Waren mal Freunde, sind jetzt politische Kontrahenten: Bürgermeister Uwe Kminikowski und Herausforderer Thomas Höntsch
Audio: Antenne Brandenburg | 20.05.2019 | Daniel Friedrich | Bild: rbb/Daniel Friedrich

Bürgermeisterwahl in Ruhland - Wo der Bürgermeister gegen seinen politischen Ziehsohn antritt

Eigentlich wollte der  Bürgermeister von Ruhland nach sechs Jahren nicht zur Wiederwahl antreten. Doch nachdem die Fraktion zerbrach, will er nun seinen abtrünnigen politischen Ziehsohn an der Stadtspitze verhindern. Von Daniel Friedrich

Eigentlich wollte Uwe Kminikowski (CDU) nach sechs Jahren als ehrenamtlicher Bürgermeister von Ruhland (Oberspreewald-Lausitz) nicht zur Wiederwahl antreten. Zu groß seien die Streitereien unter den Kommunalpolitikern, sagt der Noch-Bürgermeister. Das eigentliche Anliegen, "ohne politischen Streit einfach für die Ruhländer Bürgerinnen und Bürger da zu sein, das ist einfach nicht mehr möglich ist", sagt Kminikowski.

Wie aus Freunden politische Widersacher wurden

Der Streit beginnt im Jahr 2016. Ein Abgeordneter in der CDU-Fraktion der Stadtverordnetenversammlung Ruhland schießt ständig quer, erinnert sich Kminikowski. Per Beschluss trennt sich die Fraktion von ihm. Der Rausschmiss des Abgeordneten führt dazu, dass die CDU-Fraktion zerfällt: in die Fraktionen "Neue CDU" und "Ruhland".

Die Zwillingsbrüder Thomas und Martin Höntsch wollen in Ruhland Kommunalpolitik machen
Die Zwillingsbrüder Martin (li.) und Thomas Höntsch, der Bürgermeister werden will. | Bild: rbb/Daniel Friedrich

Auch die jungen, parteilosen Zwillingsbrüder Thomas und Martin Höntsch kehren der alten CDU-Fraktion den Rücken. Dabei hatte Kminikowski sie erst in die Politik geführt: "Ich hatte sie damals dazu bewegt, für die Stadt Ruhland anzutreten, war auch sehr froh, dass sie das getan haben", erzählt der 58-jährige Kminikowski über die Höntsch-Brüder, die mit 26 Jahren seine Söhne sein könnten. Umso unverständlicher sei für ihn gewesen, dass auch sie den Schritt aus der Fraktion wagten.

Vor allem, weil sie nach dem Zerwürfnis gleich noch das Lager wechselten und in die SPD eintraten. Als Thomas Höntsch sich für die Bürgermeisterwahl aufstellen ließ um damit quasi seinen Ziehvater Kminikowski zu beerben, entschied der sich dazu, doch noch einmal anzutreten.

Befriedet die Wahl die entzweite Politikfamilie?

Er hält den 26-jährigen Verwaltungsmanagement-Studenten für viel zu jung und politisch unerfahren. Höntsch hingegen findet, das Alter sei relativ: "Ich habe meine Ausbildung in der Verwaltung gemacht", führt er an. Und in der Feuerwehr und im Karnevalsklub ist er - natürlich zusammen mit seinem Bruder - auch engagiert. Das Ehrenamt des Bürgermeisters von Ruhland soll auch nicht das Ende seiner politischen Karriere sein, gibt sich Höntsch ambitioniert.

"Ich wünsche mir wieder ein gutes Miteinander in der Stadtverordnetenversammlung und eine gute Zusammenarbeit", benennt er seine kurzfristigen politischen Ziele."Wir würden dann weitermachen, wo wir aktuell aufhören", sagt Kminikowski und schiebt hinterher, "ich hoffe, dann ohne politische Streitigkeiten". Zuletzt konnte sich das Stadtparlament nicht mal auf eine Parkbank einigen. Auch die Vereine der Stadt würden sich wegen der Querelen gegenseitig nicht mehr in der Art unterstützen wie gewohnt.

Insofern schwebt über der Bürgermeisterwahl auch die Frage, mit welchem Kandidaten die Ruhländerinnen und Ruhländer das Gegeneinander beenden könnten. Und ob es danach zum Frieden der entzweiten Politikfamilie kommt.

Kommentar

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4 Kommentare

  1. 2.

    Der Beitrag des rbb wäre an einer Stelle inhaltlich zu korrigieren: "Zuletzt konnte sich das Stadtparlament nicht mal auf eine Parkbank einigen.".

    Der Beschluss für die Aufstellung einer Parkbank vor der Kirche Ruhland (BV-Nr. 01/VVI/04/19) wurde in der Sitzung des SVV am 18. März 2019 mit 13 Stimmen bei einer Enthaltung beschlossen.
    An der Abstimmung haben 14 Stimmberechtigte teilgenommen. So zu lesen in der Sitzungsnotiz.

    Frage an den Redakteur: Woher kommt die fehlerhafte Information bzw. wer hat Ihnen diese fehlerhafte Information gegeben?

  2. 1.

    Oh mein Gott war ich naiv!

    Ich dachte, der grundsätzliche Ansatz eines Wahlkampfes ist, in der Wählerschaft um Stimmen für Ideen und Projekte und für deren Umsetzung zu werben.

    Weit gefehlt! Hier geht es U.K. darum engagierte junge Leute zu verhindern und Ihnen als einziges Argument ihr Alter vorzuwerfen.

    Eine super Argumentation!

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