Hertha-Mitglieder auf der Mitgliederversammlung Novermber 2017 (Quelle:imago/Koch)
Bild: imago sportfotodienst

Mitglieder ändern Satzung nicht - Hertha-Umzug nach Brandenburg noch immer möglich, oder?

Die Mitglieder von Hertha BSC haben die benötigte Dreiviertelmehrheit für eine Satzungsänderung verpasst. Damit muss Berlin nicht die sportliche Heimat des Fußballclubs bleiben. Das Präsidium stellt aber in Aussicht, dass die Hauptstadt noch immer erste Wahl ist. Von Dennis Wiese

Die Emotionen kochten über bei Herthas Mitgliederversammlung am Montagabend. Als der Antrag auf Satzungsänderung verlesen wurde, brach großer Jubel in der Messehalle unter dem Berliner Funkturm aus. Als sich einzelne Redner gegen diesen Antrag aussprachen, wurden sie gnadenlos ausgepfiffen und wüst beschimpft. Denn in diesem Antrag geht es für viele Hertha-Fans um eine Frage der Identität: Ist Hertha BSC nun ein Berliner Fußballverein oder nicht? Muss er nicht seine Heimspiele bis in alle Ewigkeit auf Berliner Boden austragen - oder darf er irgendwo auf dem platten brandenburgischen Land eine Fußball-Arena bauen? Diese wenig differenzierten Standpunkte wurden in besagten Antrag auf Satzungsänderung gegossen: 57 Mitglieder hatten im Vorfeld der Mitgliederversammlung beantragt, Herthas Heimat schriftlich in den Vereinsstatuten zu fixieren.  

Nur 60 Prozent der Mitglieder für Satzungsänderung

Akustisch schien das Votum klar pro Berlin auszufallen. Herthas eingefleischte Fans aus der Ostkurve hatten in den vergangenen Wochen dafür geworben, zur Mitgliederversammlung zu gehen und für den Antrag auf Satzungsänderung zu stimmen. Schließlich wurden am Montagabend 1.285 gültige Stimmzettel abgegebenen. 766 Mitglieder stimmten dafür, 509 dagegen. Damit fehlten aber knapp 200 Ja-Stimmen für die benötigte Dreiviertelmehrheit.

Präsidiumsmitglied Pering: "Ludwigsfelde nur Alternativkulisse"

Die Argumente des Vereinspräsidiums scheinen Wirkung gezeigt zu haben. Ingmar Pering verwies darauf, dass eine Verankerung des Spielortes Berlin in der Vereinssatzung Probleme bereiten könne: Kleinere Mannschaften des Vereins, etwa Jugendmannschaften oder Altherrenmannschaften, könnten in Ausnahmefällen dazu gezwungen werden, aufgrund von Platzmangel, ein Spiel nach Brandenburg zu verlegen. Die Satzungsänderung würde das ausschließen. Auch sei nicht klar, ob Herthas Profimannschaft, die als Kommanditgesellschaft auf Aktien geführt wird, durch eine Satzungsänderung des Hertha BSC e.V. gebunden sein.

Der Vorschlag, ein Stadion in Ludwigsfelde zu bauen, sei vielmehr ein taktischer Zug gewesen, um die Verhandlungsbasis des Vereins gegenüber dem Berliner Senat zu verbessern.

Gespräche mit dem Senat: Zwischenergebnisse zum Jahresende

Hertha-Präsident Werner Gegenbauer sagte, dass Arbeitsgruppen von Hertha BSC und dem Berliner Senat noch immer in Gesprächen seien. Zum Jahresende solle eine Zwischenbilanz gezogen werden. Eine Berliner Lösung scheint also auch ohne die verpasste Satzungsänderung möglich, auch Präsidium und Verein seien für einen Verbleib in der Hauptstadt. Gegenbauer habe verstanden, dass es die Mitglieder bevorzugten, dass Hertha BSC in Berlin bleibt.

Ab 2025 will Hertha BSC in einer neuen Fußball-Arena spielen. Neben einem Neubau in Ludwigsfelde war eine neue Arena im Berliner Olympiapark im Rennen. Alternativ ist ein Umbau des Berliner Olympiastadions im Gespräch.

Sendung: rbb aktuell, 20.11.2017, 21.45 Uhr

Beitrag von Dennis Wiese

Kommentar

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3 Kommentare

  1. 3.

    Der Popanz "Ludwigsfelde" hat sich - wenn man dem dortigen Bürgermeister glauben schenken darf - eh zum Jahresende erledigt. Es gibt noch andere Interessenten für das in Frage kommende Gewebegebiet, die er nicht mehr lange hinhalten will.

  2. 2.

    Reisende soll man nicht aufhalten.

    Allerdings kann man fragen, ob der Berliner Senat wirklich so doof ist, dass er auf die "Alternativkulisse" Ludwigsfelde reinfällt: Allein die Schaffung leistungsfähiger Verkehrsinfrastruktur für die An- und Abreise der Stadionbesucher würde Brandenburg eine Stange Geld kosten. Und die zahlreichen notwendigen Sonderzüge hätten auch einen deutlich längeren Weg von und nach Ludwigsfelde zu absolvieren - was sich die Bahn natürlich bezahlen lassen würde.

    Und das alles für einen Verein, der demnächst womöglich wieder in der 2. Liga spielt?

  3. 1.

    Stadionneubau in Brandenburg? Wann soll das fertig sein - 2050?

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