Christian Vogel, Antonia Trümpler, Jonathan Manti und Theo Goltz aus Falkensee verteilen Flyer für ihre Wählergruppe "Jugend für I.R.G.E.N.D.W.A.S." (Quelle: rbb/Steinmetz).
Audio: Antenne Brandenburg | 22.05.2019 | Karsten Steinmetz | Bild: rbb/Karsten Steinmetz

Junge Wählergruppe in Falkensee - "I.R.G.E.N.D.W.A.S." will nicht irgendwas

In Falkensee hoffen zehn junge Erwachsene zwischen 18 und 20 auf ihren Einzug in die Stadtverordnetenversammlung. Weil sie sich keiner Partei anschließen wollten, haben sie eine eigene Wählergruppe gegründet. Und werden bereits umworben. Von Karsten Steinmetz

Es ist ganz offensichtlich Wahlkampf in Falkensee: Vier junge Leute der Wählergruppe "Jugend für I.R.G.E.N.D.W.A.S." verteilen am Regionalbahnhof der Stadt Flyer. Auf den Zetteln stehen ihre Wahlziele und daneben prangt das Wappentier der Gruppe: ein Tukan. "Der Vogel passt als Logo perfekt zu uns", sagt der 20-jährige Jonathan Manti gut gelaunt, während er versucht, mit vorbeihetzenden Falkenseern ins Gespräch zu kommen. "Auch wir haben eine große Klappe und sagen unsere Meinung."

"Yes Toucan"

Ein selbstgebastelter Tukan begleitet Manti und seine Mitstreiter im Wahlkampf überallhin.  "Yes Toucan" haben sie in schwarzer Schrift auf ein Pappschild geschrieben. Das Werben um Wählerstimmen soll auch Spaß machen, sagen sie, aber eine Spaß-Partei seien sie nicht. Auch wenn ihr Name "Jugend für I.R.G.E.N.D.W.A.S." anderes vermuten lässt - die Ziele der Wählergruppe sind durchaus konkret.

Mehr Radwege in der Stadt fordern die Jugendlichen, die zentrale Bahnhofsstraße soll teilweise zu einer Fußgängerzone umgebaut werden und die Schulen in der Stadt sollen mehr Sozialarbeiter bekommen. Außerdem bräuchten die Jugendlichen in Falkensee mehr Freiräume: "Es gibt schon mehrere Jugendklubs in der Stadt, aber wir wollen einen Ort, an dem sich Jugendliche selbstverwaltet organisieren können", fordert Manti. "Das gab es schon mal testweise und wir haben damit gute Erfahrungen gemacht".

Jugendliche in Falkensee halten

Falkensee muss für junge Menschen attraktiver werden, lautet das Motto der Wählergruppe. Deshalb brauche die Stadt kulturelle Angebote, denn zu viele Jugendliche verlassen ihrer Ansicht nach Falkensee nach der Schule. "Wir sehen das auch in unserem Umfeld", berichtet Theo Goltz, der vor einem Jahr sein Abitur gemacht hat und sich jetzt in der Wählergruppe engagiert. "Viele ziehen nach Berlin oder in eine andere große Stadt. Wir wollen daran arbeiten, dass alle auch eine Perspektive in Falkensee erkennen."

Vor den Mühen der Kommunalpolitik mit endlos langen Sitzungen fürchten sie sich dabei nicht. Der 18-jährige Abiturient Christian Vogel hat da schon Erfahrung: Als Mitglied des Jugendbeirates schon Sitzungen und Ausschüsse der Stadtverordnetenversammlung verfolgt. "Da habe ich festgestellt, dass mir das Diskutieren und Abstimmen Spaß macht."

Grüne wollen mit Jugendlichen zusammenarbeiten

Es gibt Mitbewerber, die loben die Jugendlichen für ihr Engagement. Martina Freisinger von den Grünen in Falkensee denkt sogar schon über eine mögliche Zusammenarbeit nach. "Die Gruppe wäre ein toller Partner, zum Beispiel bei der umstrittenen Frage nach der weiteren Finanzierung des Jugendbeirates."

Dafür müsste die "Jugend für I.R.G.E.N.D.W.A.S." aber tatsächlich den Einzug in die Stadtverordnetenversammlung schaffen. Die Wählergruppe hofft auf viele Stimmen der jungen Wählerinnen und Wählern. Am Ende sollen zwei bis drei Sitze in der Stadtverordnetenversammlung rausspringen. Um das zu erreichen, wollen die Jugendlichen in den kommenden Tagen weiter durch Falkensee ziehen, Flyer verteilen und erklären, dass das Wort "irgendwas" in ihrem Namen eine Abkürzung ist. Es steht für Inklusion, Radverkehr, Geschlechtergerechtigkeit, Europa, Naturschutz, Demokratie, Wohnungsbau, Aufenthaltsqualität und soziale Gerechtigkeit. Viele Worte – "aber das sind eben unsere Kernthemen", erklärt Jonathan Manti lächelnd.

Beitrag von Karsten Steinmetz

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2 Kommentare

  1. 2.

    Prima. Schön, dass "die Jugendlichen" heute offenbar bemerkt haben, dass man die Demokratie selbstwirksam nutzen kann, viele meiner Generation haben das (noch) nicht verstanden.
    Finde die Stichworte super. Vielleicht sollte ich mal als Gruftie bei denen vorbeischauen :).

  2. 1.

    Viel Erfolg! Wenn ich dürfte, würde ich euch sofort wählen. Auch Kinder und Jugendliche werden leider immer noch nicht überall beteiligt, wo es schon gesetzlich vorgeschrieben ist.

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