Archivbild: Stau auf der Behlertstraße in Potsdam, Brandenburg. (Quelle: imago)
Audio: Antenne Brandenburg | 22.05.2019 | Karsten Steinmetz | Bild: imago

Bauarbeiten und Stauproblem - Potsdam streitet um Verkehrskonzepte

Potsdam hat ein Stauproblem. Darin sind sich die Parteien, die am 26. Mai zur Kommunalwahl antreten, weitgehend einig. Doch in der Frage, welches Verkehrskonzept das Problem lösen soll, gibt es sehr unterschiedliche Vorstellungen. Von Karsten Steinmetz

In der Potsdamer Behlertstraße rollt der Verkehr am Neuen Garten vorbei. Radfahrer haben nur wenig Platz, sie sind fast eingeklemmt zwischen Park und Autos. "Es wird bei zunehmendem Verkehr immer gefährlicher, insbesondere für Radfahrer mit Kindern", sagt Janny Armbruster von den Grünen. Dabei gilt Potsdam eigentlich als besonders fahrradfreundliche Stadt.

Umsetzung des Radverkehrskonzepts macht Schwierigkeiten

Beim ADFC-Fahrradklimatest belegt die Landeshauptstadt von Brandenburg einen fünften Platz in der Kategorie von Städten zwischen 100.000 und 200.000 Einwohnern. Im Radverkehrskonzept der Stadt bleiben auch so gut wie keine Wünsche offen. Ausbau von Fahrradwegen, Neubau von Schnellwegen, Schaffung von Fahrradparkanlagen – all das nimmt sich Potsdam vor, um die Umwelt zu schonen und die für die Stadt so typischen, langen Staus zu reduzieren.

Aber bei der Umsetzung gibt es Schwierigkeiten. Der vorgesehene Schnellweg nach Stahnsdorf kann erst einmal nicht gebaut werden. Es gibt bisher keine Einigung mit der Nachbargemeinde. Der Radschnellweg in den Potsdamer Norden, nach Krampnitz, ist noch überhaupt nicht geplant. Janny Armbruster ärgert das. Warum alles so lange dauert? "Wir stellen immer wieder fest: Es gibt noch eine große Lobby für den Autoverkehr." Armbruster möchte, dass der Radverkehr in Potsdam künftig Vorrang genießt.

CDU will dritten Havelübergang

Bei der Potsdamer CDU sieht man das ganz anders. "Die vielen Touristen kommen ja nicht alle mit dem Fahrrad in die Stadt. Und für die vielen Fahrten zu den Wissenschafts-Standorten, zum Beispiel nach Golm, wird auch nicht das Rad genutzt", sagt CDU-Kreis-Chef Götz Friederich. Er will auch bessere Lösungen für Autofahrer finden. "Wir müssen alle Verkehrsarten gestalten", ist sein Motto. Friederich bringt einen dritten Havelübergang für den Autoverkehr ins Gespräch - obwohl dieses Vorhaben in der Stadtverordnetenversammlung in der Vergangenheit mehrfach gescheitert ist.

Das Potsdamer Bürgerbündnis hält ebenfalls ein übergeordnetes Verkehrskonzept, das alle Verkehrsteilnehmer einschließt, für notwendig. Die AfD will sich dagegen klar auf die Seite der Autofahrer schlagen und fordert in ihrem Wahlprogramm, dass Potsdam autofreundlicher werden muss.

Die SPD will den Autoverkehr nach eigenen Angaben zwar nicht abbremsen, wird bei einem Punkt aber ganz konkret: keine neue Umgehungsstraße, kein dritter Havelübergang. Ansonsten ist offenbar das Motto der Sozialdemokraten, die seit 1990 den Oberbürgermeister der Stadt stellen: Weitermachen wie bisher, funktioniert doch alles ganz gut. Das Radverkehrskonzept zum Beispiel ist für den bisherigen Fraktionschef Pete Heuer ein Erfolg. "Man sieht immer mehr Radfahrer in der Stadt, das entlastet den Verkehr", sagt er. "Ist doch außerdem ein schönes Gefühl, am Stau vorbeizuradeln."

Linke will mehr Sicherheit

Die Linke lobt auch die vorgesehenen Schnellradwege nach Werder und Krampnitz. Hans-Jürgen Scharfenberg, bisher Fraktionschef, sieht aber ein Sicherheitsproblem, wenn Fahrradwege einfach auf die Straße verlegt werden. "Da müssen wir künftig noch mehr unternehmen", sagt er.

Die Wählergruppe "Die Andere" ist eher der Meinung der Grünen: Die Infrastruktur für Radverkehr müsse stärker ausgebaut werden als bisher. Denn nur so könnten nicht nur die langen Staus in der Stadt verringert, sondern auch die Umweltschutz- und Klimaziele erreicht werden. Die Stadt brauche eine grüne Welle für Radfahrer und ausreichend Stellplätze für Fahrräder.

Sendung: Antenne Brandenburg, 19.05.2019, 14:40 Uhr

Beitrag von Karsten Steinmetz

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21 Kommentare

  1. 21.

    Der ÖPNV-Ausbau in Potsdam sollte endlich mehr Aufmerksamkeit bekommen. Bahnhöfe im Potsdamer Norden werden nicht ausgebaut, damit mehr Pendler auf die Bahn umsteigen könnten. Die Strassenbahnverlängerungen, lassen auf sich warten und verschiedene Radschnellwege fehlen immer noch. Auch eine direkte Anbindung von Golm, an die Bundesstrasse 273 und damit an die Autobahnabfahrt Potsdam/Nord, würde Verkehr in Potsdam verringern. Ich glaube, in Potsdam wird zu Kleinräumig gedacht, ohne die Gesamtentwicklung der gesamten Stadt und der umliegenden Landkreise im Fokus zu haben. Und das, neue Wohngebiete in Krampnitz politisch verzögert werden, weil die Anbindung nicht stimmt, ist für eine wachsende Stadt und deren Umland, auch kein gutes Zeichen. Die angespannte Verkehrsproblematik in Potsdam und dem Umland, ist doch schon seit Jahren bekannt.

  2. 20.

    Die Planung der Humboldtbrücke ist übrigens ein hervorragendes Beispiel einer typischen Sackgassen-Planung, wie sie "Ost" und "West" mehr gemeinsam hatten, als dass da Unterschiede zu verzeichnen waren. Motto: Erstmal anfangen, das Weitere bricht sich Bahn.

    Schon zu DDR-Zeiten sind Menschen auf den Plan getreten, die die weitere Führung der Humboldtbrücken-Achse in Richtung Alexandrowka, sprich: des Abschneidens des südlichsten Teils von ihr bis zur Einmündung Pappelallee, verhinderten. Weil die Alexandrowka in dem zweifellosen Kulturstaat DDR sehr wohl Denkmalkategorie besaß.

    Heute gibt es nun Menschen, die selbst das noch leugnen und am Liebsten die Straße bis zur Pappelallee führen möchten. Glücklicherweise lassen Sie sich offenbar an einer Hand abzählen.;-

    Ich schlendere übrigens sehr gern in der Potsdam gut zu Gesicht stehenden Fußgängerzone, der einzigen, wo auch eine Straßenbahn durchfährt. Ist wie in Erfurt. Die wurde verdientermaßen schon zu DDR-Zeiten geschaffen.

  3. 19.

    Sie hatten in der Tat so weit vorgegriffen, in dem Sie den Stadtverordneten ihre Linie quasi vorgaben. Was die Bürger in der Stadt wollen (sie sind hier nicht gemeint) geht einigen Bonzen schon seit Jahren am A..... vorbei. Sei es Verkehr noch Protzbauten wie den Rosa Klotz. Was sie zu den Linken schreiben, erschließt sich mir nicht, da die Linken seit Jahren keinen Einfluss haben in Potsdam. Oder meinen Sie die gelungen Planungen aus der DDR wie Humboldtbrücke, die Brücke Zentrum Ost, Leipziger Dreieck und die Straßenführung am heuten Rosa Klotz? Der idiotische Rückbau aus ideologischen Gründen für die Barock-Attrappen wie bei der Breiten Straße und den Rosa Klotz haben nicht die Linken zu verantworten.

  4. 18.

    "Wenn die demokratisch gewählten Vertreter mit den ihnen zu Verfügung stehen rechtlichen Mitteln, beschließen sollten... "

    Das ist in der Tat zu weit vorgegriffen. Dieser Artikel hier beschäftgt sich mit der Kontroverse im Vorfeld von StVV-Beschlüssen. Da gehen die Auffassungen zwischen einer Autoverkehrspolitik + x und einer Gesamtverkehrspolitik, die alle Verkehrsmittel einbezieht und das Kfz. nur als EINES davon begreift, in der Tat auseinander. Bei ungewöhnlichen Konstellationen im Vergleich zu Berlin wohlgemerkt, dies beispielsweise, was die hiesige Rolle der Partei Die Linke angeht, die anders als in Berlin sehr autofixiert daherkommt.

  5. 17.

    Der verkehrspolitische Streit geht um die Frage eines verkehrlichen Gesamtkonzepts, bei dem der Kfz-Verkehr eine Rolle unter vielen spielt versus eines Autoverkehrskonzepts + x, das die Zahl der Havelübergänge dann um die Hälfte von zwei auf drei erhöhen will. Notfalls, bei Nachfrage, wird dann verbal "nachgebessert".

  6. 16.

    Welchen Streit ? Sie meinen doch ich habe unrecht und die demokratisch gewählten Vertreter dürfen nur so entscheiden wie Sie es meinen. Aber das kennen wir schon in der Stadt von der Nazikirche. Die Mehrheit der Bürger und das Parlament sind dagegen, trotzdem wird die Attrappe gebaut. Aber dies finden Sie bestimmt auch ganz tooooolllll?

    Ich sage:
    Wenn die demokratisch gewählten Vertreter mit den ihnen zu Verfügung stehen rechtlichen Mitteln, beschließen sollten einen dritten [oder achten] Havelübergang zu bauen ist daran nichts auszusetzen.

  7. 15.

    Ich lasse da gern der Streit bei Ihnen.

    Das gestellte Thema ist Verkehr mit all seinen Verkehrsträgern, nicht als Ausschnitt der Autoverkehr. Das wäre im Sinne eines Gesamtverkehrskonzeptes, um was es hier geht, sowieso sinnwidrig.

  8. 14.

    Thema verfehlt. Frage war nicht nach der Anzahl der Havelübergänge. Damit Sie nicht so suchen müssen gern nochmal.

    Wenn die demokratisch gewählten Vertreter mit den ihnen zu Verfügung stehen rechtlichen Mitteln, beschließen sollten einen dritten [oder achten] Havelübergang zu bauen ist daran nichts auszusetzen.

  9. 13.

    Meines Wissens gibt es bereits 7 Havelübergänge. Wenn nicht nur speziell und ausschnitthaft auf das Auto hin gedacht wird.



  10. 12.

    Möglich wäre bspw. eine Straßenbahn nicht nur von Potsdam bis Teltow, sondern auch über Kleinmachnow und dem wieder reaktivierbaren Bahnhof Kleinmachnow über die Lindenthaler Allee bis zur Krummen Lanke. Gegebenfalls auch bei Verwendung von Zweisystembahnen mit zwei verschiedenen Höheneinstiegen und Stromschienen wie auch Oberleitung, sodass sogar eine Weiterführung als U-/Tram bis Nollendorfplatz möglich wäre. Oder aber, es wird am Bhf. Kleinmachnow eine technische Systemgrenze zwischen den unterscniedlichen Zügen praktiziert: U/Tram 3 bis dort, die Potsdamer Linie 96 vorzugsweise von Süden her bis Bhf. Kleinmachnow.

  11. 11.

    Wenn wir der Annahme folgen in der CDU sitzen fähige Leute, dann ist diesen schon bekannt, daß der dritte Havelübergang keine Lösung der Stauprobleme bringen wird, noch in absehbarer Zeit umsetzbar sein wird. Solche Wählertäuschung kennen wir ja von den Linken wenn es um die Täuschung deren Wähler geht. Letztens forderten diese Sozialwohnungen für den Abriss des hübschen Staudenhofs. Blöd nur dies war von Anfang an im Konzept. Da gibt es einen Streifen der niemandem mit Geld zuzumuten ist als Wohnung. Für die armen geht dies aber schon. Denn Wählern in Potsdam bleibt nur die Wahl zwischen AFD und der Partei Die Anderen wenn gegen den Rathausklüngle ist.

    Die Probleme in der Stadt sind hausgemacht wie die Sperrung der Friedrich-Ebert-Str. am Rosa Klotz für Autos oder die Planungen am Leipziger Dreieck die Verkehrsflächen zugunsten der Baulobby vernichten.

  12. 10.

    Herr Krüger wie auch schon bei dem Foto zu der S-Bahn sind auch hier sagen wir mal ihre Gedankengänge recht speziell. Wenn die demokratisch gewählten Vertreter mit den ihnen zu Verfügung stehen rechtlichen Mitteln, beschließen sollten einen dritten Havelübergang zu bauen ist daran nichts auszusetzen.


  13. 9.

    Potsdam könnte auch gemeinsam mit Berlin den Südwesten Berlins mit der Straßenbahn erschliessen. Dann wären dort schon erste Linien vorhanden, wenn die Straßenbahn vom östlichen Zentrum nach Steglitz kommt. Etwas mehr grenzüberschreitendes Engagement ist auch lokal möglich und notwendig! Ausreichend Platz ist vorhanden.

  14. 8.

    Als teilweiser Fußgänger, Auto- u. Radfahrer erkenne ich keine Lösungen. Die Einstellung in den Köpfen verhindert das. (Lagerdenken, rot/grünes problematisches Verhältnis zu Eigentum, Verwaltungen, die "vergessen" haben, wer für wem da ist)

  15. 7.

    In der Tat fällt Potsdam, was die Straßenbahn angeht, weit hihter Erfurt oder Freiburg zurück. Das sind ja beides vergleichbare Städte. Ein Grund sehe ich darin, dass in Potsdam die Parole regiert (hat), allen wohl und niemanden weh. Nahezu jeder Bus von auswärts juckelt in Richtung Innenstadt hinein, aus der Befürchtung heraus, ansonsten Fahrgäste durch den "Umsteigezwang" zu verlieren.

    Dabei zeigen viele Städte - eben auch Erfurt - dass wenn die Straßenbahn wirklich als höherwertigeres Verkehrsmittel als der Bus begriffen wird, sich eine Stadt keine Sorgen machen muss, wenn von einem Rumpf-ÖPNV auf den tatsächlichen ÖPNV umgestiegen wird.

    Allerdings ist Potsdam auch "zerrieben" von Eigendarstellern, die auch jetzt, wo es tatsächlich in Richtung Stärkung der Straßenbahn geht, den Bus-Parallelverkehr in Richtung Norden, in Ri. Campus Jungfernsee um jeden Preis aufrechterhalten wollen. Wider besseren Wissens übrigens.

  16. 6.

    Denkt eigentlich irgendwer im Stadthaus auch mal an den ÖPNV. Tramprojekte scheitern, nach Krampnitz geht es erst 2028, die Heinrich-Mann-Allee muss neu geplant werden, und am Filmpark baut man die geplante Tramtrasse mit einer expandierenden, größenwahnsinnigen Medienstadt zu.
    Überall wird angebaut, mehr Bewohner bedeuten bei den in Potsdam üblichen Bevölkerungsschichten häufig mehr Autos. Das löst das Problem aber nicht. Den ÖPNV links liegen zu lassen, wird auf lange Sicht nicht funktionieren. Irgendwann wird alles still stehen, sodass Hubschrauber die Fahrzeuge aus den zugebauten Straßenschluchten herausheben müssen.

  17. 5.

    "Man sieht immer mehr Radfahrer in der Stadt, das entlastet den Verkehr", gleich jetzt mal, ob Pete Heuer das wortwörtlich so gesagt hat oder Karsten Steinmetz das so journalistisch in den Mund gelegt hat: Gerade durch eine derartige Formulierung wird eine Verkehrswende faktisch schon geistig verbaut. Pardon. Und das ist kein Spitzfindigkeit oder verbale Haarspalterei.

    Der Radverkehr ist gleich des Autoverkehrs ist gleich des ÖPNV ist gleich des Fußverkehrs Bestandteil des Verkehrs in dieser Stadt. Da gäbe es keinen "eigentlichen" Verkehr und keinen, der dann "irgendwie auch noch da ist", sondern passende Gefäßgrößen und dazu passende Verkehrsarten, damit umzugehen.

    Wer seinen SUV in eine winzig kleine Parklücke zwingen will, gibt sich der Lächerlichkeit preis. Und die Lösung liegt nicht darin, auf Kosten des Raumes für andere die Stadt "autogängig" zu machen, wie dies politisch systemübergreifend jz.lang der Fall war.

  18. 4.

    In Ihren Artikel fehlt der ennorm hohe Anteil an LKW die sich die Autobahn Maut sparen wollen und dann duech Potsdam fahren. Die Straßen der Innenstadt werden sehr stark belastet. Auch die Schlösser wären geschützter würden LKW über 7,5 die Durchfahrt verwehrt werden Lieferverkehr frei.

  19. 3.

    Anders als andere Städte ist Potsdam eingebettet in die geschützte Berlin-Potsdamer Kulturlandschaft, die unsensible Eingriffe überbordender Größenordnung nicht erlaubt. Von daher ist der Bau einer westlichen Umgehungsschnellstraße zwischen den BAB-Abfahrten Potsdam-Nord und Michendorf geradezu ein Widersinn. Sogar zu gänzlich anderer Zeit, einer vollkommen undemokratischen, ist ein weiter Bogen um die Kulturlandschaft geschlagen worden, als es seitens der Nazis um die Planung der Reichsautobahn (der heutigen "Beule" in der A 10) ging. Da war es allerdings nicht das Welterbe, sondern das spezifische "deutsche Erbe", das es zu schützen galt.

    Paradox, wenn eine demokratische Gesellschaft dahinter zurückbleiben würde und die Kulturlandschaft derartig zerschneiden würde. Was konzentrierten Verkehrsströmen abhelfen würde: 1. ÖPNV, 2. Rad, 3. Auto, in dieser Reihenfolge. Wenn die Binnen-Potsdamer 1. und 2. benutzen, bleibt für den Verkehr von außen nach außen 3. übrig.

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