Lutz Munack ist Geschäftsführer Sport beim 1. FC Union Berlin(Quelle: rbb)
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Interview | Union-Geschäftsführer Lutz Munack zur Keller-Entlassung - "Wir haben eine klare sportliche Linie nicht erreicht"

Die Entlassung von Union-Trainer Jens Keller kam für viele überraschend. Für Lutz Munack, Geschäftsführer Sport, war sie dennoch folgerichtig. Was dazu geführt hat und warum André Hofschneider der richtige Nachfolger ist, hat er Stephanie Baczyk im Interview verraten.

rbb|24: Warum wurde Jens Keller trotz Platz vier in der Liga entlassen?

Wir haben uns aufgrund der sportlichen Entwicklung dazu entschieden. Wir haben trotz aller Investitionen eine klare sportliche Linie nicht erreicht. Ich möchte Jens Keller und Henrik Pedersen trotzdem an dieser Stelle danken.

Wann ist die Entscheidung für die Entlassung gefallen?

Wir haben die Situation schon vorher bewertet und es am Morgen entschieden. Wir hatten am Montag sehr emotionale Momente. Er hat das Gespräch abgebrochen, daher hat es nur 20 Sekunden gedauert. Von meiner Seite aus gab es ein Gesprächsangebot.  

Hätte man Jens Keller nicht mehr Zeit geben können?

Wir hatten zum zweiten Mal in dieser Saison eine Phase, in der wir keinen sportlichen Halt gefunden haben. Die Ergebnisse, die wir erzielt haben, sind eine Folge der Dinge, die auf dem Platz nicht so sind, wie wir glauben. Auch Jens Keller hat das geglaubt.  

Bei vielen Fans hat die Entscheidung Unverständnis hinterlassen. Der 1. FC Union Berlin positioniert sich ja so, dass man anders ist als andere Vereine, Stichwort Familie. War die Entscheidung trotzdem „unionlike“?

Ich schätze die Werte des Vereins sehr. Dennoch ist die erste Mannschaft in einem leistungssportlichen Geschäft. Wir stellen uns dem Wettbewerb und haben Leistung abzuliefern. Wir müssen auf alle Dinge, die dieser Wettbewerb bietet, Rücksicht nehmen und für uns die beste Entscheidung treffen. Das Thema Familie ist ein Wert, den der Verein verkörpert. Den Fans gebührt aller Respekt und die logische Umkehr ist, dass wir die Pflicht haben, dafür zu sorgen, dass die Mannschaft immer die maximale Leistung abruft.

Verstehen Sie den Unmut der Fans?

Ich verstehe, dass es einen Moment der Überraschung gab. Ich verstehe auch, dass die Konsequenz, mit der wir das vollzogen haben, für viele überraschend ist. Es gibt natürlich immer ein Außen- und ein Innenbild. Ich denke, das ist bei Union üblich, aber auch gesund.

Inwiefern hat ein gewisses Zerwürfnis zwischen Trainer und Mannschaft eine Rolle bei der Entscheidung gespielt?

Es gibt zwei Dinge: das normale Tagesgeschäft, in dem Emotionen freiwerden und die Entscheidung anhand fachlicher Dinge. Die Mannschaft und der Trainer hatten kein Zerwürfnis. Jens Keller hatte am Montag auch die Möglichkeit, sich von der Mannschaft zu verabschieden.

Welche Rolle hat das angebliche Angebot vom 1. FC Köln gespielt?

Das Angebot ging ja wenn dann an Jens Keller und nicht an uns.

Der neue Trainer André Hofschneider kennt den Verein gut. Warum ist er der Richtige für das Ziel Bundesliga?

Er ist auf jeden Fall der Richtige, um alle Chancen für das Ziel Bundesliga aufrecht zu erhalten. Dass wir sportlich scheitern können an diesem Ziel, ist auch normal und uns bewusst. Ich glaube, André Hofschneider ist jemand, der den Verein und den Kader kennt und der zum jetzigen Zeitpunkt den Funken Mentalität einbringt, der uns deutlich fehlt.

Die Mannschaft soll laut Jens Keller geschockt auf die Entscheidung reagiert haben. Haben Sie nicht Angst, dass sie im nächsten Spiel in einer Schockstarre sein könnte?

Nein, habe ich nicht. Am Montag gab es emotionale Momente, was für die Zusammenarbeit zwischen Mannschaft und Trainer spricht. Unabhängig davon ist es wichtig, dass die Mannschaft weiß, was das Ziel ist. Ich glaube, wir sind für Samstag sehr gut aufgestellt. Unser Fokus liegt auf dem Spiel gegen Dresden.

Sendung: rbb UM6, 6.12.2017, 18 Uhr

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