Alba-Berlin-Profi Luke Sikma (links, Nr. 43) wird im Bundesliga-Spiel beim MBC am 08.10.17 in Weißenfels von Djordje Pantelic geblockt (Quelle: imago / Eibner-Pressefoto / Hartmut Boesen).
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Alba gewinnt nach Verlängerung - Armdrücken in Weißenfels

Wenn's mal wieder länger dauert: Alba Berlin hat nach dem Sieg gegen Tübingen auch den MBC bezwungen - aber der 89:80-Kraftakt am Sonntag gelang den Berlinern erst nach Overtime. Zurück blieben Schrammen. Von Sebastian Schneider

Es bestand ja Grund zur Hoffnung: Die Wölfe aus Weißenfels gehören wie die Tübinger zum Segment untere Mittelklasse - und die hatte Alba am Freitag komplett zerlegt. Aber als der Hallensprecher begann, zu krakeelen, als die dumpfen Trommelschläge von den Rängen der Stadthalle tönten und als Marcus Hatten den Ball in seine Hände bekam, war klar: Leicht würden es die Berliner an diesem Sonntag nicht haben.

Hatten bringt beim Mitteldeutschen Basketballclub den Ball, er trägt Glatze und einen beeindruckenden schwarzen Vollbart. Der 36-Jährige stammt aus Baltimore, hat sein Geld in zehn Ländern verdient - kein Typ, mit dem man sich gerne anlegt. Seinem Gegner Akeem Vargas spendierte er im ersten Angriff einen eleganten Step-Back-Sprungwurf, im zweiten Angriff versenkte er einen Dreier. Die Wölfe waren losgelassen und Alba hatte Mühe, ihre Witterung aufzunehmen.

Gruß mit dem Ellenbogen

Gut 100 Berliner Fans hatten die Reise nach Sachsen-Anhalt auf sich genommen. Einer war als "Super Mario" verkleidet, der Mann mit dem aufgeklebten Filzschnauzer sah, wie die orangefarben gekleideten Wölfe immer wieder durch die Zone der Berliner preschten und leichte Korbleger geschenkt bekamen. Der Center Djordje Pantelic - 117 Kilo schwer, Stoppelhaare und ein Kreuz wie ein Klavierschlepper - blockte drei Würfe. Seinen Gegenspieler grüßte er mit dem Ellenbogen. Aber ganz allmählich machte sich Albas hoher Aufwand im Angriff bezahlt.

Vargas schloss hart am Ring ab, danach legte er einen Dreier aus der Ecke drauf, der Oberverteidiger bestätigte seine gute Form. In der letzten Saison haderte er auf dem Feld oft, wirkte gehemmt - seitdem Aíto García Reneses neuer Trainer ist, spielt der 27-Jährige befreiter.

Der auffälligste Berliner aber war zu Beginn Stefan Peno. Auf den ersten Blick hält man den serbischen Point Guard immer für etwas behäbig - aber damit täuscht er seine Gegner ziemlich gut. Der Neuzugang aus Barcelona steckte den Ball immer wieder klug durch, Alba spielte jetzt wunderbar altmodischen Teambasketball. Zur Pause führten die Erben Aítos mit 37:32.

Irgendwann dreht der MBC das Spiel

Das dritte Viertel begann Alba präzise und geduldig, der MBC kraftlos. Kaum ein Bundesliga-Team ballert öfter auf den Korb als Weißenfels. Weil große Profis teuer sind und der Aufsteiger auf jeden Euro schauen muss, kann er sich nur einen vergleichsweise zierlichen, alten und wurfwütigen Kader leisten.

So eine Spielweise ist riskant: Laufen ein paar Jungs heiß, geht alles gut. Wenn nicht, klappt vorne gegen clevere Teams kaum noch was. Die Berliner bewiesen am Sonntag immer wieder, dass sie diese Cleverness haben - aber auch, dass sie noch lang nicht konzentriert genug für höhere Ansprüche sind.

Denn Rauschebart Hatten (15 Punkte), der schnaufende Klavierschlepper Pantelic und ihre Kollegen malochten einfach immer weiter, mit dem Mut der Verzweiflung. Das war wild anzusehen, aber es klappte. Immer wieder gewährten die Berliner dem MBC Lücken, die ein stärkeres Team noch viel niederträchtiger bestraft hätte.

Hinten verwirrten die Wölfe ihre Jäger mit ständig anderen Abwehrideen. "Sie haben gewechselt zwischen Ganzfeldpresse, Mann-Mann-Verteidigung und Zonendefense. Das hat unseren eigenen Plan durchkreuzt", berichtete der Alba-Trainer García Reneses später. Im vierten Viertel war das Spiel plötzlich gedreht, Weißenfels führte und die stehenden Fans klatschten im Takt der Tröten.

2. Basketball Bundesliga Saison 2016 2017 ProA Finale in Weißenfels 7.5.2017 MBC Weißenfels vs Oettinger Rockets MBC Weißenfels Center Djordje Pantelic mit dem abgeschnittenen Korbnetz um den Hals nach der Meisterschaft mit dem MBC (Quelle: imago / ).
117 Kilo, verteilt auf 2,04 Meter: Djordje Pantelic wirkt neben dem Basketballfeld wie ein richtig netter Kerl. Unter dem Korb aber sollte man ihm lieber nicht begegnen. | Bild: imago sportfotodienst

Erwachsener, als er aussieht

Nun hielten vor allem Albas flinke Guards ihr Team im Geschäft. Siva raste, wie auch schon gegen Tübingen, unwiderstehlich im Fast Break. Joshiko Saibou hatte seine Hände in den gegnerischen Passwegen und Stefan Peno spielte wieder viel erwachsener, als er aussieht. Von draußen hatte er jämmerlich gezielt, also versuchte es der 20-Jährige irgendwann eben im Zentrum: Er schickte einen tadellosen "Floater" durchs Netz, wurde bei diesem Korbleger gefoult - und traf auch den Freiwurf.

Knapp eine Minute vor dem Ende stand es 71:71. Alba warf den Ball ein, Peyton Siva zog sofort zum Korb - und wurde wieder von Djordje Pantelic abgeräumt. Der Serbe spannte die Muskeln an. Auf den Armen hat er die Namen seiner Kinder verewigt. Sein Blick verhieß nichts Gutes. Siva vergab auch den letzten Angriff, es ging in die Verlängerung.

Wir hatten einige Schwierigkeiten mit der alternativen Defense des MBC, sie haben gewechselt zwischen Ganzfeldpresse, Mann-Mann-Verteidigung und Zonendefense. Das hat unseren eigenen Plan durchkreuzt."

Der Berliner Coach Aíto García Reneses

Mitte der Verlängerung bricht Alba den Willen des MBC

Zu Beginn der entscheidenden Phase dieses Spiels stand dann übrigens kein einziger deutscher Profi auf dem Feld. Der Lette Grigonis und der US-Amerikaner Butterfield trafen für Alba Dreier, dessen Landsmann Luke Sikma holte alle wesentlichen Rebounds. Die Nationalspieler Vargas und Niels Giffey hockten draußen, aber sauer wirkte Giffey trotzdem nicht - bevor er ihn dann doch noch einwechselte, scherzte der Coach mit seinem Kapitän.

Denn es schien ja doch noch alles gut zu gehen: Mitte der Verlängerung war die Wucht der alten Weißenfelser gebrochen. Auch der erschöpfte Pantelic (14 Punkte, fünf Blocks) hatte aufgegeben und sich auf die Bank geschleppt. Die Tröten lärmten einsam, man hörte jetzt nur noch die Alba-Fans. Die letzten Minuten spielten sich an der Freiwurflinie ab, den Wölfen blieb nur noch übrig, zu foulen.

Die Berliner gewannen am Ende mit 89:80 und manche von ihnen trugen daraus blutige Schrammen davon. Keiner spielte länger als Peyton Siva, dem Topscorer gelangen 19 Punkte, fünf Rebounds und vier Assists."Sie haben es uns schwer gemacht, sie haben hart gekämpft. Aber das sind die Spiele, die wir gewinnen müssen", fasste der schwitzende Siva seinen Arbeitstag zusammen. Schon am Mittwoch muss er sich sein Trikot wieder überstreifen. Dann startet Alba gegen Partizan Belgrad im Eurocup.

Sendung: Antenne Brandenburg, 08.10.17, 18 Uhr

Wolfsrevier Weißenfels

Beitrag von Sebastian Schneider, rbb|24

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1 Kommentar

  1. 1.

    Danke für den erfrischenden und doch sachkundigen Beitrag.

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