Dietlind Tiemann spricht in Berlin während einer Pressekonferenz der Bundesgartenschau (Quelle: dpa/Kjer)
Audio: Inforadio | 25.09.2017 | Torsten Sydow | Bild: dpa

Von der Havel in den Bundestag - Dietlind Tiemann gewinnt Steinmeiers ehemaligen Wahlkreis

Jahrelang holte Frank-Walter Steinmeier im Wahlkreis 60 das Direktmandat. Doch der wurde Bundespräsident  - und sein Nachfolger im Wahlkreis erkrankte. Nicht nur davon konnte nun die CDU-Politikerin Dietlind Tiemann profitieren.

14 Jahre war Dietlind Tiemann (CDU) Oberbürgermeisterin in Brandenburg an der Havel. Seit 2003 führte sie die Stadt, engagierte sich vor allem für die Kreisfreiheit. Mit dem Wahlergebnis vom Sonntag aber ist klar: Brandenburg an der Havel braucht ein neues Stadtoberhaupt - denn Dietlind Tiemann hat das Direktmandat im Wahlkreis 60 gewonnen.

31,8 Prozent der Erststimmen entfielen auf die Direktkandidatin. Die SPD fuhr mit 25,1 Prozent und einem Verlust von 8,2 Prozentpunkten auch hier am Sonntag eine herbe Schlappe ein. Für die Sozialdemokraten war Generalstaatsanwalt Erardo Rautenberg angetreten. Er sollte das neue Zugpferd der SPD stellen, nachdem Frank-Walter Steinmeier als neuer Bundespräsident für das Mandat ausgefallen war. Denn nach Artikel 55 des Grundgesetzes schließt das höchste Amt Deutschlands ein zeitgleiches Direktmandat in einem Wahlkreis aus.

SPD-Wahlkampf auf Sparflamme

Rautenberg erschien zunächst als geeigneter Nachfolger Steinmeiers. Über Jahre hat er sich gegen rechtsextreme Gewalttäter stark gemacht; Sicherheit und Gerechtigkeit zu seinen präferierten Themen gemacht. Doch dann, bevor der Wahlkampf überhaupt richtig begonnen hatte, fiel Rautenberg plötzlich aus. Diagnose Krebs, er musste sofort operiert werden. Der Wahlkampf fand weitestgehend ohne ihn statt.

Doch das bleibt wohl nicht der einzige Grund, weshalb Tiemann sich letzten Endes durchsetzte. Schon bei der vorigen Bundestagswahl im Jahr 2013 hatte die SPD bereits an Stimmen eingebüßt. Damals gewann Steinmeier nur noch mit 333 Stimmen Vorsprung. Tiemann setzte nun auf Gesundheit und Bildung, besonders aber Wirtschaft und in dem Zuge auf eine verbesserte Infrastruktur - auch digital.

AfD vor der Linken

Digitale Infrastruktur schrieb sich auch eine weitere prominente Anwärterin auf das Direktmandat im Bundestag auf die Fahnen: Anke Domscheit-Berg, einstige McKinsey-Unternehmensberaterin und frühere Landesvorsitzende der Piratenpartei in Brandenburg. Breitbandausbau mit Glasfaserkabeln, bedingungsloses Grundeinkommen, Wertschöpfungsabgabe von Unternehmen - dafür stand die Kandidatin zur Wahl.

Gebracht hat es Domscheit-Berg für die Linke am Sonntag aber nur auf 15,1 Prozent - das sind 8,6 Prozentpunkte weniger als vor vier Jahren. Besonders bitter ist das mit Blick auf die Erststimmen der AfD im Wahlkreis 60: Mit 16,9 Prozent zog Direktkandidat Klaus-Dieter Riedelsdorf an der Netzaktivistin vorbei - und das obwohl sie eigentlich neben Tiemann und Rautenberg als dritte Hauptrivalin galt.

Nur Nr. 61 bleibt in SPD-Hand

Ein fast schon traditionsgemäß SPD-dominierter Wahlkreis geht nun an die CDU. "Mir sind die Themen Wirtschaft, Gesundheit, Sicherheit und Bildung besonders wichtig", bekräftigte Tiemann am Sonntagabend erneut. "Ich hoffe, dass ich die Chance habe, mich im Bundestag für diese Themen einzubringen", freut sie sich über ihren Wahlerfolg.

Für die SPD bleibt am Ende nur der Trost, wie bereits 2013 zumindest einen Wahlkreis gewonnen zu haben: Diesmal ist es die Nummer 61 mit Potsdam, wo die SPD-Politikerin Manja Schüle gegen die umstrittene CDU-Politikerin Saskia Ludwig angetreten war.

 

Sendung: Ihre Wahl  2017, 24.09.2017, 20:15 Uhr

mit Informationen von Andreas B. Hewel

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