Günter Trotz und seine Trompete bei einem Volleys Heimspiel in der Max-Schmeling-Halle
Video: rbb UM6 | 13.11.2017 | Jörg Hellwig | Bild: rbb

Günther Trotz ist ältester Fan der BR Volleys - Volleyball ist sein Leben

Wer ein Heimspiel der Volleys in der Berliner Max-Schmeling-Halle besucht, wird schnell gepackt, von der Kulisse, von den mitfiebernden Fans und dem ohrenbetäubenden Lärm. Im Gegensatz zu den meist jugendlichen Fußballfans gibt bei den Volleys ein 75-Jähriger den Ton an.

Fanaufgang, Reihe 3, der erste Platz direkt an der Treppe – das ist sein Platz. Hier sitzt Günther Trotz bei jedem Heimspiel. Naja, eigentlich steht er fast immer, seine goldene Tröte fest mit beiden Händen umschlossen, den Blick pausenlos auf das Spielfeld gerichtet. Der Rentner schreit, trötet und manchmal steht er auch minutenlang absprungbereit auf der Treppe. Günther Trotz fiebert mit dem Team in Orange wie kaum ein Zweiter und leidet bei jedem Ballverlust. Die Max-Schmeling-Halle ist sein Revier. Jemals ein Heimspiel seiner geliebten Volleys zu verpassen, dass kann sich der 75-jährige nicht vorstellen: "Also, da muss ich tot umfallen. Ja, anders geht’s gar nicht. Beim Heimspiel muss ich immer dabei sein."

"Da hab ich mir einen Hammer geben lassen"

Als junger Mann war Günther Trotz selbst Leistungssportler, damals aber noch auf der Tartanbahn zu Hause. Der Ost-Berliner wurde DDR-Vizemeister über 800 Meter und arbeitete danach acht Jahre lang als Generalsekretär des DDR-Volleyball-Verbandes. 1983 gewann er mit der DDR-Nationalmannschaft der Frauen den Europameistertitel und nahm mit dem Team 1980 an den Olympischen Spielen in Moskau teil.

Günther Trotz sitzt heute noch gerne zu Hause in seiner Küche und schwelgt beim Anblick alter Fotos in Erinnerungen: "Bei den Olympischen Spielen 1980 war ich im Stadion als Waldemar Cierpinski Olympiasieger geworden ist. Unsere Mannschaft hatte damals einen Tag spielfrei und da haben wir uns den Sieg ansehen können, das sind schon Erlebnisse. Oder hier, schauen Sie mal: die Bilder vom Einmarsch zu den Olympischen Spielen. Wer hat das schon erlebt".

Dem Volleyball lange verbunden

Günther Trotz ist ein Stück gelebte deutsche Sportgeschichte. Nach der Wende übernahm der Ost-Berliner die Geschäftsführung der Volleyball-Abteilung des SC Charlottenburg. Als "Mädchen für alles" hat er sich 16 Jahre lang um die großen und kleinen Dinge im Club gekümmert.

Seinen kuriosesten Moment erlebte Trotz im Finalspiel der Deutschen Meisterschaft 2003: Mitten im Spiel schwebte plötzlich langsam, aber unaufhaltsam ein Lautsprecher von der Hallendecke und zerstörte das Spielnetz. Das Finale gegen Friedrichshafen musste unterbrochen werden. Laut Reglement hätte das Spiel nach 15-minütiger Pause abgebrochen werden müssen. Der Traum vom Titel für Gastgeber Berlin wäre futsch gewesen. Doch Geschäftsführer Trotz bewies auch in diesem entscheidenden Moment echte Macher-Qualitäten: "Da bin ich los, hab  mir einen Hammer geben lassen vom Hallenwart. Nach 13 Minuten stand die Anlage und wir haben weitergespielt und sind zum ersten Mal Deutscher Meister in eigener Halle geworden."

Team der BR Volley feiert Meistertitel
Meisterfeier der BR Volleys, Quelle: Imago | Bild: imago sportfotodienst / Sebastian Wells

Volleyball-Rente mit 67 Jahren

Trotz hat für den Verein fast alles gemacht, hat Programmhefte gestaltet, Fahrten zu Auswärtsspielen organisiert und wenn Not am Mann war, saß er auch schon mal selbst im Kassenhäuschen. Im Alter von 67 Jahren ist Trost dann in Volleyball-Rente gegangen, doch Fan ist er geblieben. Gemeinsam mit seiner Frau Ingrid besucht er noch immer jedes Heimspiel, organisiert auch jetzt noch Auswärtsfahrten für die Anhänger der BR Volleys.  Und wenn besonders wichtige Spiele anstehen, sitzt der Rentner auch selbst mit Bus, egal, ob die Fahrten dann fünf oder acht Stunden dauern. Trotz gibt alles für den Volleyballsport und seine BR Volleys.

Orange ist sein Trikot, der Fanclub "7. Mann"  und die Max-Schmeling-Halle sind sein zweites Zuhause. In der dritten Reihe, auf dem ersten Sitz direkt an der Treppe - genau hier würde der Mann mit der goldenen Tröte mit den BR Volleys 2018 am liebsten wieder sitzend oder stehend und auf jeden Fall lautstark die Deutsche Meisterschaft feiern.

Sendung: Sport in rbbum6, 13.11.2017, 18:00 Uhr

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1 Kommentar

  1. 1.

    Habe Günter 1969 in Berlin kennengelernt, auch damals war er schon umtriebig und ein Macher wie er im Buche steht. Was jedoch hervorstach, überall wo er war, da wurde gescherzt und gelacht, wurden allerlei Späße gemacht. Günter, wir wünschen Dir noch viele schöne, gesunde Jahre mit dem Sport und in Deiner Familie! LG E. Otto

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