Geflüchtete und andere Berliner spielen Beachvolleyball unter dem Fernsehturm. (Quelle: rbb))
Video: rbb um6 | 04.09.20017 | Friedrich Rößler | Bild: rbb

Berliner Alexanderplatz - Beachvolleyball gegen dumme Gedanken

Sport bringt Menschen zusammen: Aus unterschiedlichen Nationen, Kulturen und Glaubensrichtungen. Am Berliner Alexanderplatz soll Sport ein Gegenmittel gegen die zuletzt dort immer häufiger zu beklagende Gewalt sein. Die Lösung? Beachvolleyball!

Der Beachvolleyball-Platz unter dem Berliner Fernsehturm wirkte lange Zeit etwas verwaist. Es waren weder Angaben noch Schmetterbälle zu sehen - es wurde nicht gepritscht oder gebaggert. Auch Gelächter war weit und breit nicht zu hören. Ein bedauernswerter Zustand, der jedoch von ein paar Berlinern als Chance gesehen wurde. Der gemeinnützige Verein Moabiter Ratschlag und dessen Projekt JARA - Jugendaktionsraum Alexanderplatz, hauchen dem Beachvolleyplatz seit dem 1. August neues Leben ein - und bringen Menschen zusammen.  

Mit dem Beachvolleyballplatz sollte ein temporärer Treffpunkt für junge Menschen, die sich im Bereich des Fernsehturms aufhalten, aufgebaut werden. Junge Menschen aus allen Bezirken Berlins sowie Gäste aus Deutschland und der ganzen Welt nutzen den öffentlichen Raum Alexanderplatz und die Grünanlage am Fernsehturm als Treffpunkt und Aufenthaltsort, darunter seit Sommer 2015 viele junge Geflüchtete. Immer wieder kommt es am Alexanderplatz zu Gewalttaten: Beachvolleyball soll die Jugendlichen von dummen Gedanken ablenken, denn diese entstehen oftmals aus Langewelie.  

Ein paar Quadratmeter Hoffnung

Ein paar Quadratmeter Sand symbolisieren so viel in diesen Tagen. "Die Kollegen und Kolleginnen sprechen Leute am Platz an", sagt Tino Kretschmann, Koordinator des Projekts JARA vom Moabiter Ratschlag e.V. "Die gehen halt hin und fragen einfach, ob die Lust haben zu spielen. Das sind tendenziell jüngere Leute, alle unter 27, vor allem Geflüchtete."

Während Kretschmann von dem Projekt erzählt, formieren sich zwei Mannschaften auf dem Beachvolleyballfeld und beginnen gegeneinander zu spielen. Wobei in diesem Fall gegeneinander durch das Wort miteinander ausgetauscht werden sollte. Das Netz trennt zwar beide Teams, der Sport vereint jedoch die Spieler. Die Resonanz der ersten Wochen ist groß, ähnlich verhält es sich mit dem Spaßfaktor.

Konfliktarmer Sport

Und wieso wird jetzt aber eigentlich Beachvolleyball gespielt? "Es ist natürlich ein Spiel, das erstens international sehr bekannt ist. Gerade auch im arabischen Raum wird es sehr gern gespielt - und es ist konfliktarm", sagt Tino Kretschmann. Die jungen Männer, die sich auf dem Spielfeld gegenüberstehen, sind bunt durchmischt. Wabo Sup aus Kamerun erzählt, er spiele hier heute zum ersten Mal mit. Eigentlich wollte er sich entspannen und lesen, aber als er Leute hat spielen sehen, wollte er sofort mitmachen.

Naveed Akhtar aus Pakistan findet, es sei echt toll hier. Gerade habe er 20 Minuten gespielt und sei draußen an der frischen Luft, bewege sich und das sei einfach gut. Und das Wichtigste: So lange gespielt wird, kommt hier keiner auf dumme Gedanken. Das hoffen zumindest die Mitarbeiter der Organisation Moabiter Ratschlag. Das Beachfeld soll bis auf dienstags und donnerstags regelmäßig bespielt werden. Freunde finden statt Gewalt zu suchen, so soll es in Zukunft auf dem Alexanderplatz zugehen.

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