Andre Hofschneider (Quelle: imago/Deutzmann)
Bild: imgo/Deutzmann

Unions erster Auftritt nach der Keller-Entlassung - Dresden als Gradmesser

Nicht mal eine Woche hat Unions neuer Coach André Hofschneider mit der Mannschaft arbeiten können, gegen Dynamo Dresden ist ein Sieg dennoch Pflicht - ausgerechnet. Denn bei den Sachsen sitzt Hofschneiders alter Weggefährte auf der Bank. Von Stephanie Baczyk

Für einen Moment scheint es, als sei der Geist von Jens Keller noch an der Alten Försterei. Vor dem Presseraum im Inneren des Stadions wartet der neue Coach des 1. FC Union, André Hofschneider - bereit für seine erste Pressekonferenz vor den Berliner Journalisten. Drinnen offenbart die große Monitorwand, vor der sich der 47-Jährige gleich positionieren soll, einige Mängel. Immer wieder ploppt der Name des Anfang der Woche frisch entlassenen Jens Keller auf. Irgendwie bezeichnend.

"Mit Druck hatte ich nie Probleme!"

Denn auch, wenn die Spieler und der neue Trainer zwangsläufig nach vorne schauen und sich auf das wichtige Heimspiel gegen Dresden fokussieren – die Personalie Keller dürfte noch einige Zeit bei den Eisernen herumgeistern. Sei es nur beim Blick auf die sportliche Bilanz. Der Ex-Trainer übergibt Union an den neuen Mann an der Seitenlinie auf Platz vier der Zweiten Liga, mit Tuchfühlung zur Tabellenspitze. "Mit Druck habe ich noch nie ein großes Problem gehabt", sagt André Hofschneider. "Diese Situation ist so gekommen und man muss damit irgendwo professionell umgehen. Wir sind nicht in einem Wunschkonzert."

Für Hofschneider ist es die zweite Amtszeit als Coach der Köpenicker – von März bis Ende Mai 2016 hat er erfolgreich den Interimstrainer gegeben, als Nachfolger des damals an Burn-Out erkrankten Sascha Lewandowski. Jetzt, anderthalb Jahre später, tritt der gebürtige Berliner also wieder an. Dieses Mal mit der A-Lizenz im Gepäck. "Ich habe natürlich gesagt: Ich habe ab jetzt eine andere Lizenzmarke, also bitte siezen", berichtet er von dem ersten Aufeinandertreffen mit dem Profikader und lacht. 

Nach drei Spielen ohne Sieg sollen drei Punkte her

Viel Zeit, spielerisch etwas zu verändern, bleibt dem 47-Jährigen allerdings nicht vor seinem ersten Auftritt als Cheftrainer – bereits am Samstag steht das wichtige Heimspiel gegen Dynamo Dresden an. Verlieren ist hier aus Unioner Sicht verboten. "Er hat uns drauf eingestellt, dass das ein Derby ist. Das ist erst mal das Allerwichtigste", betont Mittelfeldspieler Akaki Gogia. "Und dass sich jeder in das Spiel reinbeißen muss."

Die Duelle gegen die Sachsen sind aus Unioner Sicht immer besonders – das gilt auch für Gogia. Der 25-Jährige hat in der vergangenen Spielzeit noch das Dresden-Trikot übergestreift, darin zehn Treffer erzielt. "Ich habe ein tolles Jahr dort gehabt, aber die drei Punkte wollen wir hier behalten", sagt er mit einem Augenzwinkern und kündigt mit Blick auf seinen Ex-Verein an: "Ich werde den Jungs schon ein paar Tipps geben, wie sie spielen wollen." Und die sind auch bitter nötig, denn der 1. FC Union wartet seit drei Ligaspielen auf einen Sieg.

"Ich hoffe, Uwe Neuhaus wird nach dem Spiel schlechte Laune haben!"

Aber nicht nur Gogia, auch Andrè Hofschneider wird am Samstag mit seiner Vergangenheit konfrontiert – und die heißt Uwe Neuhaus. Unter ihm war Hofschneider jahrelang Co-Trainer beim 1. FC Union. "Wir haben schon regelmäßig Kontakt und klar gab es diese Woche auch ein Telefonat", sagt der Coach der Eisernen. "Wir haben uns beide alles Gute gewünscht. Ich weiß nicht, ob er es ganz so gemeint hat. Ich glaube auch, dass er hier einen sehr herzlichen Empfang bekommen wird, aber nach dem Spiel wird er hoffentlich schlechtere Laune haben als vorher."

Für Hofschneider, der personell auf die Langzeitverletzten Fabian Schönheim, Michael Parensen und Kenny Prince Redondo verzichten muss, endet mit dem Spiel gegen Dresden inklusive Auslaufen am darauffolgenden Tag eine turbulente Woche. Die Zeit, das Geschehene wirklich sacken zu lassen, hat er nämlich noch nicht gehabt. "Es gab wirklich keine Momente. Außer dass du abends dann auch dankbar warst, dass du so müde warst, dass du eingeschlafen bist."

Sendung: rbb Aktuell, 07.12.2017, 21.45 Uhr

Beitrag von Stephanie Baczyk

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