Flugzeug im Landeanflug auf den Flughafen Tegel (Quelle: imago/imagebroker)
Video: Abendschau | 18.07.2017 | Boris Hermel | Bild: imago/imagebroker

Naturschützer wollen notfalls klagen - BUND startet Kampagne gegen Flughafen Tegel

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) bezieht in der Diskussion um Tegel klar Position: Er fordert die Berliner auf, beim Volksentscheid um die Offenhaltung des Flughafens am 24. September mit Nein zu stimmen.  

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat die Berliner zum Start einer Kampagne am Dienstag aufgefordert, beim Volksentscheid über den Flughafen Tegel am 24. September mit Nein zu stimmen. Die Kampagne läuft unter dem Slogan "Danke für Ihr Nein zu TXL". Im rbb-Inforadio nannte BUND-Landesgeschäftsführer Tilmann Heuser als Gründe eine unzumutbare Lärmbelästigung der Anwohner sowie den Naturschutz.

"Rechtlich geht es nicht"

Der BUND werde notfalls gegen den Weiterbetrieb von Tegel klagen, kündigte Heuser an. Dabei stünden die Chancen auf einen juristischen Sieg sehr gut.

Heuser warf CDU und FDP auch vor, den Bürgern Fakten zu verschweigen. Der Weiterbetrieb von TXL sei aufgrund alter Beschlüsse "rechtlich nicht darstellbar", so Heuser. "Es geht nicht."

Wenn sich am Ende herausstelle, dass Tegel nicht weiter betrieben werden könne, werde das nur die Politikverdrossenheit erhöhen.

Heuser: BER nicht wirklich zu klein

Bei der Forderung, Tegel offenzuhalten, werde ein Wachstum des Flugverkehrs unterstellt, das aus Umweltschutzgründen nicht akzeptabel sei, sagte Heuser. "Wenn der Flugverkehr so wächst, wie die FDP unterstellt, können wir die Klimaschutzziele in die Tonne treten."

Dass der BER vom Start weg zu klein wäre, ließ Heuser als Argument nicht gelten. Zum einen reichten die Flugbahnen für die Zahl der Passagiere - es gehe nur um die Terminalkapazitäten. Zum anderen müsse der Flugverkehr durch marktwirtschaftliche Instrumente wie Steuern begrenzt werden, forderte er.

"Widerruf des Widerrufs"

Der BUND hält es nach den Worten Heusers für unmöglich, "Tegel als Ergänzungsflughafen für den BER raumplanerisch zu rechtfertigen". Aus Sicht des Verbandes müsste für einen "Widerruf des Widerrufs" der Betriebsgenehmigung der Landesentwicklungsplan geändert werden. Sollte es Festlegungen auf einen zweiten Flughafen geben, müssten alternative Standorte etwa in Brandenburg in die Prüfungen und Abwägungen einbezogen werden, gegen die Tegel unter dem Strich aus Lärmschutz- und Umweltgründen keine Chance habe. Der BUND sei allerdings dafür, das Wachstum für den Luftverkehr zu bremsen, etwa durch den Ausbau der Bahn und weniger Subventionen.

Sendung: Abendschau, 18.07.2017, 19.30 Uhr

Kommentar

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26 Kommentare

  1. 26.

    Warum hier nicht mal mit Besonnenheit reagieren?!
    Einfach Tegel 1-2 Jahre nach Eröffnung des BER offen halten, um zu sehen, wie die Fluggastzahlen sich entwickeln.Schließen kann man Tegel dann immer noch.
    Aber in diesem Land gibt es ja immer nur 'entweder oder'.

  2. 24.

    Es ist kein Kampagne gegen Tegel, sondern eine Kampagne gegen den vorgeschlagenen dauerhaften Weiterbetrieb von Tegel, auch über die Eröffnung des BER hinaus. Das ist ein entscheidender Unterschied. Nicht der Flughafen Tegel wird "madig" gemacht, nur seine Fortführung faktisch auf immer und ewig als absurd bezeichnet.

    Der Standort Tegel war seinerzeit geboren aus der Einmauerung West-Berlins. Das Vorhaben, ihn dauerhaft in Funktion zu halten, bedeutet nichts anderes als die Fortdauer der Einmauerung in den Köpfen, wer von diesem faktisch falschen Standort nichts wissen will. Soweit Schönefeld/der BER problematisch ist, weil Sperenberg der bessere Ort gewesen wäre, so ist Tegel problematisch hoch zehn.

  3. 23.

    Noch ist Tegel offen und hält dem grossen, grössenwahnsinnigen aber nicht zu gebrauchenden Bruder den Rücken frei. Ich wäre ganz vorsichtig mit einer Kampagne gegen Tegel. So wie es aussieht, wird der kleine aber funktionierende Flughafen noch ein paar Jährchen gebraucht. Mit dieser Massnahme gegen Tegel schiesst sich der Bund ins Knie...

  4. 22.

    Danke an den BUND, dass er mir die Entscheidung "Pro-Tegel" so einfach gemacht hat!
    Ich habe noch nie (!) einen Standpunkt vom BUND geteilt, und das wird sich auch nie ändern.

  5. 21.

    Ich wohne selbst in der Einflugschneise, möchte nirgends anders wohnen und lebe auch mit dem Kerosin. Mein Kommentar ist eine positive Stimme für den Flughafen Tegel. Bitte genauer lesen und erst dann antworten.

  6. 20.

    Die Tatsache, dass der BER ein Nachtflugverbot von 22-6 Uhr haben wird, fällt irgendwie keinem Verantwortlichem auf. Tegel läuft fast rund um die Uhr. Wie soll das später gehen? Und der Schallschutz für die Anwohner der neuen Flugrouten ist meines Wissens auch erst nach Beginn des Betriebs möglich. Da schlummern schon die nächsten Milliarden. Dann doch beide Flughäfen, geteiltes Leid ist halbes Leid.

  7. 19.

    Tegel wird erst (6 Monate nach Eröffnung des BER) geschlossen werden. In der Abstimmung geht es um eine grundsätzliche Offenhaltung Tegels. Ihre Forderung ist daher falsch bzw. stark irreführend.

    Und Tegel ist auch viel zu klein. Schon seit vielen Jahren. Der Betrieb hat trotzdem funktioniert.

  8. 18.

    Die Pro-Tegel-Initiative speist sich aus drei Quellen. Im Grunde genommen ist es eine Koalition, einig im Negativen gegen den BER, bei völlig verschiedenen Auffassungen.

    1. Diejenigen, denen Schönefeld bzw. der BER zu weit und überdies auch noch "im Osten" liegt,
    2. Diejenigen, denen Schönefeld bzw. der BER zu nah ist und die den Fluglärm auch in den kommenden Jahrzehnten über Tegel verschoben wissen wollen,
    3. Diejenigen, die angesichts des ingenieuerstechnischen und organisatorischen Pfuschs am BER bei einer Art Fatalismus sowieso nicht mehr an dessen Eröffnung glauben.

    Jede Position als solches betrachte ich als redlich, ggf. mitunter etwas überzogen. Dass sich jedoch Menschen, die eine Taschenlampe für ausreichend halten, um nachts ihren Weg zu finden mit denen verbünden, die für grelle Beleuchtung sind, um eine angemessene Beleuchtung zu verhindern, empfinde ich als das Gegenteil von Gestaltung.

  9. 17.

    Der Bürger, Wähler, Verbraucher bestimmt durch sein tatsächliches (Konsum-)Verhalten selbst was ihm wirklich wichtig ist.

  10. 16.

    Ich fordere alle Berliner auf für die Offenhaltung des Flughafens Tegel mit ja zu stimmen weil der Flughafen Schönefeld erst wahrscheinlich 2019 eröffnet wird und dann sowie so schon wieder zu klein ist.

  11. 15.

    https://www.rbb-online.de/content/rbb/rbb/wirtschaft/beitrag/2017/07/ryanair-fordert-drei-flughaefen-fuer-berlin.html

    Mir klar dass der Herr nicht objektiv ist. Aber vielleicht stimmen seine Prognosen? Was machen wir denn dann? Ich brauche Sicherheit zum Planen wo ich mein Haus kaufen werde :D

  12. 14.

    Ich bin nicht betroffen und ich bin kein Tegel- ja sogar noch nicht mal Flugfan.
    Zu denen sage ich: Pech gehabt. Einfach mal nachdenken was so alles passieren kann. Risiko. Unwägbarkeiten. Habe ich selbst unzählige Male im Leben erlebt. Da kräht kein Hahn Nach. Was sagen SIE den Leuten, die in Zukunft in der Einflugsschneise wohnen? Pech gehabt? :D die Flugrouten... Dauernd geändert. Gesetzeswidrig. Aber hier kann man dann doch mal ein Auge zudrücken Oder? ;) auf geltendes Recht verlassen? Dann wäre hier wohl das Paradies auf Erden und jeder Straftäter würde seiner gerechten Strafe zugeführt etc. Etc. Diese Doppelmoral und Naivität, gepaart mit völliger Verweigerung sich seines verstandes zu benutzen, ist erschreckend

  13. 13.

    Rechtsstaat...der Staat sollte für alle Bürger sein und nicht nur für einige wenige (die Schere geht nun mal immer weiter auseinander). Das liegt nicht zuletzt an unserem ach so perfekten Rechtsstaat. Unser Rechtssystem ist alles anders als perfekt. Rechtssicherheit würden sich ganz bestimmt viele "kleine Leute" wünschen oder unternehmen die gute Ideen für Nachhaltigkeit und faire Geschäftsmodelle haben. Es gibt unzählige Beispiele für Justizskandale und schlimme (auch falsche) Urteile. Der Rechtsstaat ist oft eine Farce und eben nicht der wahrheit letzter Schluss und vor allem nicht gerecht. Intensivtäter mit 400-facher Einträgen... Allein hier ist zu sehen wie arg unser Rechtsstaat versagt. Auf diese Karte würde ich nicht setzen

  14. 12.

    Ach, endlich mal eine? Ich habe weitere wirkliche Tipps: regenerative Energie, Abschaffung von Atom und Kohlenverstromung, Abschaffung von Verbrennungskaftmaschinen, Förderung Umweltfreundlicher antriebstechnologien, dezentrale Energieversorgung, Investitionen in Bildung, Forschung, Wissenschaft, faire Verteilung des Vermögens, Steuerschlupflöcher stopfen und und und... Die Liste ließe sich unendlich fortsetzen. Und die Verlagerung von umweltproblemen soll man unterstützen? Das ist eine interessante Sichtweise

  15. 11.

    Und was wäre beim Ber anders in Sachen Umwelt und Lärmbelastung? Der Flugverkehr wird zunehmen. Diese beiden Belastungen werden 1.) also zunehmen und 2.) sich verlagern. Er wird nicht verschwinden. Wünschen sie sich den dann betroffenen den immensen Lärm und die Verschmutzung? Denken Sie eigentlich auch an diese ihre Mitmenschen oder ist innen mitgefühl fremd? Übrigens ist die Sache mit der einflugsschneise des Ber ein riesenskandal. Gegenden mit Einflussreichen, mächtigen werden verschont. Fakt. Keine Verschwörung oder sonstiges. Augen auf. Und ja bestimmt tut der Staat nur vernünftiges und das beste für seine Bürger :D und ja unserer Rechtsstaat ist perfekt... Wers glaubt... Umweltschutz bekommt man nicht wenn man Probleme nur verlagert. Völliger Blödsinn. Umweltschutz geht anders. Und suche mit einfach Wohnungen die nicht ständiger Lärmbelastung ausgesetzt sind. Fertig. Garnicht so schwer. Auch nicht in der derzeitigen Situation :)

  16. 10.

    Googeln Sie doch bitte einmal den Begriff "Einflugschneise".

    Im übrigen mein Beileid, wenn es in Ihrem Wohngebiet so laut ist wie auf einem Flughafen. Und dort auch permanent nach Kerosin stinkt.

  17. 9.

    Bei aller Aufregung und Wut, die ja immer schön den Kreislauf in Gang hält: Was halten Sie davon, mal einen kleinen Grundkurs in Jura zu absolvieren? In einem Rechtsstaat kann eben weder der Staat noch das Volk einfach mal beschließen, was ihm gerade so gefällt, und schon gar nicht heute dies, morgen das Gegenteil und übermorgen wieder etwas, das dem bereits Beschlossenen zuwiderläuft. So etwas nennt man Rechtssicherheit. Betroffene müssen sich darauf verlassen können, daß Beschlüsse gelten. Und wenn sie wirklich geändert werden, können daraus finanzielle Forderungen an den Staat erwachsen.

    Aber wenn ich Sie recht verstehe, sind Sie gern bereit, mehr Steuern zu zahlen und Kürzungen an anderen Stellen hinzunehmen, damit 1. die überfallige Grundsanierung von Tegel, 2. der zusätzliche Lärmschutz, 3. die laufenden Betriebskosten von Tegel finanziert werden können?

  18. 8.

    Die TXL-Fans wollen für ihre 1-2 Urlaubsflüge im Jahr den Flughafen direkt vor der Tür haben, natürlich ohne die Luftverschmutzung und den Lärmterror.
    Abgesehen davon, das man sich m.M.n. nicht mit der FDP gemein machen sollte, finde ich oben genanntes Verhalten reichlich asozial. l

  19. 7.

    mich würde sehr interessieren, wer von den Kritikern dieses Berichtes (also Befürworter einer Offenhaltung) auch vom Fluglärm betroffen ist.
    Was sagen Sie den Leuten, die sich Wohneigentum in der Einflugschneise gekauft haben, und sich darauf verlassen haben, dass die Zusagen eingehalten werden und Tegel nach der Eröffnung von BER schließt?
    Auf was kann man sich verlassen, wenn nicht auf geltendes Recht?

    Ich danke dem BUND !

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