Illustration TXL 2.0 (Quelle: RBB/Nicole Nickel)
Video: Abendschau | 08.09.2017 | Martin Küper | Bild: RBB/Nicole Nickel

Was nach den Flugzeugen kommt - TXL 2.0 - Das zweite Leben von Tegel

Wenn der BER endlich eröffnet wird, soll sechs Monate später das letzte Flugzeug in Tegel landen. Was danach mit dem riesigen Gelände passieren soll, ist schon genau geplant. Eine Stadt der Zukunft soll es werden. Von Dominik Wurnig

Anders als beim Flughafen Tempelhof hat die Planung für die Nachnutzung von TXL schon lange vor der Schließung begonnen. Seit 2008 plant der Berliner Senat wie das riesige Areal, das fast doppelt so groß ist wie der Wannsee, genutzt werden kann.

Die Idee der Planer: Rund um eine Forschungseinrichtung siedeln sich Gewerbe und Industrie an, die in Kooperation Technologien für die Stadt der Zukunft erproben und entwickeln sollen. Als Blaupause fungiert dafür der Technologiepark Adlershof rund um den Campus der Humboldt Universität. "Weltweit hat jeder erfolgreiche Forschungs- und Industriepark im Kern eine wissenschaftliche Einrichtung", sagt Holger Lippmann, der in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen als Leiter der Projektsteuerung auch am Nachnutzungskonzept von Tegel arbeitet. "Diese befruchten sich gegenseitig und schaffen Arbeitsplätze."

Außerdem sollen zwei Wohngebiete und ein großer Park entstehen. 99 Gebäude befinden sich derzeit auf dem 4,4 Kilometer langen und 1,9 Kilometer breiten Gelände. Nur die Terminals A, B und D, der Tower, die Energiezentrale, die großen Hangars und Werkstattflächen bleiben der Planung zufolge bestehen. Zentrale Rolle im neuen Stadtteil soll das Flughafenhauptgebäude mit dazugehörigen Fußgängerboulevards und dem Regenwasserteich spielen.

Illustrative Übersichtskarte Tegel 2.0 (Quelle: RBB/Nicole Nickel)
| Bild: RBB/Nicole Nickel

Sechs große Bauteile

Machen Sie sich in dieser Anwendung von rbb|24 selbst ein Bild, was in Tegel entstehen soll. Scrollen Sie sich einfach durch die einzelnen Bauteile immer weiter nach unten durch.

Beuth Hochschule: Studenten statt Flugzeuge

Geplanter Campus in Tegel
TXL GmbH

Quelle: Tegel Projekt GmbH

 

Das markante sechseckige Terminalgebäude soll erhalten bleiben und Platz für rund 2.500 Studenten der Beuth-Hochschule bieten. Die Freiflächen rundherum werden zu Experimentierflächen und Fußgängerboulevards. Der Flughafentower sowie die Terminals B und D sind für Veranstaltungen und für Start-ups zur vorgesehen. Wo heute noch innerhalb des "Loops" Autos parken, soll ein Teich entstehen, in den das Regenwasser geleitet wird.

Gewerbeband: Start-ups statt Flugzeugparkplatz

Gewerbegebiet des digitalen Modells der Tegel Projekt GmbH
Tegel Projekt GmbH

Quelle: Tegel Projekt GmbH

 

Das Vorfeld ist momentan eine Betonwüste, wo Flugzeuge parken und Nebengebäude des Flughafens stehen. Fix eingeplant ist, dass die Berliner Feuerwehr- und Rettungsdienst-Akademie in die großen Hangars ziehent. Darüber hinaus sind die Pläne ziemlich vage, wer genau die 70 Hektar große Fläche "Gewerbeband" bespielen soll. Vorgesehen sind jedenfalls weder ein Einkaufszentrum und auch kein großer Möbelmarkt. Laut Bebauungsplan sind am Gewerbeband nur forschungs- und technologieorientierte Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe zulässig. Alles andere braucht eine Ausnahmegenehmigung.

Industrie am Vorfeld

Industriepark im digitalen Modell der Tegel Projekt GmbH
Tegelprojekt GmbH

Quelle: Tegel Projekt GmbH

 

Nördlich des Terminals, auf der jetzigen Start- und Landebahn, soll Industrie angesiedelt werden. Dafür gibt es auch schon einen detaillierten Bebauungsplan: Großteils darf das 82 Hektar große Areal 30 Meter hoch bebaut werden, am östlichen Ende sogar 47 Meter hoch. Damit bleibt das höchste Gebäude von Tegel weiterhin der Tower mit 47,5 Metern. Die Dachflächen der Industriehallen müssen begrünt werden. Nördlich des Industriegebiets müssen Säuleneichen gepflanzt werden, südlich soll eine Reihe Platanen den Campus abgrenzen. All das ist im Bebauungsplan bereits festgeschrieben, obwohl das Ende des Flugbetriebs noch nicht absehbar ist. Denn erst sechs Monate nach der Eröffnung des BER erlischt die Betriebsstättengenehmigung des Flughafens Tegel.

Wohnen im Schumacher Quartier

Städtebaulicher Siegerentwurf für das geplante Schumacher Quartier
Tegel Projekt GmbH

 

Am östlichen Zipfel des Flughafens, wo heute noch Gras das Bild dominiert, ist Platz für ein neues Wohngebiet mit 5.000 Wohnungen. Dafür wird die Autobahnanschlussstelle zurückgebaut, um den Kiez mittels begrünten Boulevards Richtung Kurt-Schumacher-Platz zu öffnen. Das 48 Hektar große Stadterweiterungsgebiet soll "sozialverträglich, vielfältig, nachhaltig und smart" werden und auch Platz für Gewerbe, eine Schule und eine Kita bieten. Geplant ist ein Viertel mit wenig Autoverkehr und ökologischem Vorbildcharakter. So sollen unter anderem Freiflächen und Dächer für ein intelligentes Regenwassermanagement genutzt werden. 

Park statt Landebahn

TXL 2.0 Park (Quelle: Tegel Projekt GmbH)
Tegel Projekt GmbH

Quelle: Tegel Projekt GmbH

 

Schon jetzt ist das Gebiet nördlich der Start- und Landebahn eine fast naturbelassene Heide, die derzeit nicht betreten werden darf. Nach den Plänen der Senatsverwaltung soll sich das ändern. Geplant ist ein Erholungsgebiet, dass sich Richtung Jungfernheide und Flughafensee öffnet. Anders als beim Tempelhofer Feld bleibt die Fläche nicht so wie sie ist, sondern soll "intensiv" gestaltet werden. Die Erhaltung der Freifläche ist auch für das Berliner Stadtklima wichtig. Denn nur auf großen unversiegelten Flächen kann die Luft schnell abkühlen und Hitzestau verhindern.

TXL Nord: Regierungsterminal wird zum Wohngebiet

Ausschnitt des Masterplan TXL Nord (Quelle: Tegel Projekt GmbH)
Tegel Projekt GmbH

 

Der nördliche Teil des Flughafens wird vom Verteidigungs- und Außenministerium betrieben und gehört somit dem Bund. Der Bereich ist momentan für die Maschine der Kanzlerin sowie ankommende Regierungsgäste vorgesehen. Die Pläne sind noch nicht weit gediehen, aber irgendwann soll auf dem 29 Hektar großen Areal TXL Nord noch ein Wohngebiet entstehen.

Ausgang ungewiss

Eigentlich gäbe es den Flughafen Tegel ja schon längst nicht mehr. Das letzte Flugzeug hätte 2011 hier landen sollen. Doch die Verzögerungen auf der Dauerbaustelle beim Flughafen BER sehen die Nachnutzungsplaner von Tegel positiv. "Wir haben keine Leerstandskosten, sondern können gleich nach der Schließung in die Zwischennutzung und Umbaumaßnahmen gehen", sagt Holger Lippmann.

Schon jetzt laufen etliche Ausschreibungen, unter anderem für Abbruchsarbeiten. So lange der Flughafen BER noch kein Eröffnungsdatum hat, bleibt auch der Start in das neue Leben in Tegel ungewiss. Und dann gibt es ja auch noch den Volksentscheid am 24. September, der könnte die Berliner Bevölkerung beim Volksentscheid noch fast zehn Jahre Planung auf den Kopf stellen könnte.

rbb|24 webdoku

Flugzeug, Kurt-Schumacher-Platz, Reinickendorf, Berlin
imago, Schoening

Tegels Zukunft - Was nach den Flugzeugen kommt

Wenn der BER irgendwann eröffnet, wird ein neues Leben für Tegel beginnen. Mit unserer Webdoku können Sie sich selbst ein Bild davon machen, was in dem Flughafen-Areal entstehen soll.

Beitrag von Dominik Wurnig