Großräschen (Quelle: rbb/Tim Schwiesau)
Audio: Inforadio | 22.05.2019 | Dominik Lenz | Bild: rbb/Tim Schwiesau

Von der Bergbau- zur Seestadt - Mit einer Stimme für die Vision von Großräschen

Es ist eine kleine politische Sensation: In Großräschen entscheiden die Stadtverordneten fast immer einstimmig - über die Parteigrenzen hinweg. Grund dafür ist die gemeinsame Vision von der Seestadt. Von Dominik Lenz und Tim Schwiesau

Die Großräschener haben eine Vision: den Ort umgestalten von der Bergbau- zur Seestadt. Und für diese Vision ziehen alle an einem Strang, sagen die Fraktionsvorsitzenden in der Stadtverordnetenversammlung. "Es geht es um Sachfragen", so Karl-Heinz Wahren (CDU). "Wir wollen die Stadt kontinuierlich voranbringen. Das betrifft viele Fragen, am Ende muss der Haushalt ausgeglichen sein." Es sei günstiger, "dass die Stadtverordnetenversammlung gemeinsam auftritt - und nicht mit Zank und Streit", meint Axel Rudo (Linke). 

Entstanden ist die Vision vom Großräschener See (Oberspreewald-Lausitz) Anfang der 2000er-Jahre - vielen Witzeleien und Zweifeln zum Trotz. Früher war hier eine Kohlegrube, die dem Ort Geld gebracht, aber auch die größte Umsiedlung der DDR beschert hat. Allein in Großräschen-Süd mussten 4.000 Menschen umsiedeln. Jetzt plätschern hier die Wellen.

Vor wenigen Tagen wurde der Hafen eröffnet, im Sommer soll der Strand aufgeschüttet werden. So ein gemeinsames Ziel schweißt zusammen, sagt Wolfgang Roick von der SPD. "Unsere Achtung und unser Respekt voreinander führt dazu, dass wir hier im Kleinen diesen Strukturwandel geschafft haben."

Mehr Sach- und weniger Parteipolitik

Roick sitzt auch im Landtag, wo er sich manchmal - wie in Großräschen - mehr Sach- und weniger Parteipolitik wünschen würde. Dass ihnen zu viel Einigkeit auch mal vorgeworfen wird, ärgert Thomas Adam (Grüne Liga), denn gestritten werde schon, aber in den Ausschüssen und mit dem Ziel am Ende eine Lösung zu finden. "Es geht um Sachfragen - und nicht um Personen oder um Parteidinge. Da wir alle aus Großräschen kommen, haben wir ein gemeinsames Interesse. Wir suchen und finden gemeinsame Kompromisse." Und da sei das Parteibuch nicht der wichtigste Punkt.

Sie alle kennen sich seit Jahrzehnten, alle haben miterlebt, wie der Ort mit der Kohle wuchs. Nach der Wende kamen der Wegzug und der Verlust von Industriearbeitsplätzen. Jetzt setzen die Verantwortlichen auf den Neustart Großräschens als Stadt am Wasser. Natürlich gibt es auch mal Differenzen. Die Linke wollte zum Beispiel freien Eintritt im Freibad durchsetzen, die anderen wollten das nicht. "Letztendlich haben wir unseren Beschluss modifiziert, das hat aber nicht gereicht. Darüber habe ich mich geärgert, aber eher über mich selbst", gibt Rudo zu. 

Ein Wasserweg über Hamburg in die weite Welt

Wenn der Bund nun wegen des Kohleausstiegs viel Geld in die Region pumpen will, finden sie das völlig gerechtfertigt. "Wenn man uns hier die wirtschaftliche Grundlage aus großen, umweltpolitischen Gründen entzieht, dann haben wir auch einen Anspruch darauf, dass es dann über große Finanzfördermittel etwas gibt, was uns diese Gesellschaft dann zurückgibt", sagt SPD-Mann Roick.

Die Großräschener wollen den Strukturwandel packen und dafür auch ordentlich anpacken. Deshalb arbeiten sie schon an der nächsten großen Vision: einem Wasserweg über die Seenlandschaft bis Hamburg, Amsterdam und in die weite Welt.

Beitrag von Dominik Lenz und Tim Schwiesau

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1 Kommentar

  1. 1.

    dreimal dürfen Sie raten, was ich auf den ersten kurzen Blick auf den Titel gelesen habe ...

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