Marco Huck (rechts) im Faustgefecht mit Aleksandr Usyk im Viertelfinal-Kampf der World Boxing Super Series am 09.09.2017 in der Max-Schmeling-Halle in Berlin (Quelle: Daniel Lakomski / imago)
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Keine Chance gegen WBO-Weltmeister - Marco Huck kassiert deutliche Niederlage

Für Profiboxer Marco Huck ist die neue Turnierserie um die Muhammad-Ali-Trophy bereits nach dem ersten Kampf vorbei. Könnte die Niederlage bereits das Karriereende sein? Die deutschen Titel-Hoffnungen ruhen jetzt auf Jürgen Brähmer. Von Stefan Frase

Viel Ballyhoo vor dem Kampf, Katzenjammer danach. Gegen den klar überlegenen WBO-Weltmeister Alexander Usyk hatte der Herausforderer Marco Huck keine Chance. Und doch verkaufte sich der vorher viel Zweckoptimismus verbreitende, dann aber vor allem technisch unterlegene "Käpt‘n Huck" besser als viele Experten erwartet hatten.

Trainer Conny Mittermeier, den Huck eigens für diesen wichtigen Kampf wieder engagiert hatte, hatte den ehemaligen Kickboxer und Streetfighter bestens eingestellt. Er machte nicht die Fehler vergangener Jahre, agierte zunächst viel vorsichtiger und konzentrierter als zu befürchten war. Früher rannte Huck gerne mit überfallartigen Angriffen und wuchtigen Schlagserien auf den Gegner an und vernachlässigte dabei Technik und Deckung. Diese Taktik hätte gegen den variablen, konditionell starken und komplett austrainierten Ukrainer wohl ein frühes Ende des Kampfes bedeutet.

Usyks Antwort im Ring für die Provokationen im Vorfeld

So boxte der gebürtige Bosnier und Wahlberliner vor heimischem Publikum eher vorsichtig und abwartend. Das lag natürlich zuallererst an der boxerischen Überlegenheit des 30-jährigen Olympiasiegers Usyk. Der wirkte sehr selbstbewusst und siegessicher, baute gelegentlich auch ein paar provozierende Gesten und Mätzchen mit ein, um zu zeigen, wer der Herr im Ring ist.

Gelegentliche Schläge hart an oder auch unterhalb der Gürtellinie steckte Usyk mit einem Lächeln weg – sicher auch eine Antwort auf die Provokationen von Huck im Vorfeld des Kampfes. Der hatte seinen Gegner auf der Pressekonferenz angerempelt und Prügel angedroht.

Ringrichter Byrd erlöst Marco Huck, unterbricht den Kampf in der 10. Runde
Ringrichter Byrd beendet den Kampf in der 10. Runde | Bild: imago sportfotodienst

Technischer K.O. in der 10. Runde – Aus für Huck

Die Antwort gab der klar überlegene Ukrainer im Ring. Er gilt als Top-Favorit für die Muhammad-Ali-Trophy im Cruisergewicht und erteilte Huck eine regelrechte Lektion. Erst guckte er sich seinen Gegner aus, dann nutzte der gefährliche Rechtsausleger gezielt die Lücken und erwischte Huck immer wieder schwer – auch permanent mit seiner pfeilschnellen Führhand.

In der zehnten von zwölf Runden traf der ausgezeichnete Ringrichter Byrd nach einer trommelfeuerartigen Schlagserie des aktuellen WBO-Weltmeisters die absolut richtige Entscheidung: er brach den Kampf vorzeitig ab und verhinderte damit schlimmere Folgen für den spätestens zu diesem Zeitpunkt aussichtslos zurückliegenden Huck. Technischer K.O.-Sieg für Usyk - und damit gleichzeitig das Aus für den tapfer kämpfenden, aber in jeder Runde unterlegenen Huck.

Huck: "Gute Schlacht geliefert, aber Druck war zu groß"

Nach seiner fünften Niederlage im 46. Profikampf wirkte der sichtlich gezeichnete Huck einsichtig, handzahm und kommentierte den Kampf noch im Ring in die vielen Mikrofone: "Wir haben uns eine gute Schlacht liefern können. Durch die Aufregung und den Druck konnte ich nicht so gut nachsetzen." Dabei hatte zuallererst Huck selbst für die Aufregung im Vorfeld gesorgt, die er nun beklagte.

Dennoch hatten die nur 5850 Zuschauer in der Berliner Max-Schmeling-Halle einen spektakulären und guten, wenn auch einseitigen Kampf gesehen.

Marco Huck gezeichnet nach verlorenem Kampf
Marco Huck gezeichnet nach dem technischen K.O. | Bild: imago sportfotodienst

Deutsche Hoffnungen ruhen jetzt auf Jürgen Brähmer

Damit zieht der vom Klitschko-Management betreute und weiter ungeschlagene Ukrainer ins Halbfinale ein – für Knockouter Usyk  sicher nur eine Zwischenstation auf dem Weg ins Finale, das im Mai nächsten Jahres in Las Vegas stattfindet und dem Sieger rund 10 Millionen Dollar bescheren soll.

Immerhin 400.000 Euro Antrittsgage sind dem anständigen Verlierer Huck sicher. Die Frage des Abends: Macht der nach zuletzt zwei klaren Niederlagen angeschlagenen 32-jährigen "Käpt’n Huck" weiter, oder hängt er die Boxhandschuhe an den Nagel? Die Antwort darauf ließ der Ex-Weltmeister offen: "Ich mache jetzt erstmal Urlaub und danach entscheide ich."

Was die neue von Promoter Kalle Sauerland inszenierte Turnieridee der "World Boxing Super Series" betrifft, ist aus deutscher Sicht jetzt nur noch der Schweriner Jürgen Brähmer im Super-Mittelgewicht dabei. Ende Oktober muss er den schlagstarken US-Amerikaner Rob Brand aus dem Weg räumen. Aber auch das scheint eine ähnlich schwere Aufgabe zu werden wie die von Huck am Samstagabend.

Sendung: Inforadio, 10.09.2017, 11:00 Uhr

Beitrag von Stefan Frase

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