermittelt werden, auch danach habe es Probleme gegeben, sagte Landeswahlleiterin Petra Michaelis am Montagmorgen in Berlin. Erst um 3.44 Uhr stand das vorläufige Endergebnis der Bundestagswahl fest, um 4.45 Uhr folgte das Ergebnis des Volksentscheids.

Vorläufiges Endergebnis erst um 3.44 Uhr

"Die Ursache für dieses Problem ist derzeit nicht klar und wir wollen es aufklären", sagte Michaelis. Das System des IT-Dienstleistungszentrums Berlin habe vorher in zwei Probewahlen "unter realistischen Bedingungen" mit allen Bezirken reibungslos funktioniert. Ein Angriff von außen, etwa durch Hacker, könne man aber ausschließen. Berlin hatte seine Ergebnisse in der Wahlnacht erst als letztes Bundesland übermitteln können.

Gegen 21.00 Uhr hätten die Bezirke demnach gemeldet, dass sie keine Ergebnisse in das System eingeben konnten. Auch später kam es immer wieder zu Störungen. Die Ergebnisse seien teils per Telefon, teils persönlich übermittelt worden. "Das führte also dazu, dass ein Stau entstand. Die Ergebnisse, die die Wahlleiter meldeten, wurden nicht ins System übertragen, sondern auf Papier notiert", sagte Michaelis. Rückfragen bei unklaren Zahlen mussten später mühsam nachvollzogen werden - viele Wahlvorstände waren schon nach Hause gegangen.

Endgültige Ergebnisse erst am 6. Oktober

In den nächsten zwei Wochen sollen die Ergebnisse routinegemäß amtlich überprüft werden. Erst am 6. Oktober wird das endgültige Endergebnis vom Landeswahlausschuss verkündet. Nach Angaben der Landeswahlleitung könnte es dabei zu Abweichungen kommen. Diese seien jedoch normal und in den meisten Fällen nicht mandatsrelevant.

FDP spricht von "digitalem Super-Gau"

Die Berliner FDP bezeichnete den Vorfall als "digitalen Super-Gau". Es sei schlichtweg blamabel, dass Berlin "als einziges Bundesland nicht in der Lage ist, zuverlässig eine Bundestagswahl abzuwickeln", teilte Bernd Schlömer, Sprecher für Digitalisierung, Netzpolitik und Bürgerrechte, mit.

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsere Netiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

2 Kommentare

  1. 2.

    Dieser ganze Zirkus...
    Ob nun Ökos bei den Auszählern oder Hackerangriff - wo ist der Unterschied? Wem kann man trauen?
    Wahl-Terminal oder Push-Butten in die Wahlkabinen wären zeitgemäß, welche sich je Liste einmal bedienen lassen und fertig ist. Somit wird das Ergebnis sofort Live in den Sendern dargestellt: Wähleranzahl und Voting - sofort und in Farbe.
    Oder ist das Neuland?
    Ich staune dass die Grünen noch nichts gegen den Wahlzettelwust posaunt haben.

  2. 1.

    Ich verstehe die Aufregung bzgl. verspäteter Ergebnismeldung nicht. Dabei ist die "Verspätung" in meinen Augen lediglich Ausdruck "intensiver interner Systembetreuung", deren Ziel, die Korrektheit der für die Altparteien unglaublichen Ergebnisse vor Veröffentlichung zu "hinterfragen", sicher erreicht wurde.

Das könnte Sie auch interessieren

13.10.2018, Berlin: Der Zug der Demonstration gegen Rassismus und Rechtsruck mit dem Motto «Unteilbar» geht auf der Leipziger Straße am Gebäude des Bundesrates vorbei (Quelle: Christoph Soeder/dpa).
dpa

Teilnehmerzahlen bei großen Demos - Wie man sie zählt

Die "Unteilbar"-Kundgebung war die größte in Berlin seit vielen Jahren, das steht fest. Wie groß genau, allerdings nicht - die Veranstalter zählten 242.000 Teilnehmer, die Polizei nannte keine exakte Zahl. Wie berechnet man so große Gruppen überhaupt? Von Sebastian Schneider