Choreografie zum 125. Geburtstag von Hertha BSC (Quelle: imago/Camera 4)
Video: rbb UM6 l 15.11.2017 l Simon Wenzel | Bild: imago/Camera 4

FC Play Fair aus Berlin - Verein will Fußball-Fankultur zum Weltkulturerbe machen

Soll die Fankultur im Fußball zum Weltkulturerbe erklärt werden? Mit dieser Frage muss sich die UNESCO beschäftigen, denn der FC Play Fair hat genau dies beantragt. Der Berliner Verein meint das durchaus ernst, hat aber auch andere Motive.

Was haben die Kunst der Falknerei, Ostfriesische Teekultur und das deutsche Brothandwerk gemeinsam? Richtig, sie alle gehören zum Weltkulturerbe der UNESCO. Und wenn es nach dem FC Play Fair geht, reiht sich die Fankultur im Fußball bald in diese Auflistung ein. Der Verein hat bereits einen Antrag gestellt - den muss die UNESCO nun prüfen.

Wem gehört der Fußball?

Aber wem gehört eigentlich der Fußball? Diese Frage hat sich auch der Verein gestellt. Gehört er den Verbänden, die ihn veranstalten, den Spielern, die ihn betreiben oder vielleicht sogar den Fans? "Die haben ihn immerhin zu dem gemacht, was er heute ist", sagt Christian Prechtl, Sprecher des FC Play Fair.

Einsingen, eine Bratwurst und Bier und am Abend die Auswertung des Spiels in der Kneipenrunde: All das macht die Fankultur aus. Aber auch die beeindruckenden Choreografien, die Gesänge der Fans und das Public Viewing machen das Erlebnis Fußball zu dem, was es ist. Zu viel Kommerz stößt bei den Fans dagegen nicht auf Gegenliebe. Schon im Frühjahr hatte der FC Play Fair deshalb eine Studie auf den Weg gebracht - das Ergebnis: Die Fans fühlen sich durch profitorientierte Maßnahmen, wie zum Beispiel zu viele Anstoßzeiten, übergangen.

UNESCO-Antrag als Weckruf für Verbände und Vereine

Deswegen sieht der Verein den Antrag bei der UNESCO auch als Weckruf. Der FC Play Fair setzt sich dafür ein, dass Verbände und Vereine in der großen Werbewelt des Fußballs den Fan nicht vergessen. Teilweise hat das auch schon geklappt: Nach der Veröffentlichung der Studie haben sich bereits einige Erst- und Zeitligisten gemeldet. Sie wollen wissen, was die Fans denken - und gemeinsame Lösungen erarbeiten.

Zwar kann die UNESCO mit der Ernennung der Fankultur zum Weltkulturerbe nicht unmittelbar helfen, aber zumindest zum Umdenken anregen. Der Titel würde eine gewisse Aufwertung bedeuten, "vor allem symbolisch", sagt Prechtl. Ob die Fankultur tatsächlich von der UNESCO als schützenswert angesehen wird, bleibt abzuwarten. Spätestens in fünf Jahren könnten der Stadionbesuch und die dazugehörige Bratwurst aber offiziell zur kulturellen Tradition zählen.

Mit Informationen von Simon Wenzel

Kommentar

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2 Kommentare

  1. 2.

    Wenn ein Viertel der Brote als ungenießbar weggeworfen würden und wenn sich ein Viertel der Teilnehmenden an der friesische Teezeremonie sich den Tee ins Gesicht kippen würden, hätte auch die Fankultur im Fußball das Recht erlangt, zum Weltkulturerbe zu gehören.

    Weil aber bei den angeführten Beispielen die Exzesse eher im Promillebereich stattfinden, beim Fußball im zweistelligen Prozentbereich, kann ich mit dem Welterbevorschlag nicht im Geringsten etwas anfangen.

    Insofern stimme ich mit Ihnen da überein.

  2. 1.

    Werden das Entzünden von Feuerwerk, das aggressive Pöbeln und Grölen im Bahnverkehr, die massiven Sachbeschädigungen ebendort sowie das wechselseitige Verprügeln vom Weltkulturerbestatus explizit ausgenommen, dazugezählt oder geflissentlich ignoriert?

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