Die Spieler von Östersund performen auf der Bühne
Bild: imago/Bildbyran

Europa League gegen Östersunds FK - Hertha gegen Kultur und Kunstrasen

Für Hertha geht es am Donnerstag gegen ein Team, das in Europa kaum jemand kennt. Östersunds FK ist nicht nur neu im internationalen Wettbewerb, sondern auch noch im schwedischen Profifußball. Trotzdem fällt der Club auf und nicht nur mit fußballerischen Ergebnissen.

"Die Schweden können wir noch nicht gut einschätzen", sagte Hertha-Stürmer Julian Schieber bei der Auslosung der Europa League-Gruppenphase. Diese Meinung hat er nicht exklusiv: Östersunds FK spielt erst seit 2015 in der Allsvenska, der höchsten Schwedischen Liga, grade mal vor 21 Jahren wurde der Verein gegründet. "Die haben in Schweden nie eine Rolle gespielt", sagt deshalb Herthas Mittelfeldspieler Per Skjelbred.

Der Norweger wurde vor dem Gastspiel in Skandinavien als Schweden-Experte identifiziert, schließlich liegt sein Geburtsort Trondheim mit Östersund auf einem Breitengrad - dem 63. für die, die es interessiert - und nur vier Autostunden entfernt. "Fast wie zu Hause" ist es deshalb für ihn, beschreibt Skjelbred.

Viel Schnee, kein Rasen

Ein bisschen also wie Trondheim ist Östersund, definitiv aber nicht wie Berlin: Nur 50.000 Einwohner, ein Stadion mit etwas mehr als 8.000 Plätzen, für Hertha geht es in die Provinz. Die eigentliche Sportattraktion ist hier im Westen Schwedens der Biathlon Weltcup, der jeden Winter in Östersund gastiert. 2019 kommt sogar die WM.

In Östersund fahren sie eigentlich eher auf Schnee und Eis, als auf Rasen ab.  Deswegen gibt es hier auch keinen: Hertha muss am Donnerstag auf Kunstrasen ran. Sie wären nicht der erste Favorit, der auf dem ungewohnten Untergrund Probleme bekommt.

In der Qualifikation zur Europa League besiegte Östersund hier Galatasaray Istanbul und PAOK Thessaloniki jeweils mit 2:0 - ein Gegentor hat Östersunds FK in seinen drei Europapokal Heimspielen noch nicht kassiert. Und weil es die erste internationale Saison für die Schweden ist, ist das auch ihre historische Bilanz.

Der etwas andere Verein

Das Geheimnis des Erfolgs, so sagen sie zumindest in Östersund, liegt auch in, nun ja, besonderen Teambuilding Maßnahmen. Östersund stellte 2012 eine Kulturbeauftrage ein, seitdem landen Spieler und Trainer regelmäßig auf Bühnen, die weder mit Rasen noch Kunstrasen ausgelegt sind. In Theaterstücken, Musicals oder Lesungen bilden sich die Östersunder Kicker weiter. "Wer mutiger außerhalb des Spielfelds wird, der wird auch auf dem Platz mutiger", begründet Kulturbeauftragte Karin Wahlén ihr Credo im Sportmagazin Kicker.

Echtes Theater also, statt großes Transfertheater. 2016 gab Östersund zum ersten Mal etwas mehr Geld für einen Spieler aus: Stürmer Saman Ghoddos kam von Syrianska aus der zweiten Liga für 75.000 Euro. Für Östersund viel Geld, das sich gelohnt hat. In der Europaleague-Qualifikation schoss Ghoddos 3 Tore, in der Gruppenphase hat er auch schon getroffen.

Östersund Trainer Graham Potter schützt sich mit der Hand vor der SonneNah an der Sonne: Graham Potter ist der Östersunder Erfolgscoach.

Graham Potter: Last man coaching

Mutig war auch die Entscheidung auf einen englischen Trainer zu setzen: Graham Potter übernahm Östersund vor sechs Jahren in der vierten Liga und führte sie in den schwedischen Profifußball. Im letzten Jahr gab's dann den Pokalsieg und damit die Qualifikation zur Qualifikation für die Europa League. Am Ende des langen Weges steht jetzt das erste EL-Heimspiel.

Ironie des Schicksals: Weil die Vereine der englischen Premier League nicht so auf englische Trainer abfahren, ist Graham Potter mit dem kleinen Östersund als einziger englische Trainer in den europäischen Pokalwettbewerben vertreten.

Erstes Europa League-Heimspiel

Der Europa-League-Start ist Potter und seinem Team geglückt. Auswärts gab's im ersten Spiel einen 2:0-Erfolg in der Ukraine bei Luhansk. Jetzt kommt Hertha. "Es muss ganz viel passieren, dass wir gewinnen. Wir brauchen einen sehr, sehr guten Tag und Hertha einen schlechten", sagte Potter am Mittwoch auf der Pressekonferenz der Schweden. Vielleicht hilft dabei ja auch der Null-Gegentore-Kunstrasen im Östersunder Stadion.

Live im rbb Inforadio, 28.09.2017 ab 19:24 Uhr.

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