Claudia Pechstein zeigt Daumen hoch (Imago: Sven Simon)
Video: rbb um sechs | 19.11.2017 | Jonas Schützeberg | Bild: imago sportfotodienst/Wukits

Interview | Claudia Pechstein über 7. Olympia - "Die deutsche Fahne reintragen wäre natürlich ein Ziel"

Eisschnellläuferin Claudia Pechstein hat in Stavanger ihren 33. Weltcupsieg eingefahren und damit das Olympia-Ticket gelöst. Jonas Schützeberg hat sie nach dem Triumph in Berlin empfangen und mit der 45-jährigen über ihren olympischen Traum gesprochen.

rbb: Frau Pechstein, eben noch auf norwegischem Eis in für die Olympischen Spiele qualifiziert, jetzt schon wieder Berliner Boden unter den Füßen. Wie groß ist die Erleichterung nach dem Lauf?

Claudia Pechstein: Ja, das ist einfach Wahnsinn. Ich bin immer noch geflasht. Ich habe mir selbst zwar viel zugetraut, aber dass ich den Weltcupsieg geholt habe, das ist einfach der Wahnsinn. Mir fehlen ein bisschen die Worte. Ich bin ein super Rennen gelaufen und hab versucht meine Runden, die ich mir vorher vorgenommen hatte, auch umzusetzen. Alle unter dreiunddreißig, solange es geht. Und ja, es ging bis auf drei Runden auch sehr gut. Die letzte Runde habe ich dann auch nochmal ein bisschen drücken können und dadurch Ivanie Blondin auf Platz 2 sozusagen abservieren dürfen.

Was war der erste Gedanke als Sie über die Ziellinie gegangen sind?

Pechstein: Ich war mit mir selbst zufrieden. Ich war im Paar 3 und da folgten noch drei Paare. Deswegen hatte ich zu dem Zeitpunkt schon die Olympianorm, das war das vorrangige Ziel. Unter sieben Minuten, das ist eine super Zeit und zu dem Zeitpunkt auch Bahnrekord. Und jetzt sitze ich hier und hab den immer noch.

Es gibt eine typische Pechstein-Geste, wenn Sie über die Ziellinie fahren: Mit dem Trainer abklatschen, dann geht der Zeigefinger vor den Mund. Was bedeutet das?

Pechstein: Allen Kritikern und Neidern, vor allem gegenüber der ISU (Red., Internationale Eislauf Union), heißt das, ich werde weiterkämpfen, ich werde nicht aufgeben in meinem Kampf gegen die ISU. Ich bin mittlerweile im neunten Jahr! Ich weiß, dass ich niemals gedopt habe und keinen Fehler gemacht habe und die Gerechtigkeit siegen wird.

Sie haben sich national für die Olympischen Spiele qualifiziert. Es werden die siebten sein. Mit was für einem Gefühl gehen Sie nach Südkorea und was möchten Sie dort erreichen?

Pechstein: Im Moment genieße ich erstmal den Weltcupsieg und bin sehr froh und stolz, dass ich in meinem hohen Alter von 45 Jahren wieder einen Weltcupsieg holen konnte. Ich glaube, das ist einmalig und das ist es, was gerade in mir ruht. Olympia ist im Februar in dem Monat, in dem ich geboren wurde, und da bin ich bekanntlich auch ganz gut.

Sie haben eigentlich alles erreicht als Sportlerin. Sie sind Olympiasiegerin, die erfolgreichste deutsche Winter-Olympionikin. Es gibt aber eine kleine Sache, die vielleicht noch in der Laufbahn fehlen könnte. Stichwort: deutsche Fahne. Wäre das nochmal ein Ziel für die Spiele?

Pechstein: Die deutsche Fahne reintragen, wäre natürlich ein Ziel. Das ist ganz klar. Das ist etwas, was ein Sportler doch mal erleben möchte. Ich bin schon mehrfach ins Olympiastadion eingelaufen. Aber mit der Fahne, das wäre schon der absolute i-Punkt obendrauf. Es liegt nicht in meiner Hand, aber ich würde mich freuen, wenn ich das machen dürfte.  

Ein paar Weltcuprennen stehen jetzt noch an bis zu den Spielen. Die 5000 Meter, ihre Paradestrecke, wird aber nur einmal gelaufen. Wie schwer ist es, wenn es nur ein einziges Rennen gibt, wo man die Leistung zeigen kann?

Pechstein: Ich habe die Chance auf den Punkt genutzt, mich auf diese Strecke fokussiert und mit dem 1. Platz im Weltcup die Olympianorm erreicht. Der Focus liegt auf den 5000 Meter, die glaube ich am 16. Februar 2018 sein werden. Alles andere, was jetzt dazwischen kommt, ist gutes Training. Jeden Massenstart, jede 3000 Meter, jedes Teamrennen werde ich mitnehmen und dort immer trotzdem den Fokus im Kopf auf den 5000 Metern haben.

Letzte Frage: Älteste Weltcup-Siegerin aller Zeiten, darf jetzt noch ein bisschen gefeiert werden?

Pechstein: Ja, natürlich. Ich durfte im Privatjet nach Berlin zurückfliegen, was mir ein Sponsor ermöglicht hat. Das ist einfach Wahnsinn gewesen, mal unabhängig nach Hause zu fliegen, ohne dass man kontrolliert wird - gleich rein in den Flieger und ab. Aber ich möchte auch nochmal der Bundespolizei ganz vielen Dank sagen, die mir den Weg geebnet hat, dass ich überhaupt so viel Freiraum für das Training habe und mich konzentrieren kann auf die Leistungen. Und danke meinem Mentaltrainer Matthias, der mir immer den Rücken freihält. Ohne die wäre das nicht möglich. Natürlich sind solche Superzeiten auch nicht möglich ohne Superschliff und die Leute von F&F Lasertechnik. Mein Manager, ja – ich könnte noch eine Weile weiterreden. Ganz, ganz vielen Dank an alle Unterstützer und alle Freunde!

Vielen Dank und alles Gute auf ihrer ganz persönlichen Road to Pyeongchang!

Sendung: rbb um 6, 20.11.2017, 18 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

2 Kommentare

  1. 2.

    Hut ab vor dieser Sportlerin, da kann man nur gratulieren.
    Schade dass Herr Schützenberg das Interview nicht in Deutsch beenden konnte.

  2. 1.

    Na toll, son Dopingspritzer vertritt uns. Na da kann man ja stolz sein.

Das könnte Sie auch interessieren