Margot Franke (Quelle: rbb|24/Tim Schwiesau)
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Audio: Inforadio, 20.05.2019, Dominik Lenz | Bild: rbb|24/Tim Schwiesau

78-jährige Zeschdorfer Bürgermeisterin - Abschied vom "Dinosaurier der Kommunalpolitik"

Keine Schulden, hochmoderne Schule, eigene Bibliothek: In Zeschdorf nahe der polnischen Grenze hat eine ehrenamtliche Bürgermeisterin das Gemeindeleben geprägt. Jetzt, mit 78, hört Margot Franke auf. Nur ein Ziel hat sie nicht erreicht. Von Dominik Lenz und Tim Schwiesau

Hört man sich im idyllischen Zeschdorf (Märkisch-Oderland) mit seinen drei Seen um, ist die Lücke, die die ehrenamtliche Bürgermeisterin Margot Franke mit ihrem Weggang hier hinterlässt, doch gewaltig. "Sie hat sich um alles gekümmert. Wenn jemand ein Anliegen hatte, dann konnte man hingehen und sie hat was gemacht." - "Sie war streitsüchtig und hat sich nicht alles gefallen lassen wie andere, die schnell den Schwanz einziehen." - "Es ist ein Verlust. Sie wird eine Lücke hinterlassen."

Zeschdorf gehört zu diesen Orten in Brandenburg, bei denen schon beim Durchfahren klar wird: Hier bewegt sich etwas. Es gibt funktionierende Straßenbeleuchtung mit neuen Halogenlampen, eine Gaststätte, einen Reiterhof und ein Kulturhaus mit Bibliothek – eine Rarität auf dem platten Land zwischen Elbe und Oder.

"Sie hat sich um alles gekümmert." "Sie hat sich nicht alles gefallen lassen, wie andere, die den Schwanz schnell einziehen. Sie wird schon erst mal ne Lücke hinterlassen."

 

Die Grundschule wurde für 800.000 Euro saniert und hat für 1,2 Millionen Euro eine neue Turnhalle neben der Kita bekommen. Schulleiterin Ilona Hildebrand und Franke stehen die Tränen in den Augen, als sie auf den nahenden Abschied angesprochen werden. "Die Schule wäre ohne sie nicht auf diesem Stand", sagt die Direktorin.

"Dinosaurier der Kommunalpolitik" mit großen Fußstapfen

Dass sich der Ort diesen besonderen Luxus leisten kann, habe viel mit der Bürgermeisterin zu tun, die habe Beziehungen bis ins Weiße Haus, sagt Bibliotheksleiter Ralf Tomczik. "Immer, wenn wichtige Entscheidungen anstanden, ist sie losgezogen. Wenn es im Amt Lebus nicht weiter ging, dann ist sie eben zum Kreis gefahren. Wenn es da nicht geklappt hat, ist sie nach Potsdam gezogen."

Einen Bewerber für ihre Nachfolge gibt es zwar, doch er tritt ein großes Erbe an, sagt Frank Fries aus der Gemeindevertretung: "Frau Franke ist ja der Dinosaurier der Kommunalpolitik und hat entsprechend große Füße, und in diese Fußstapfen kann dementsprechend niemand so einfach treten."

Nur die Kirchenglocken läuten nicht mehr

Auch wenn das Verständnis groß ist dafür, dass Margot Franke mit 78 Jahren und nach insgesamt 40 Jahren Kommunalpolitik kürzer treten will: Irgendwie will Fries auch weiter ihr Wissen nutzen. Margot Franke selbst wird es wohl schwer fallen, sich in Zukunft rauszuhalten: "Ich würde sagen, ich möchte gerne noch weiter mitmachen. Irgendwie. Denn das ist ja mein Aufbau und ich möchte das auch weitermachen. Ich würde auch die Gemeindevertretung unterstützen."

Franke hat es geschafft, einen schuldenfreien Haushalt zu hinterlassen, weitere Windräder in der Gegend zu verhindern, und die meisten Straßenbauprojekte hat sie nach eigener Aussage erledigt. Ihr Tipp an den Nachfolger: "Er muss auf den Bürger hören." Nur für den kaputten Kirchturm hat sie nicht die erforderlichen 500.000 Euro auftreiben können. Dort stehen seit fünf Jahren die Glocken still.

Kommunalpolitik kann vieles möglich machen, heißt es im politischen Potsdam immer wieder. Zeschdorf und Margot Franke sind ein Beispiel dafür. Und ganz Schluss ist auch für die 78-Jährige nicht: Sie kandidiert für den Kreistag und will auch in Zeschdorf weiter Ansprechpartnerin sein. "Ich habe das hier ja auch aufgebaut." 

Sendung: Inforadio, 20.05.2019, 12.25 Uhr

    

Kommentar

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4 Kommentare

  1. 4.

    Wenn man auf den Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonskirche verzichten würde, wäre für den kaputten Kirchturm und viele andere Dorfkirchen genug Geld da.

  2. 3.

    Bei dem Titel handelt es sich um ein Zitat eines Gemeindevertreters. Das hatten wir in der Überschrift nicht durch Anführungszeichen kenntlich gemacht. Haben wir aber nun nachgeholt. Danke für den Hinweis! LG aus der Redaktion

  3. 2.

    Einen Menschen als Dinosaurier zu betiteln finde ich als mehr als geschmacklos.
    Das müsste vom rbb nicht gestattet werden.
    Sie achten doch sonst so auf die Wortwahl der Schreiber.
    Gilt das für Ihren Sender nicht?

  4. 1.

    Auf den Buerger hören, ist nicht so verbreitet in der Mark.

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