Fans des FC Energie Cottbus im Stadion der Freundschaft. (Quelle: imago/Matthias Koch)
Bild: imago/Matthias Koch

Nach gewalttätigen Ausschreitungen - Energie Cottbus beschließt Maßnahmeplan gegen Rechts

So geht es nicht weiter - diese Lehre hat Energie Cottbus aus den Ausschreitungen und Skandalen der vergangenen Saison 2016/2017 gezogen. Mit neuen Mitteln soll nun gezielter gegen Rechtsextremismus im Fanblock vorgegangen werden.

Die Bilder sind nur schwer aus dem Kopf zu bekommen: Ende April kam es beim Gastspiel des FC Energie Cottbus beim SV Babelsberg 03 zu schweren Ausschreitungen zwischen den Fanlagern. Bengalos wurden abgefackelt und in Richtung des gegnerischen Fanblocks gefeuert. Die Eskalation gipfelte in einem Platzsturm Cottbuser Anhänger. Den zum Teil rechtextremen Gesten, etwa dem Hitlergruß, nationalsozialistischen Parolen wie "Arbeit macht frei, Babelsberg 03" und anderen Vorfällen wollen die Energie-Verantwortlichen jetzt "mit aller Macht" entgegentreten, wie der Verein am Dienstag mitteilt. Im Nachgang der Regionalliga-Saison 2016/2017 wurde ein Maßnahmeplan verabschiedet -  mit dem vor allem gegen Rechts vorgegangen werden soll.

In der Mitteilung auf der Vereinshomepage von Energie heißt es weiter,  dass "die ohnehin schon weitreichenden Bemühungen für Vielfalt und Toleranz und gegen jegliche Formen von Extremismus, Rassismus und Gewalt intensiviert, strukturiert und etabliert" werden sollen. Die Vereinsführung verurteile die Vorfälle der vergangenen Saison scharf. Sie seien "unsportliche und verachtenswert". Gegen die initiierenden Fan-Gruppen und Strömungen soll nun noch stärker vorgegangen werden. Es gehe um interne und externe Maßnahmen, welche "die Sicherheit rund um das Erlebnis Fußballspiel" in den Vordergrund stellten.

Politik, Verbände und Aktionsbündnisse mit im Boot

Es rumorte schon seit Längerem im Dunstkreis des Stadions der Freundschaft. In einer Vielzahl von Gesprächen mit Vertretern aus Politik, Behörden, Aktionsbündnissen und Verbänden habe der FC Energie seine bisherigen Maßnahmen vorgestellt und diese in Kooperation mit den Gesprächspartnern weiterentwickelt und organisiert, beschreiben die Verantwortlichen die Entwicklungen der vergangenen Wochen und Monate. Doch was bedeuten diese Maßnahmen nun konkret?  

Bis Jahresende soll ein ein neuer Job kreiert werden. Die Bezeichnung: Beauftragte/r für Toleranz. Für diese Stelle sucht der Verein finanzielle Unterstützung.

Die Konsequenzen der brutalen Vorfälle beinhaltet aber nicht nur die Aufstockung des Personals, sondern auch einen Verschärfung der Ansprüche bei der Zusammenarbeit mit Sicherheitsfirmen: "Der FC Energie wird im Rahmen seiner Heimspiele ausschließlich mit Firmen, die grundsätzlich den Anforderungen der Bewachungsverordnung entsprechen sowie zertifiziert geschult oder zertifiziert sind, zusammenarbeiten", liest man in der Mitteilung. "Diese wurden und werden durch die Ordnungsbehörden der Stadt Cottbus auf Zuverlässigkeit geprüft."

Ergänzend habe der Verein einen Verhaltenskodex für die Sicherheitskräfte im Stadion der Freundschaft erstellt und werde für dessen Einhaltung Sorge tragen.

Die Kommunikationswege am Spieltag sollen künftig "zielgerichteter und strukturierter" aufgebaut sein. "Ein Antrag zur Bereitstellung von finanziellen Mitteln zur Verbesserung der Überwachungstechnik im Stadion der Freundschaft wurde bereits vor Wochen bei der Landesregierung gestellt. Eine durch den FC Energie erhoffte Bewilligung hierfür steht derzeit noch aus", heißt es weiter.

Pilotprojekt zum Thema Bengalos

Zudem wird Energie Cottbus an einem Pilotprojekt der Technischen Universität Cottbus teilnehmen, das sich mit den Nachweismöglichkeiten und der Früherkennung von Pyrotechnik beschäftigen soll. Wie das Projekt im Detail aussieht, wurde noch nicht verraten.

Verschärft werden zudem auch die persönlichen Sanktionen - und zwar als Präventionsmaaßnahme. "Neben der Aussprache von bundesweiten Stadionverboten [...] werden insbesondere die Aussprache von sogenannten Tageshausverboten bei begründeten Verdachtsmomenten am Stadioneinlass als präventive Maßnahme Anwendung finden."

Trotz aller Maßnahmen und den Verschärfungen in der Handhabe rechtsextremer und gefährlicher Fans sucht der Verein weiterhin den Dialog mit den Anhängern. Aber: Die "wahren und friedlichen Fans" stehen im Vordergrund, heißt es jetzt - und die genössen höchste Priorität in Fragen Sicherheit. "Zivilcourage muss und wird unterstützt werden  - dahingehend sind letztendlich alle gemeinsam gefragt."  

Kommentar

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1 Kommentar

  1. 1.

    Gutes Signal! Jetzt lasst den Worten auch Taten folgen. Ich hoffe auf starke Unterstützung der Potsdamer Landesregierung und kommunalen Politik.

    Kein Platz für Nazi - weder in Cottbus noch sonstwo!

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