Ehemaliger Perleberger Bürgermeister Fred Fischer (Quelle: rbb/Britta Streiter)
Audio: Antenne Brandenburg | 17.05.2019 | Britta Streiter | Bild: rbb/Britta Streiter

Umstrittener Kandidat Fred Fischer - Perleberger Ex-Bürgermeister tritt mit Wählergruppe wieder an

Ein ehemaliger Bürgermeister will wieder Einfluss in Perleberg gewinnen: Fred Fischer tritt mit einer Wählergruppe zur Kommunalwahl an. Einst war er mit Stasivorwürfen konfrontiert worden. Seine Kandidatur kommt nicht bei allen gut an. Von Britta Streiter

Fred Fischer sitzt in seinem Haus in der Perleberger Waldsiedlung vor einem Papierberg an seinem Schreibtisch. Es ist noch jede Menge vorzubereiten, ehe die Perleberger an die Wahlurne gerufen werden, um ein neues Stadtparlament zu wählen. "Die Stadtwächter" nennt sich seine Wählergruppe. Sie besteht aus acht Kandidaten.

"Wir wollen uns um Perleberger Probleme kümmern, und wir wollen schauen, dass mit der Stadt alles rechtens ist. Genau das ist die Berufung eines früheren Stadtwächters gewesen", sagt der  61-Jährige. “Wenn wir gewählt werden, haben wir Aufgaben zu erfüllen, zum Beispiel die Beschlüsse zu kontrollieren, die mehrheitlich gefasst wurden, und die Verwaltung zu kontrollieren, wie sie arbeitet. Natürlich wollen wir auch neue Ideen entwickeln, für die Familienfreundlichkeit und die Wirtschaftsförderung in der Stadt."

Breites Berufespektrum bei den "Stadtwächtern"

Fischers "Stadtwächter"-Kandidaten kommen aus verschiedenen Bereichen. Sie sind Polizisten, Sozialarbeiter, Ingenieure, Metallbauer, Handelsvertreter und Hoteliers. "Alle Kandidaten bringen sich schon gesellschaftlich ein, wollen sich nun aber auch in der Kommunalpolitik engagieren. Aber sie wollen das nicht unter der Fahne einer Partei tun, zumindest nicht in Perleberg." Fischer spielt damit nicht nur auf die allgemeine Politikverdrossenheit an, sondern auch auf die Querelen vor vier Jahren, als Stadtverordnete parteienübergreifend seinen Abgang forderten.

Nach seiner ersten Amtszeit war Fred Fischer bei der Bürgermeisterwahl 2015  Annett Jura (beide parteilos) knapp unterlegen. Im Vorfeld hatten einige Stadtvertreter ein Verfahren gegen ihn ins Rollen gebracht. Es ging um eine inoffizielle Mitarbeit bei der Staatssicherheit der DDR.  Dem ehemaligen NVA-Offizier war vorgeworfen worden, den Perlebergern vor seiner Wahl zum Bürgermeister eine IM-Tätigkeit verschwiegen zu haben. Nach einem Beschluss der Stadtverordneten war Fischer 2012 suspendiert worden.  Diesen Beschluss hob  das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg auf. Schließlich sei er durch eine Direktwahl der Einwohner Bürgermeister geworden, hieß es damals zur Begründung.

Perlebergs Bürgermeisterin Annett Jura vor dem Rathaus (Quelle: rbb/Britta Streiter)
Die amtierende Bürgermeisterin Annett Jura | Bild: rbb/Britta Streiter

Neue Bürgermeisterin: "Ich lasse das auf mich zukommen"

Der frühere Bürgermeister hält mit seiner Kritik an der derzeitigen Amtsinhaberin Annett Jura nicht hinterm Berg. So nutzte Fischer in der Vergangenheit bei Stadtverordnetenversammlungen vor allem Einwohnerfragestunden, um die Rathauschefin mit bissigen Fragen zu verunsichern. Doch kann er dies bislang nur als Bürger im eingeschränkten Rahmen der Fragestunde tun. "Unser Ziel ist es, eine Fraktion zu gründen", sagt der 61-Jährige. Dafür müssten zwei unserer Kandidaten ins Parlament gewählt werden. "Es ist ja nicht alles schlecht, wie es jetzt läuft", so Fischer. "Aber ich spüre bei vielen eine Unzufriedenheit. Es muss in einer Stadt eine Entwicklung zu bemerken sein. Zum einen wird der Haushalt viel zu spät verabschiedet. Zum anderen erkenne ich nicht, dass die Stadt mit diesem Haushalt einem Ziel entgegenarbeitet."

Sollten also Fischer und seine "Stadtwächter" ins neue Parlament gewählt werden, wäre das für die jetzige Bürgermeisterin kein Zuckerschlecken. "Ich lasse das auf mich zukommen", sagt Jura zu Fischers Ambitionen. "Ich begegne den Kandidaten wie allen anderen Kandidaten auch. Wir werden ja sehen, ob der Einzug gelingt - und dann wird es daran sein, dass wir einen guten Umgang miteinander finden."

An diesen guten Umgang glaubt der SPD-Stadtverordnete und Leiter des Perleberger DDR-Geschichtsmuseums, Hans-Peter Freimark, nach eigenem Bekunden nicht. Der ehemalige Pfarrer war damals Fischers schärfster Widersacher. "Er hat sich das Amt erschlichen", sagt Freimark. "Er hat vor seiner Wahl schriftlich verfasst, dass er nicht für den Staatssicherheitsdienst gearbeitet hat. Und dann stellte sich heraus, dass er doch ein IM war. Er hat ja auch mit einem Decknamen gearbeitet. Menschen, die lügen, haben in öffentlichen Ämtern nichts zu suchen. Sowas kann nicht ins Stadtparlament", sagt Freimark. "Nur wenn die Bevölkerung nach Recht und Ordnung fragt, und das weiß, was gewesen ist und ihn trotzdem wählt, dann hat vielleicht Perleberg nichts anderes verdient."

Beitrag von Britta Streiter

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3 Kommentare

  1. 3.

    Darf ich Frau Streiter darauf hinweisen, dass es doch sehr nach tendenziöser Berichterstattung aussieht, wenn sie den schärfsten Widersacher Fred Fischers ausführlich zu den Stasivorwürfen zu Wort kommen lässt, Fred Fischer selbst aber zu diesem Thema nicht. Immerhin gab es richterliche Entscheidungen, die gezeigt haben, dass Fred Fischer zu Unrecht vom Amt beurlaubt wurde, und nach denen er sein Amt auch wieder zurückerlangt hat.

    Da Herr Freimark andere so gerne als Lügner bezichtigt, sei ihm schließlich auch gesagt, dass sein "DDR-Museum" keinerlei wissenschaftlichen Kriterien entspricht, sondern genau so tendenziös Geschichte erzählt, wie er selbst Politik macht.

  2. 2.

    wieder zensiert ?

    Hans-Peter Freimarks peinlicher Auftritt bei der Verabschiedung von Fred Fischer wie auch seine Worte hier sind nicht gut für das Klima in der Stadt und über Perleberg hinaus bekannt.

  3. 1.

    Eine Stasi-Vergangenheit kann doch heute kein zwingender Grund sein, weswegen man sich nicht politisch betätigen darf.
    Wenn es sogar Personen wie die IMs Kahane und Dehm schaffen und Die Linke in vielen Landesparlamenten sitzt?

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