Rundgang im Flughafen Tegel am 25.07.2017 (Quelle: rbb/Tina Friedrich)
Video: Abendschau | 25.07.2017 | Boris Hermel | Bild: rbb/Tina Friedrich

Maschinenräume im Flughafen Tegel - Im Lüftungsschacht steht das Regenwasser

Kein Weg führe daran vorbei, Tegel zu schließen – so sagen es der Berliner Senat und die Flughafengesellschaft immer wieder. Ein Grund auch: Der Flughafen muss dringend saniert werden. Deshalb hat die Flughafengesellschaft einen Blick hinter die Kulissen gewährt.

Im Keller des Flughafens Tegel versteht man das eigene Wort nicht mehr. Umringt von Journalisten zeigt Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup im Schummerlicht auf blaue Stahltüren, hinter denen sich museale Lüftungstechnik verbirgt. "Diese Technik hat 40 Jahre auf dem Buckel", ruft er gegen das Brummen der Lüftungsanlage an. "Von hier wird die Frischluft fürs Gebäude produziert und auch gereinigt über – man kann schon fast sagen historische – Aktivkohlefilter."

Historisch. In die Jahre gekommen. Jahrzehnte auf dem Buckel. Das ist die Wortwelt, in der sich der Flughafenchef an diesem Vormittag bewegt. Lütke Daldrup quetscht sich durch eine enge Tür in einen breiten Gang, der einmal ganz um das Sechseck des Terminals A herumführt. An einigen Stellen steht sichtbar das Regenwasser.

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"Wir fahren Tegel auf Verschleiß"

Tegel war ursprünglich für sieben Millionen Passagiere pro Jahr konzipiert, mittlerweile sind es etwas mehr als 21 Millionen pro Jahr, die hier abgefertigt werden. Der Flughafen platzt aus allen Nähten – und ist dringend sanierungsbedürftig. Das heutige Hauptterminal wurde 1974 eröffnet. Eigentlich steht nach 40 Jahren Betrieb eine Generalüberholung an.

Doch investiert wird nur notdürftig. Lütke Daldrup spricht von fünf bis acht Millionen Euro pro Jahr, die derzeit fließen. Für eine vernünftige Instandhaltung hätten es aber in den zurückliegenden Jahren immer um die 50 bis 60 Millionen Euro sein müssen, sagt er. "Wir haben das bewusst nicht getan, weil die Gesellschafter vor 20 Jahren beschlossen haben, einen einzigen Flughafen am BER zu bauen. Wir fahren Tegel auf Verschleiß und wir fahren ihn weiter auf Verschleiß bis zu BER-Eröffnung."

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Historisch anmutende Ausstattung

Das sieht man – zumindest zum Teil. Es sind keine dramatischen Bilder des Verfalls, die der Flughafenchef präsentiert, aber dass die Zeit über die technischen Anlagen hinweg gegangen ist, ist allerorten zu spüren. Ob es die historisch anmutende Schalttafel in der Leitstelle ist oder ein altes Telefon mit Wählscheibe, das in der Sprinklerzentrale an der Wand hängt.

Eine Grundsanierung sei nötig, sagt Lütke Daldrup – aber die sei bei einem Flughafen mit laufendem Betrieb kaum vorstellbar. Und er zählt auf, wo es aus seiner Sicht überall hakt: "Neue Kabel, neue Entrauchung, neue Belüftung, neue Klimatisierung, neue Sicherheitstechnik, neue IT-Verkabelung, neue Fenster, neue Innenausbauten". Das sei etwa so, als ob man es mit einem Rohbau zu tun habe. "In der Zeit der Sanierung können Sie das Gebäude auch nicht benutzen."

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Doppelte Infrastruktur im Businessplan nicht vorgesehen

Was eine solche vollständige Sanierung kosten könnte, hat Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen bereits vor einigen Wochen vordekliniert. 1,1 Milliarden Euro gerechnet auf etwa zehn Jahre, mehr als die Hälfte für die Gebäudesanierung. Die gleichen Zahlen diktiert Lütke Daldrup den Journalisten an diesem Vormittag in ihre Notizblöcke. Zumindest ein Teil davon müsse in jedem Fall investiert werden, sagt er, auch bei anderweitiger Nutzung in Zukunft.

Die Betriebskosten für einen Weiterbetrieb des Flughafens lägen bei zusätzlich rund 100 bis 200 Millionen Euro im Jahr, so Lütke Daldrup. Bei einem Parallelbetrieb mit dem BER bräuchte es auch die doppelte Infrastruktur, also zum Beispiel zwei Flughafenfeuerwehren oder doppelte Sicherheitsmaßnahmen. Dafür müsste der Flughafenchef nach eigenen Angaben rund 500 zusätzliche Leute einstellen. "Das ist in unserem Businessplan nicht enthalten. Es würde bedeuten, dass die Gesellschafter uns jährlich Mittel zuführen müssten."

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FDP: "Hilflose Inszenierung"

Die Botschaft ist eindeutig und kann als Werbebotschaft im Rahmen des Volksentscheids-Wahlkampfs gesehen werden: Sie ist ein Plädoyer für die Schließung des Airports. Die Reaktion folgt schon kurz darauf vom FDP-Fraktionschef Sebastian Czaja. Der lässt per Pressemitteilung verlauten: Der Rundgang sei "ein neuer Akt der hilflosen Inszenierung des Berliner Senats" gewesen. Mit "Parolen der Angst" versuche man "populistische Stimmungsmache". Bis zum 24. September, dem Tag des Volksentscheids, werden die Wortgefechte um Tegel also weitergehen.

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Mit Informationen von Thorsten Gabriel, Landespolitik Berlin

Kommentar

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2 Kommentare

  1. 2.

    Es ist doch ganz einfach, einige genannte Probleme wie "doppelte Infrastruktur" zu umgehen:
    1. BER auf
    2. Tegel zu
    3. Tegel sanieren
    4. Tegel wieder auf

    Auf lange sicht ist es unverantwortlich eine Stadt wie Berlin nur mit einem Flughafen zu Planen.

  2. 1.

    Wenn die FDP immer noch Tegel weiter betreiben will, soll sie ihn doch selbst übernehmen und aus ihrer Parteikasse bezahlen!

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