Blick auf die bisherigen Übungsplätze des Union-Nachwuchses in Köpenick (Quelle: Imago / Matthias Koch)
Video: rbbum6 | 17.11.2017 | Martin Zimmermann | Bild: imago sportfotodienst

Union-Nachwuchsleistungszentrum - Baupläne der Schlosserjungs sorgen für Ärger

Ein Internat für eiserne Nachwuchstalente, dazu je zwei Fußballplätze mit Natur- und Kunstrasen: Union hat große Pläne für sein Nachwuchsleistungszentrum. Im März 2018 soll der Bau am Bruno-Bürgel-Weg starten. Die umliegenden Vereine haben jedoch Bedenken.  Von Stephanie Baczyk

Uwe Spalteholz ist aufgebracht. Der Mann mit den kurzen, braunen Haaren und der markanten Brille mit dem schwarzen Rand gestikuliert, während er spricht - jedenfalls ein bisschen. Aber es ist seine Stimme, die ihn verrät. Genau genommen seine Enttäuschung. Spalteholz ist der 1. Vorsitzende des SSV Köpenick-Oberspree. Das ist der Verein, auf dessen Gelände in vier Jahren das neue Amateurstadion des 1. FC Union entstehen könnte.

"Der Abschnitt ist geplant nach dem Ende der ersten Bauphase. Die ist angesetzt für 2021. Und zufälligerweise läuft unser Pachtvertrag 2021 aus", sagt er und seine Stimme zittert. "Die vorzeitige Verlängerung wurde abgelehnt und wer sich ein bisschen in dem Metier auskennt, der weiß, was das eventuell bedeutet." Was Spalteholz befürchtet: Sein Verein könnte den liebgewonnnen Standort verlieren.

"Verstehe, dass die Vereine Sorgen haben!"

Vor dem Sportausschuss sollte am Freitagmittag eigentlich nur der erste Bauabschnitt des neuen Unioner Nachwuchsleistungszentrums - erster Spatenstich 2018 - thematisiert und beschlossen werden. Eigentlich. Denn im Laufe der Diskussion wird klar: Die Kommunikation mit den ansässigen Klubs, unter anderem dem SSV Köpenick-Oberspree, hätte besser laufen können.

Einige Klubs haben aus der Zeitung von den Plänen der Eisernen erfahren. Das allerdings hätte nicht passieren dürfen, räumt Unions Präsident Dirk Zingler ein. "Dass die Vereine dann Sorgen haben, das verstehe ich total", sagt er. "Dass sie sich wehren, das verstehe ich auch. Und das ist jetzt der allererste Lösungsansatz: die Sorgen ernst zu nehmen und dann einen gemeinsamen Ansatz finden."

Ein Internat und vier Fußballplätze

Sechs lange Jahre hat der 1. FC Union nach einem geeigneten Gelände gesucht und ist am Ende im Bruno-Bürgel-Weg in Berlin-Niederschöneweide fündig geworden. Zwar ist es nicht ganz der Wunschstandort, aber einer mit Potential. "Ich bin überzeugt, dass in drei, vier, fünf Jahren alle glücklich sind, dass dort 15 bis 20 Millionen Euro investiert werden, weil sich für alle die Bedingungen verändern", gibt sich Zingler optimistisch. Das Land Berlin steht hinter dem Vorhaben, hat finanzielle Unterstützung zugesagt.

Ein Internat für eiserne Nachwuchstalente, dazu je zwei Fußballplätze mit Natur- und Kunstrasen: Der 1. FC Union hat für sein Nachwuchsleistungszentrum große Pläne. Auch will der Verein für die Frauen- und Mädchenabteilung eine neue Heimat schaffen. Für die Verantwortlichen des SSV Köpenick-Oberspree ist all dies auch nachvollziehbar. Dem kleinen Amateurverein aber bereitet Teil zwei des Vorhabens Kopfzerbrechen.

"Wir sind an der Grenze unserer Kapazitäten!"

Denn es könnte darauf hinauslaufen, dass die Eisernen ihr geplantes Amateurstadion auf das Areal des SSV setzen. Und dass der 500 Mitglieder starke Verein dann noch genügend Platz für alle seine 17 Mannschaften hat, bezweifelt Uwe Spalteholz. "Es ist unmöglich, so viele Mannschaften dort trainieren und spielen zu lassen", sagt er. "Mit der Auslastung des Kunstrasen- und des Naturrasenplatzes sind wir schon an der Grenze unserer Kapazitäten angelangt."

Es sieht also alles nach einem ungewollten Umzug des kleinen Amateurklubs aus. "Beispielsweise an die Straße 'An der Wuhlheide'", schlägt Innensenator Andreas Geisel vor, betont aber auch: "Da befinden wir uns im Gespräch mit dem Bezirksamt. Es wird keine Lösungen gegen die bestehenden Vereine geben." Es gibt also noch sehr viel Gesprächsbedarf. Die Vermittlung zwischen den einzelnen Parteien soll dabei nun das Bezirksamt Treptow-Köpenick übernehmen.

Beitrag von Stephanie Baczyk

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