Die Handballer der Füchse Berlin stehen nach dem Sieg über Lemgo Arm in Arm im Kreis zusammen und strahlen dabei
Bild: imago sportfotodienst

Berliner Handballer mit Rekord-Start - Füchse stark wie nie

Ihr Revier ist aktuell die Tabellenspitze der Handball-Bundesliga: Die Füchse Berlin haben sich dank eines beeindruckenden Saisonstarts ohne Punkteverlust oben festgebissen. Nur eine Momentaufnahme? Was für den Erfolg spricht, und warum die kommenden Wochen schwer werden. Von Stephanie Baczyk

Es ist ein Mix aus Stolz, Genugtuung und überschwänglicher Freude, als sich Silvio Heinevetter und seine Teamkollegen am vergangenen Sonntagnachmittag nach dem 36:23 über Lemgo von den eigenen Fans feiern lassen, ist da diese besondere Atmosphäre in der Max-Schmeling-Halle. Greifbar. Spürbar. Und das nicht ohne Grund: Die Füchse sind mit jetzt sieben Siegen aus sieben Spielen Tabellenführer. Besser als der amtierende Meister Rhein-Neckar Löwen, als der THW Kiel oder die SG Flensburg-Handewitt. 

Torwart-Oldie Stochl in Topform

"Abbrechen die Saison! Sofort", gibt Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning zu Protokoll, wenn auch nicht ganz ernst gemeint. "Ich brauche nicht mehr sehen, ich habe genug gesehen." Und mal ehrlich, zu sehen gibt es einiges. Beispielsweise Torwart-Oldie Petr Stochl, der mit seinen 41 Jahren mal eben eine Top-Quote an gehaltenen Bällen raushaut. Er ist mitverantwortlich dafür, dass die Abwehr der Berliner zurzeit so sicher agiert.

Torhüter-Kollege Silvo Heinevetter ist parallel in der Lage auch nach weniger guten Auftritten stark zurückzukommen. Im Heimspiel gegen Lemgo durfte er überraschend von Beginn an ran und parierte alleine in der ersten Hälfte über 50 Prozent der Chancen. "Wir haben viel Qualität in der Mannschaft", analysiert Hans Lindberg den bisherigen Saisonverlauf. "Und wir haben die Ausfälle zu Beginn der Saison gut kompensiert."

Die Füchse - ein Team

Der Teamgeist stimmt. Die Mannschaft ist auch aufgrund der schwierigen Saisonvorbereitung mit vielen Verletzten näher zusammengerückt. Jeder spielt für den anderen. Selbst Torgarant und Ideengeber Petar Nenadic tritt mannschaftsdienlicher auf als in der Vergangenheit, hat immer öfter auch das Auge für den Mitspieler. Dabei bleibt der Serbe torgefährlich - alleine gegen Lemgo traf er zehnmal.

Aber nicht nur Nenadic, auch Steffen Fäth zeigt immer häufiger wie wichtig er für das Team sein kann. Der 27-Jährige überzeugte gerade bei den schweren Auswärtsaufgaben in Magdeburg und Leipzig, erzielte wichtige Tore. Fäth wirkt befreit. Als sei er nach langer Anlaufzeit endlich angekommen in Berlin. Dabei steht sein Abschied zum Saisonende schon seit geraumer Zeit fest. Der linke Rückraumspieler wechselt nächsten Sommer zum Ligakonkurrenten Rhein-Neckar Löwen. 

Auch Nenadic vor Abschied

Auch Petar Nenadic Tage als Fuchs scheinen gezählt zu sein. Sein Vertrag läuft nach der Saison aus, der ungarische Spitzenklub Veszprem hat mehr als einmal deutliches Interesse bekundet. "Es ist in der Tat so, dass es immer wieder Anfragen für ihn gab und gibt", sagt Geschäftsführer Bob Hanning. "Veszprem ist hartnäckig und wenn er uns nach so vielen erfolgreichen Jahren verlassen möchte, dann ist das mehr als sein gutes Recht."

Nenadic ist jetzt 31. Es heißt, er möchte näher bei seiner Familie sein. Aber - und das ist kein Geheimnis - er hätte mit dem ungarischen Klub auch die Möglichkeit, in der Champions League zu spielen. "Selbst, wenn wir unser gutes Angebot aufbessern und das werden wir tun, wird es nicht mal an die Hälfte dessen rankommen, was ein Verein wie Veszprem bezahlen kann", gibt Hanning zu. Die Zeichen stehen auf Abschied. Unklar scheint einzig, wann Nenadic Berlin verlässt. Im Winter könnten die Füchse noch eine Ablösesumme kassieren.

Schwere Spiele voraus

Im Hier und Jetzt ist das Team aus der Hauptstadt Tabellenführer der Handball-Bundesliga, die Champions League möglich. Sieben Spiele, sieben Siege - darunter weniger überzeugende Heimerfolge wie jüngst gegen Lemgo. Dafür starke Leistungen und wichtige Punktgewinne auf fremden Plätzen. Entscheidend wird sein, wie die Füchse die kommenden Wochen meistern. Denn mit Hannover-Burgdorf, dem THW Kiel und der SG Flensburg-Handewitt warten noch mal andere Kaliber. "Wir haben einen breiten Kader und viele gute Spieler", gibt sich Hans Lindberg selbstbewusst. "Wir werden unser Bestes geben."

Sendung: Antenne Brandenburg, 11.10.2017, 12.10 Uhr  

Beitrag von Stephanie Baczyk / mit Informationen von Jens-Christian Gußmann

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereKommentar-Regeln und Hilfe zu Kommentaren zum Kommentieren von Beiträgen.

Das könnte Sie auch interessieren

Sänger Ronny Rothe singt in Johannisthal vor Fans. (Quelle: Imago/Matthias Koch)
imago sportfotodienst

Der singende Stadionsprecher - Schlager in der Landesliga

Ein Heimspiel vom Landesligisten SG Sportfreunde Johannisthal ist immer eine Reise wert. Der singende Stadionsprecher Ronny Rothé schmettert Schlager ins weite Rund - und wird von den eigenen Fans gefeiert. Von Robin Krempkow