Ausschnitt der rbb24-Wahlkreiskarte zur Bundestagswahl 2017. Mittig der rot-schwarz schraffierte Wahlkreis 61. (Quelle: rbb)
Bild: rbb/Victor Buzalka

Warum die rbb|24-Wahlkreiskarte "manipuliert" ist - Das Potsdam-Dilemma

Die rbb|24-Wahlkreiskarte zeigt auf einen Blick an, welche Partei 2013 das Direktmandat holte. Schwarz heißt CDU, Rot SPD. Doch warum ist der Wahlkreis 61 rot-schwarz schraffiert? Der Grund ist eine veränderte Grenze - und die Gemeinde Großbeeren.

Wie haben die Berliner und Brandenburger doch gleich bei der Bundestagswahl 2013, abgestimmt? In einer detaillierten Karte zeigt rbb|24 die Ergebnisse der Bundestagswahl 2013 - aufgeschlüsselt nach Wahlbezirken. Am 24. September können Sie auf dieser Karte die alten mit den neuen Ergebnissen vergleichen. Doch es gibt ein Problem: das Potsdam-Dilemma.

Der Wahlkreis 61 (Potsdam - Potsdam-Mittelmark II - Teltow-Fläming II) wurde zur Bundestagswahl 2017 neu gegliedert. Die Gemeinde Großbeeren ist zum Wahlkreis 62 gewandert. Der Wahlkreis ist also ein bisschen kleiner geworden. Im Jahr 2013 holte die CDU bei den Erststimmen die Mehrheit, aber nur hauchdünn. Die CDU-Politikerin Katherina Reiche setzte sich durch, allerdings mit nur 0,4 Prozentpunkten Vorsprung vor der SPD-Kandidatin Andrea Wicklein.

Katherina Reiche (Quelle: imago)
Katherina Reiche

Großbeeren macht den Unterschied

Das war so knapp, dass das Ergebnis ohne Großbeeren anders ausgefallen wäre: Die SPD wäre bei neuem Wahlkreiszuschnitt stärkste Kraft geworden. In der rbb|24-Wahlkreiskarte sollen aber die Ergebnisse von 2013 mit denen von 2017 verglichen werden - und damit gibt es ein Problem: Wie soll der Wahlkreis nun eingefärbt werden?

Schwarz einfärben, weil 2013 die CDU-Kandidatin vorne lag? Das trifft nur auf den alten Wahlkreiszuschnitt zu, aber nicht auf den neuen.

Oder rot einfärben, weil nach neuem Wahlkreiszuschnitt die SPD-Kandidatin rechnerisch vorn läge? Auch das ist problematisch - denn die SPD hat das Direktmandat nicht gewonnen.

Der Ausweg aus dem Potsdam-Dilemma: der Wahlkreis ist nun rot-schwarz schraffiert. Die Zahlen in der Tabelle zeigen die für den neuen, veränderten Wahlkreis umgerechneten Werte – es liegt als die SPD vorn. So verfährt übrigens auch der Wahlleiter.

Verschiebung von Wahlkreisgrenzen kommt häufiger vor

Hintergrund sind Verschiebungen der Wahlkreisgrenzen: Wegen der regional sehr unterschiedlichen Bevölkerungsentwicklung in Brandenburg sind die Wahlkreise für die Bundestagswahl neu zugeschnitten worden. In den Wahlkreisen sollen nach Möglichkeit gleich viele Bürger leben - ab einer Abweichung von mehr als 25 Prozent wird der Wahlkreis neu gezogen.

Großbeeren wird zu groß

Um diese 25-Prozent-Marke nicht zu über- oder unterschreiten, mussten einige Gemeinden anderen Wahlkreisen zugeteilt werden als zur Bundestagswahl 2013. So geschehen im Falle Großbeeren: Dort stieg die Bevölkerung in den vergangenen Jahren stark an. Um eine Grenzwertüberschreitung zu verhindern, wurde Großbeeren aus dem Wahlkreis 61 (Potsdam - Potsdam-Mittelmark II - Teltow-Fläming II) herausgelöst und dem Wahlkreis 62 (Dahme-Spreewald - Teltow-Fläming III - Oberspreewald-Lausitz) zugeordnet.

Deswegen wurde die Karte also verändert. Der Wahlkreis 61 erscheint nun rot-schwarz schraffiert - obwohl dort 2013 Katherina Reiche das Mandat für die CDU holte. Eine minimale "Manipulation" also.

Alle Wahlkreisveränderungen im Überblick

Insgesamt sind in Brandenburg sieben der zehn Wahlkreise neu definiert worden. Alle Veränderungen sind hier im Folgenden aufgelistet:

Veränderungen der Brandenburger Wahlkreiszuschnitte

Wahlkreis Veränderung 2017
56 Ostprignitz-Ruppin - Havelland I   Neu hinzu gekommen ist die Gemeinde Nauen (vorher Wahlkreis 58) und das Amt Nennhausen (vorher Wahlkreis 60).
57 Uckermark – Barnim I   Neu hinzu gekommen ist die Gemeinde Wandlitz und das Amt Biesenthal-Barnim (beides vorher Wahlkreis 59).
58 Oberhavel – Havelland II Die bisher zum Wahlkreis 58 gehörende Gemeinde Nauen wurde dem Wahlkreis 56 zugeordnet.
59 Märkisch-Oderland – Barnim II   Die bisher zum Wahlkreis 59 gehörende Gemeinde Wandlitz und das Amt Biesenthal-Barnim wurden dem Wahlkreis 57 zugeordnet.
60 Brandenburg an der Havel – Potsdam-Mittelmark I – Havelland III – Teltow-Fläming Das bisher zum Wahlkreis 60 gehörende Amt Nennhausen wurden dem Wahlkreis 56 zugeordnet.  
61 Potsdam – Potsdam-Mittelmark II – Teltow-Fläming II Die bisher zum Wahlkreis 61 gehörende Gemeinde Großbeeren wurden dem Wahlkreis 62 zugeordnet.
62 Dahme-Spreewald – Teltow-Fläming III – Oberspreewald-Lausitz Neu hinzu gekommen ist die Gemeinde Großbeeren (vorher Wahlkreis 61).
63 Frankfurt (Oder) – Oder-Spree Der Wahlkreis 63 wurde nicht verändert.
64 Cottbus – Spree-Neiße Der Wahlkreis 64 wurde nicht verändert.
65 Elbe-Elster – Oberspreewald-Lausitz   Der Wahlkreis 65 wurde nicht verändert.

Für die Berlin-Karte waren übrigens keine Änderungen notwendig - denn dort ist beim Zuschnitt der zwölf Wahlkreise alles beim Alten geblieben.

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