Potsdam
Audio: Antenne Brandenburg | 27.05.2019 | Karsten Steinmetz | Bild: imago/Rainer Weisflog

Kommunalwahlen - Die Ergebnisse in Potsdam

Die Linke hat ihre traditionelle Vormachtstellung in Brandenburgs Landeshauptstadt und größter kreisfreier Stadt eingebüßt. Die Partei verlor ist Vergleich zu 2014 sieben Prozent und landete mit insgesamt 18,1 Prozent nur noch auf Platz drei. Stärkste Kraft in der Potsdamer Stadtverordnetenversammlung wird künftig die SPD mit 19,4 Prozent sein, die allerdings im Vergleich zur letzten Kommunalwahl ebenfalls vier Prozent Verlust hinnehmen muss. Auf Platz zwei katapultierten sich die Grünen, die mit 18,7 Prozent der Stimmen um fast sieben Prozent zulegen konnten. Die AfD erreicht in Potsdam 9,4 Prozent, FDP und BVB/Freie Wähler landeten bei 4,9 und 1,2 Prozent.

Außerdem wurden in neun Ortsteilen die Ortsbeiräte neu bestimmt.

Potsdam wächst und wächst und wächst

Die Landeshauptstadt Potsdam ist eine der schönsten und in vielerlei Hinsicht die erfolgreichste Stadt Brandenburgs. Mit knapp 176.000 Einwohnern ist Potsdam die größte Stadt des Landes, seit der Wende ist die Zahl der Einwohner um rund 35.000 gestiegen, Tendenz weiter steigend. Prognosen zufolge könnten 2035 fast 200.000 Menschen in Potsdam leben.

Negative Folgen des Bevölkerungswachstums sind Wohnraumknappheit und steigende Mieten sowie der immer dichter werdende Verkehr in der Stadt an der Havel. Abgesehen davon floriert die Stadt. In den vergangenen Jahren wurde nach und nach die alte Potsdamer Mitte wieder aufgebaut. Nach dem Stadtschloss, das den Landtag beherbergt, wurde unter anderem gegenüber der Palast Barberini als Museum Barberini rekonstruiert. Die Gegend um den Alten Markt war einst das Herz der Stadt mit barocken Palästen und repräsentativen Bürgerhäusern. Und genauso repräsentativ soll sie in Zukunft auch wieder aussehen, weshalb im vergangenen Jahr die ehemalige Fachhochschule, ein Bau aus DDR-Zeiten abgerissen wurde. Seit Herbst 2017 wird außerdem am Wiederaufbau des Turms der Garnisonkirche gearbeitet. In zwei bis drei Jahren soll der Turm mit einer Aussichtsplattform fertig sein.

UNESCO-Welterbe wegen Architektur und Natur

Gelegen ist Potsdam südwestlich von Berlin am Mittellauf der Havel in einer Wald- und Seenlandschaft. Allein im Zentrum hat die kreisfreie Stadt fünf Seen, in den Außenbezirken weitere fünf. Damit besteht das Stadtgebiet zu rund 75 Prozent aus Grün-, Wasser- und Landwirtschaftsfläche, 25 sind Prozent sind bebaut. Berühmt ist Potsdam für das Schloss Sanssouci und seine umliegenden Parkanlagen. Insgesamt hat die Stadt aber fast 20 Schlösser und Palais. Im Jahr 1990 wurden weite Teile der Potsdamer Kulturlandschaft zum UNESCO-Welterbe ernannt.

Die bevölkerungsreichste Stadt Brandenburgs verfügt außerdem über drei öffentliche Hochschulen – die Universität Potsdam, die Filmuniversität Babelsberg und die Fachhochschule Potsdam – sowie mehr als 30 Forschungseinrichtungen. Insgesamt waren im Wintersemester 2018/19 mehr als 25.000 Studierende in den Hochschulen eingetragen. Zu den Forschungsinstituten zählen unter anderem zwei Fraunhofer-Institute, drei Max-Planck-Institute sowie das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.

Gewerbesteuer und Verschuldungsquote auf Westniveau

Die Wirtschaft Potsdams konnte sich seit der Wiedervereinigung ebenfalls positiv entwickeln. Im März 2019 betrug die Arbeitslosenquote weniger als sechs Prozent und liegt damit unter dem Landesdurchschnitt von 6,1 Prozent. Vor fünf Jahren lag die Quote für Potsdam noch bei 7,7 Prozent. Die durchschnittlich verfügbaren Einkommen sind hier im Vergleich zu den anderen ostdeutschen Großstädten am höchsten. Auch die Gewerbesteuereinnahmen liegen auf Westniveau, ebenso wie die Verschuldungsquote pro Einwohner.

In Potsdam waren 2016 mehr als 13.000 Gewerbe angemeldet. Forschungsnahe Unternehmen haben sich aufgrund der Vielzahl der Forschungsinstitute in und um Potsdam angesiedelt. Die Region Potsdam ist einer der führenden Biotech-Standorte in Deutschland. Große private Einzelinvestoren sind die Firma Oracle, der Autobauer Volkswagen, der hier eine von weltweit drei Designzentralen errichtet hat, das Konsortium Toll Collect, das einen Standort in Potsdam hat oder auch die Firma Katjes, die in Babelsberg eine "gläserne Bonbonfabrik" errichtet hat.

Größter privater Investor ist Hasso Plattner, der mit mehr als 200 Millionen Euro ein High-Tech-Zentrum finanzierte. Im November 2007 spendete Plattner 20 Millionen Euro für den Wiederaufbau des Potsdamer Stadtschlosses und gewährleistete somit die vollständige Rekonstruktion der historischen Fassaden des Brandenburger Landtages. Außerdem finanzierte er den Wiederaufbau des Palast Barberini, das im Januar 2017 als Museum Barberini eröffnet wurde und in dem seither wechselnde Ausstellungen sowie Plattners Privatsammlung von DDR-Kunst zu sehen sind. Kürzlich wurde bekannt, dass die Plattner-Stiftung das ehemalige Terrassenrestaurant Minsk auf dem Brauhausberg sanieren und darin ein Museum für DDR-Kunst sowie Wohnungen schaffen will.

Sendung: 27.05.2019, Antenne Brandenburg, 10 Uhr

Kommentar

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1 Kommentar

  1. 1.

    Linke hat verloren, wie schon von mir vor Tagen vorher gesagt. Einer der Gründe ist dass die Linken nicht gegen den Barock Blödsinn agieren Stichwort Nazikirche und Staudenhof.

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