VoteBuddy ist ein Projekt des Berliner Künstlerkollektivs "Peng!" (Quelle: Screenshot der Webseite votebuddy.de)
Bild: Screenshot der Webseite votebuddy.de

Projekt VoteBuddy zur Bundestagswahl - Künstlerkollektiv "Peng!" provoziert mit Stimmentauschaktion

Ein Onlineprojekt über das Menschen ohne Stimmrecht dennoch an der Bundestagswahl teilnehmen können? Die Webseite VoteBuddy sorgte für Entrüstung in den sozialen Medien - und Anzeigen beim Bundeswahlleiter. Nun bekannten sich Berliner Kunstaktivisten dazu.

"Finden Sie Ihre Wahlfreundschaft" steht über der Webseite "VoteBuddy". Sie verbinde "Menschen, die nicht wählen wollen - mit Menschen, die nicht wählen können" und vermittele "Ihren Stimmentausch zur Bundestagswahl." Ein Drittel aller Stimmberechtigten in Deutschland gingen nicht wählen, heißt es auf der Website. Auf der anderen Seite seien mehr als acht Millionen Erwachsene nicht stimmberechtigt und damit von der repräsentativen Demokratie ausgeschlossen. Da sie aber mitentscheiden wollten, bringe Vote Buddy diese Menschen zusammen.

Mehr als 1.000 Menschen hätten sich bereits angemeldet. Auf der Seite wird etwa Samira R. aus Hannover zitiert: " Ich wollte schon immer mitentscheiden, mit VoteBuddy mach ich das jetzt einfach." Und Franziska L. aus Frankfurt/Main erklärt: "Mit VoteBuddy sorge ich für ein faires und repräsentatives Ergebnis bei der Wahl."

Anzeigen gegen das Projekt

Der Bundeswahlleiter ist da jedoch völlig anderer Ansicht. Nach Medienberichten erstatteten mehrere Personen Anzeige gegen das Projekt. Der Bundeswahlleiter nahm daraufhin Ermittlungen auf. Das Angebot sei illegal.

Ein Blogeintrag zu VoteBuddy des umstrittenen Publizisten David Berger, der sich gegen eine angebliche Islamisierung Europas engagiert, sorgte vor einigen Tagen in Teilen des Netzes für eine Welle der Entrüstung.

 So wurde die Aktion in zahlreichen Tweets als illegal kritisiert.

Viele Nutzer vermuteten aber bereits einen Fake.

Inzwischen hat sich das Berliner Künstlerkollektiv "Peng!" zu der Aktion bekannt.

Ziel: Debatte über Wahlrecht

Über das Portal sollten keine Stimmen getauscht werden, schreibt etwa der ARD-faktenfinder unter Berufung auf die Initiatoren. Dort wird eine "Peng!"-Vertreterin zitiert, die sagt, die Künstlergruppe habe eine Debatte darüber entfachen wollen, dass in Deutschland Millionen Migranten kein Wahlrecht hätten.

"Peng!" fordert ein Wahlrecht für alle Menschen, die mindestens seit einem Jahr in Deutschland leben - unabhängig von der Staatsbürgerschaft. Sonst könnten Millionen Menschen nicht über die Politik mitbestimmen, die sie selbst betrifft - beispielsweise die Arbeits- und Familienpolitik.

Beim Bundeswahlleiter fand man das allerding nicht besonders lustig.

Die Absicht von "Peng!", eine Diskussion anzustoßen, ging allerdings nur teilweise auf. In den sozialen Medien diskutierten zwar einige User inhaltlich über das Thema, es ergoss sich aber auch viel Hass gegen die angebliche Wahlfälschungsaktion zugunsten von Migranten.

Das Künstlerkollektiv "Peng! hatte zuletzt etwa mit einem Sahnetortenwurf auf die AfD-Vizechefin und Berliner Landesvorsitzende Beatrix von Storch für Aufsehen gesorgt.

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

7 Kommentare

  1. 7.

    Das ist mal wieder typisch linke "Aktivisten": Erst so eindeutig wie möglich zu einer Straftat aufrufen (oder diese sogar begehen) und diese dann im Nachhinein als Satire zur Anregung über das Wahlrecht verkaufen wollen. Natürlich wird dann auch wieder die Täter-Opfer-Umkehr-Masche verwendet, nur um sich ohne Bestrafung aus der Affäre ziehen zu können. Hoffe nur, dass der Schuß diesmal eindeutig nach hinten los geht!

  2. 6.

    Ihr "P.S.:" bescheibt die Realität. Allerdings passt nicht immer - das Runde in das Eckige -.

  3. 5.

    "Wieso Apartheid?" Wegen der Parallelgesellschaft von Millionen Einwohnern mit weniger Rechten, die offenbar politisch so gewollt ist. Mit "nur" der halbherzigen Änderung des Staatsbürgerschaftsrechts (ius sanguinus zum eingeschränkten ius soli)wird diese Realität noch viele Jahrzehnte wirksam sein.
    P.S.: Ich kenne diverse berliner Geschichten von erfolgreichen Einbürgerungen, die eher abschrecken (bzgl. Dauer, Umgang und Aufwand) und nicht darauf hindeuten, dass Einbürgerungen gewollt sind ;)

  4. 4.

    Es gibt eine legale Möglichkeit an den Wahlen teilzunehmen: Staatsbürger werden. Wer hier lebt und sich einbringen will, soll einen Ausweis beantragen und Deutscher werden. Das ist in diesem Lande sogar einfacher möglich, als in manch anderen Staaten. Die Aufregung über eine angebliche "Apartheid", weil man Mitglied eines Staates werden muss, um am Staat teilzunehmen, ist maximal aufgebauscht.

    "und setzt sich damit sehr konkret für eine bessere Welt ein"

    Die Aktion ist einfach nur dumm. Nicht nur, dass die Aktion Rechtspopulisten zuspielt, welche diese als Beispiel von Wahlmanipulation anführen können, ist die ausländische Beeinflussung von Wahlen in Deutschland nun mal nicht ausgeschlossen, insbesondere mit Hinblick auf Erdogan, der hier massiv Wahlkampf betreibt für seine semi-faschistische AKP, während er gerade dabei ist, die Türkei in eine Diktatur zu verwandeln.

  5. 3.

    Mike, Sie erscheinen mir ein wenig zu ungeduldig. Die Wahlberechtigung ist im GG klar geregelt. Wer es anders haben will, muss das GG ändern. Der Weg zur GG-Änderung ist aber schon beschritten.
    Er zeigt sich durch Migration = Zuzug, Infiltration = Mitarbeit im öff. (Hoheit)Dienst und Marsch durch die Institutionen = Mitglied in den Parlamenten.
    Es geht zwar voran, aber es dauert halt.

  6. 2.

    @ MikeKreuzberg schrieb:
    >F. Empörung sollte d. deutsche Variante d. Apartheid sorgen m. mehreren Millionen Einwohnern, d. nicht wählen dürfen obwohl sie schon sehr lange hier leben.<

    .
    Wieso Apartheid?
    Weil sie nicht die Chance nutzen und Deutsche werden wollen und damit automatisch das Wahlrecht erhalten würden, obwohl sie trotz des langen Aufenhaltes in Deutschland eine der rechtlichen Voraussetzungen damit erfüllen würden?

  7. 1.

    Für Empörung sollte die deutsche Variante der Apartheid sorgen mit mehreren Millionen Einwohnern, die nicht wählen dürfen obwohl sie schon sehr lange hier leben; häufig hier geboren sind - zum Teil in der dritten oder vierten Generation (!). Einfach das Wahlrecht ändern. Einige Organisationen und Parteien fordern das schon seit Jahrzehnten - auch ein Berliner, der seit Jahren bei jedem Wetter mit Plakaten und Trillerpfeife auf seinem Fahrrad in der ganzen Stadt für das "Wahlrecht für alle" eintritt - und Bonbons an Kinder verteilt. Wenn wir die Inklusion nicht schaffen, dann vielleicht die nächste Generation ;) Besser sofort umsetzen im Sinne einer zeitgemäßen Demokratie.
    Peng! hat schon viele (mindestens 15) super inszenierte Aktionen gemacht, wie zuletzt die "Kampagne gegen Kleinwaffenexporte" und setzt sich damit sehr konkret für eine bessere Welt ein. Siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Peng!

Das könnte Sie auch interessieren