Unions neuer Cheftrainer André Hofschneider steht inmitten seiner Spieler während des Training und blickt gedankenverloren zur Seite
imago sportfotodienst
Bild: imago sportfotodienst

Unions erstes Training nach Keller-Entlassung - Um Normalität bemüht

Nach der Entlassung von Union-Erfolgstrainer Keller hat dessen Nachfolger André Hofschneider am Mittwoch zur ersten Trainingseinheit gebeten. Viele Fans kamen, neugierig ob der Neuausrichtung der Eisernen. Die Spieler sind derweil um Normalität bemüht.Von Stephanie Baczyk

Sein Markenzeichen ist noch dasselbe. André Hofschneider, Unions neuer Coach betritt den Trainingsplatz an der Alten Försterei am Mittwochnachmittag in kurzen Hosen, unter den neugierigen Blicken zahlreicher Fans. Die kurze Trainingsbuxe sieht das Gelände nicht zum ersten Mal. Der 47-Jährige hat sie zuletzt vor anderthalb Jahren zur Schau getragen - damals als Interims-Trainer des 1. FC Union. Bis Jens Keller jenes Amt übernommen hat. Und dass Keller seit Wochenbeginn nun nicht mehr Trainer der Eisernen ist, das sorgt nach wie vor für Diskussionen.

"Vor dem Training hat er es verkündet, wir waren alle überrascht", schildert Kapitän Felix Kroos die Situation. "Keiner hat damit gerechnet, es war schwer da erst mal etwas zu sagen. Da ist man schon ein Stück weit sprachlos gewesen." Dass der Rausschmiss des gebürtigen Stuttgarters nicht nur den Coach selbst, sondern auch die Mannschaft kalt erwischt hat, das wird in Gesprächen immer deutlicher. "Was zu sagen ist: Dass wir als Team gerne mit dem Trainer weitergearbeitet hätten", stellt beispielsweise Abwehrchef Toni Leistner klar. "Aber der Verein hat eben so entschieden und der Verein wird seine Gründe haben."

Keine Spannungen zwischen Trainer und Spielern

Und die beziehen sich rein aufs Sportliche. "Wir hatten zum zweiten Mal in dieser Saison eine Phase, in der wir keinen sportlichen Halt gefunden haben", sagt der Geschäftsführer Sport, Lutz Munack. "Die Ergebnisse, die wir erzielt haben, sind eine Folge aus den Dingen, die auf dem Platz letztendlich nicht so sind, wie wir alle glaubten." Heißt im Klartext: Die Verantwortlichen haben gehandelt, weil sie fürchteten den Aufstieg erneut zu verpassen. "Ich verstehe, dass es einen Moment der Überraschung gab", so Munack. "Ich verstehe auch, dass die Konsequenz mit der wir es vollzogen haben, für viele überraschend ist, weil es auch immer ein Außen- und Innenbild gibt in den Dingen."

Dass das Innenbild - was das Verhältnis zwischen Jens Keller und der Mannschaft betrifft - intakt gewesen ist, das betont nicht nur Munack. Auch Keller selbst verneint mögliche Spannungen zwischen ihm und seinen Profis, die die Entlassung hätten begünstigen können. "Wir haben auf eine sehr menschliche, respektvolle Art zusammengearbeitet", sagt der 47-Jährige im Nachhinein. "Ich glaube, da wird nicht viel Negatives kommen, auch wenn es bei einem Kader von 23 Mann auch Spieler gibt, die mal unzufrieden sind."

Leistner: "Haben zuletzt nicht unsere Leistung gebracht!"

Der Fußball, das werde an diesem Beispiel mal wieder deutlich, sei ein Tagesgeschäft, sagt Felix Kroos. Und zu diesem gehöre auch, weiterzumachen. "Ja, da steht jetzt ein neuer Trainer vor uns", fasst der 26-Jährige die Situation norddeutsch-nüchtern zusammen. "Aber die Stimmung in der Mannschaft war vorher gut und sie ist es jetzt auch. Wir haben einen guten Zusammenhalt und das wird auch so bleiben." Die Konzentration gilt jetzt voll und ganz dem Heimspiel gegen Dynamo Dresden am Samstag. "Ob jetzt mit dem neuen oder dem alten Trainer, wir als Mannschaft müssen unsere Leistung bringen", stellt Toni Leistner klar. "Das haben wir die letzten Wochen nicht."

André Hofschneider selbst soll erst auf der Spieltags-Pressekonferenz vor den Journalisten sprechen. "Er hat eine klare Idee von Fußball, die wird er schnell vermitteln", beschreibt Kroos den Mann, der fußballerisch beim 1. FC Union groß geworden ist. Fakt ist: Die Führungsriege ist davon überzeugt, mit Hofschneider das große Ziel Bundesliga erreichen zu können, und hat ihn nicht als Interims- sondern als Cheftrainer angestellt. "Dass werden wir nach der Saison sagen können, ob er ein Aufstiegstrainer ist", sagt Toni Leistner und schmunzelt. "Er hat erst mal klare Worte gefunden, wie er sich das vorstellt. Und zwar von Spiel zu Spiel zu denken." Aus Unioner Sicht momentan die beste Lösung - auf der Suche nach der Normalität.

Sendung: rbb UM6, 06.12.17, 18.00 Uhr

Beitrag von Stephanie Baczyk

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereKommentar-Regeln und Hilfe zu Kommentaren zum Kommentieren von Beiträgen.

Das könnte Sie auch interessieren

Sänger Ronny Rothe singt in Johannisthal vor Fans. (Quelle: Imago/Matthias Koch)
imago sportfotodienst

Der singende Stadionsprecher - Schlager in der Landesliga

Ein Heimspiel vom Landesligisten SG Sportfreunde Johannisthal ist immer eine Reise wert. Der singende Stadionsprecher Ronny Rothé schmettert Schlager ins weite Rund - und wird von den eigenen Fans gefeiert. Von Robin Krempkow