Das Rathaus in Jüterbog (Teltow-Fläming) (Quelle: rbb/Haase-Wendt)
Audio: Antenne Brandenburg | 23.05.2019 | Björn Haase-Wendt | Bild: rbb/Björn Haase-Wendt

118 Kandidaten für 22 Sitze - Jüterbog hat die Qual der Kommunalwahl

Über mangelnde Auswahl können sich die Jüterboger nicht beklagen. Für die 22 Sitze in der Stadtverordnetenversammlung bewerben sich 118 Kandidaten. Ein Grund für den Ansturm könnte der nicht unumstrittene Bürgermeister sein. Von Björn Haase-Wendt

Wenn Jüterbogs Wahlleiterin Iris Berginski den Wahlzettel ausbreitet, braucht sie ordentlich Platz. Fast einen Meter ist er groß, denn für die Stadtverordnetenversammlung stellen sich diesmal so viele Kandidaten wie noch nie zur Wahl. "Für 22 Plätze haben wir 118 Kandidaten. Das ist eine 5,36-fache Überzeichnung", sagt sie.

Jüterbogs Wahlleiterin Iris Berginski zeigt den riesigen Wahlzettel für die Wahl der Stadtverordneten (Quelle: rbb/Haase-Wendt).
Wahlleiterin Iris Berginski zeigt den Riesen-Wahlzettel | Bild: rbb/Haase-Wendt

Vor fünf Jahren waren es nur 88 Kandidaten. Es gibt also die Qual der Wahl, entsprechend fallen die Meinungen auf dem Marktplatz aus. "Wie soll man die auseinander kennen, wer gut und wer schlecht ist, bei so vielen Kandidaten", gibt eine Frau zu bedenken. Eine andere findet, dass unter den vielen Bewerbern durchaus Kandidaten sind, die sich um das Wohl Jüterbogs und seiner Bewohner verdient gemacht haben.

Gegenpol zu Bürgermeister Raue

Insgesamt neun Parteien, Vereinigungen und Wählergruppen wollen sich wählen lassen. Zum einen dürfte der Ansturm mit den sieben Ortsteilen von Jüterbog zu tun haben, denn sie wollen ein Mitspracherecht in der Stadtpolitik haben. Doch auch der parteilose Bürgermeister Arne Raue dürfte mit ein Grund sein. Denn der hat zuletzt in der Stadt und darüber hinaus polarisiert - vor allem mit umstrittenen Aussagen zur Flüchtlingsfrage oder dem zeitweisen Boykott von Presseanfragen der örtlichen Zeitung.

Es braucht deshalb ein anderes politisches Klima in der Stadt, sagt Uwe Hüttner. Er sitzt bislang als Einzelkandidat in der Stadtverordnetenversammlung und stellt mit dem neuen Bürgerbündnis Jüterbog aus dem Stegreif nun die größte Kandidatenliste. "Das mag schon auch mit der Tätigkeit oder dem Auftreten von Herrn Raue zu tun haben", sagt Hüttner, "und für uns ist wichtig, dass dann auch ein entsprechender Gegenpol in der Stadtverordnetenversammlung da ist." Das sei für ihn und seine Mitstreiter die Hauptmotivation.

Raue: "Alles richtig gemacht"

Mit insgesamt 29 Kandidaten tritt Uwe Hüttner an, damit es ein harmonisches und demokratisches Miteinander gibt, wie er sagt. Bürgermeister Arne Raue selbst sieht den Seitenhieb gegen ihn gelassen. "Das ist seine Sicht und sein Argument, das akzeptiere ich auch." Er selbst lasse aber lieber "nüchterne Zahlen" sprechen: "Wir haben in den letzten Jahren einen erheblichen Zuwachs an Einwohnern, wir haben in den letzten Jahren einen erheblichen Zuwachs an Touristen, die unsere Stadt besuchen", so Raue, "und da sag' ich, für mich hab' ich alles richtig gemacht."

Ob das auch die Wähler so sehen, wird sich am Sonntag zeigen, wenn die Sitze für die Stadtverordnetenversammlung neu verteilt sind.

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