Dirk Zingler, Präsident des 1. FC Union Berlin (Quelle: imago/Matthias Koch)
Bild: imago sportfotodienst/Matthias Koch

Interview | Union-Präsident Dirk Zingler - "Jetzt ist die Tür offen"

Union Berlin ist Zweitliga-Spitzenreiter, der Aufstieg in die Bundesliga ist für die Köpenicker zum Greifen nahe. "Scheiße, wir steigen auf!" war zuletzt auf einem Fan-Plakat zu lesen. Wie sieht Vereinspräsident Dirk Zingler die Situation? Ein Interview von Stephanie Baczyk

rbb: Herr Zingler, der 1. FC Union Berlin hat am 25. Spieltag die Tabellenführung der Zweiten Bundesliga erobert. Wann war der Moment in dieser Saison, in dem Sie zum ersten Mal realisiert haben, dass es darauf hinauslaufen könnte, dass Sie aufsteigen?

Dirk Zingler: Ganz wichtig war für uns der Sieg auf St. Pauli. Das hat gar nichts mit der Tabellensituation oder der möglichen Endplatzierung zu tun, sondern damit, dass wir seit zehn Jahren nach St. Pauli fahren und da noch nie gewonnen haben. Und dann gewinnen wir dort. Das war ein ganz wichtiges Spiel für uns.   

War es nicht so, dass Sie zu einem bestimmten Zeitpunkt gedacht haben, dass es jetzt ernst werden kann?

Wir nehmen den Tabellenplatz wahr und natürlich ist die Tür offen. Wir wissen aber auch, dass wir nicht jeden Tag darüber reden und im Konjunktiv sprechen. Ich bin froh darüber, dass Jens Keller das so vorlebt und die gesamte Mannschaft so fokussiert ist. Wir im Verein sind so fokussiert, dass wir nicht an den 34. Spieltag denken, sondern an den 26. Das werden wir uns bis zum allerletzten Spieltag erhalten. Ich glaube, wir sollten nicht darüber reden, was sein könnte, sondern was ist.

Die Fans sind da geteilter Meinung. Die Euphorie wird immer größer und es gibt seit Kurzem einen neuen Leitspruch im Stadion der Alten Försterei: "Scheiße, wir steigen auf!" Wie sehen Sie das, spiegelt das die Situation?

Ja, ich glaube schon. Ich musste tief in mich hineingrinsen, als ich diesen Spruch gelesen habe. Ich kenne niemanden in meinem Umfeld, nicht in der Fan-Szene, der nicht auch durch diese Tür durchgehen will. Alle wollen, dass wir erfolgreich bleiben bis zum Ende der Saison. Dass eine gewisse Ungläubigkeit damit verbunden ist, das verstehe ich. Aber bei jedem entsteht von Tag zu Tag mehr Freude darauf als Skepsis. Deshalb werden wir die nächsten Wochen genießen.

Union in der Bundesliga - würde das von der Infrastruktur her passen?  

Es ändert sich nichts. Wir sind jetzt ständig ausverkauft. Ob da 2.500 Dresdner drinstehen oder 2.500 Dortmunder - da ändert sich gar nichts. Teilweise bleiben die Farben sogar gleich, die Anzahl der Menschen bleibt gleich, wir sind weiterhin 22.000 hier. Aus welcher Stadt der Gästeblock gefüllt wird, wird hier nichts verändern. Und somit habe ich gar keine Sorge, dass wir der Herausforderung nicht gewachsen sind. 

Bei der Aufmerksamkeit, die der 1. FC Union jetzt hat - haben Sie dahingehend Sorge, dass sich die Unioner-Identität verändern könnte?

Es wird sich nicht so viel verändern. Wir sind bei elf von 13 Heimspielen ausverkauft gewesen. Dass die Nachfrage höher wird, das ist klar, aber die können wir heute schon nicht befriedigen - egal, in welcher Liga wir in der nächsten Saison spielen. Deshalb befassen wir uns mit dem Ausbau des Stadions. Wir müssen die Alte Försterei erweitern. Wir können sie erweitern, weil es technisch möglich ist. Deshalb werden wir das tun. Das werden wir nach dem letzten Spieltag Ende Mai vorstellen. Dann werden wir den Unionern und der breiten Öffentlichkeit vorstellen, wie die Alte Försterei in Zukunft aussehen wird.

Sebastian Polter ist in der Winterpause dazugekommen. Er war der teuerste Transfer der Vereinsgeschichte. Nimmt Union jetzt richtig Geld in die Hand?

Wir haben vor zwei, drei Jahren gesagt, dass wir mittelfristig zu den Top 20 Vereinen in Deutschland gehören wollen und am Ende kannst du das nicht nur mit Worten unterlegen - du musst Taten folgen lassen. Die Verpflichtung von Jens Keller, die Verpflichtung in den Kader hinein, als letztes mit Sebastian Polter, sind die logische Konsequenz von öffentlich formulierten oder intern formulierten Vereinszielen. Die muss man letzten Endes unterlegen und das haben wir getan. Wir haben ein Toptrainerteam, wir haben Menschen, die da waren, wo wir hinwollen. Das ist ganz wichtig.  

Wenn es dann am Ende wirklich so kommt, dass es Ihr Verein schafft in die Bundesliga aufzusteigen - was glauben Sie, was wird das für ein Tag für Sie?

Wir arbeiten seit vielen Jahren darauf hin, dass dieser Tag irgendwann eintritt. Jetzt ist die Tür offen, vielleicht kommt er in sechs Wochen. Am meisten freue ich mich, in die Gesichter der Menschen um mich herum zu schauen und die der Mitarbeiter. Wir haben viele Mitarbeiter, die seit vielen, vielen Jahrzehnten für diesen Verein arbeiten und immer letzten Endes dieses Ziel verfolgen, den 1. FC Union auch mal in der Bundesliga spielen zu sehen. Diese Glücksmomente, die sicherlich in den Gesichtern der Mitarbeiter zu sehen sein werden - auch meiner Freunde, meiner Schulkameraden, mit denen ich seit 40 Jahren zum Fußball gehe - darauf freue ich mich. Vielleicht diese Saison und wenn nicht, dann nächste Saison.

Das Interview führte Stephanie Baczyk

Sendung: rbb-Sportplatz, 26.03.2017, 22.00 Uhr

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