Herthas Vedad Ibisevic im Training, mit Wintermütze (Quelle: imago: M. Popow)
Audio: Inforadio | 10.01.2018 | Astrid Kretschmer | Bild: imago sportfotodienst

Hertha-Kapitän nicht erste Wahl - Vedad Ibisevic muss sich hinten anstellen

Vor dem Rückrundenstart hat Herthas Kapitän einen schweren Stand. Der Mittelstürmer hat seinen Platz in der Startelf an den elf Jahre jüngeren Davie Selke verloren. Ibisevic gibt sich -  noch - gelassen und mannschaftsdienlich. 

Der "Vedator" trägt eine wärmende Mütze. Herthas Kapitän und Torjäger mit dem martialischen Spitznamen setzt vor versammelter Presserunde auf kuschelige Kopfbedeckung. Warm anziehen muss Vedad Ibisevic sich aber nicht. Dafür hat Herthas Spielführer schon zu viele Tore geschossen, zu viel erlebt. Dass er vorerst nicht in der Startelf steht, bringt ihn nicht aus der Ruhe. Mit seinen 33 Jahren habe er einiges über das Profi-Geschäft gelernt, sagte Ibisevic. Er wolle die Mannschaft und seinen Sturm-Kontrahenten Davie Selke so gut es geht unterstützen.

Tor-Flaute zu Saisonbeginn, starker November

Vor zweieinhalb Jahren war der Top-Torjäger Ibisevic ablösefrei vom VfB Stuttgart zu Hertha gewechselt, in den ersten beiden Spielzeiten traf er zehn beziehungsweise zwölf Mal – starke Werte. Weil Ibisevic auf dem Platz ein Antreiber, ein Lautsprecher ist, hat Trainer Dardai den Bosnier nach einem Jahr zum Mannschaftskapitän gemacht. Die aktuelle, dritte Saison begann allerdings holprig für Ibisevic: 900 Minuten blieb der Stürmer ohne Torerfolg. Das laute, öffentliche Mitzählen nervte ihn spürbar. Der erste Bundesligatreffer kam erst Anfang November.

Im Spätherbst profitierte Ibisevic dann kurzzeitig von der taktischen Umstellung. In der Doppelspitze, zumeist mit dem jetzigen Kontrahenten Selke, gelangen ihm in drei Spielen insgesamt vier Treffer. In den letzten beiden Hinrundenspielen setzte Dardai dann aber nach ausbleibenden Erfolgen nur noch auf einen Stürmer: Auf Davie Selke. Beide Spiele gewannen die Berliner.

Herhas Stürmer Vedad Ibisevic und Davie Selke nach dem 3:2-Sieg in Leipzig (Quelle: imago / Huebner)
Der Alte und der Neue: Vedad Ibisevic (li.) und sein treffsicherer Nachfolger Davie Selke (re.) | Bild: imago sportfotodienst

Davie Selke: Ein Ibisevic in jung

Dass Davie Selke Ibisevic eines Tages beerben soll, ist kein Geheimnis. Beide sind klassische Mittelstürmer mit ähnlicher Statur, beide um die 1,90. Selke hat zusätzlich zum Torinstinkt noch die Schnelligkeit, die im modernen Fußball wichtig ist. Für dieses Gesamtpaket hat Hertha vor der Saison acht Millionen Euro an RB Leipzig gezahlt. Nie gaben die Berliner mehr Geld für einen Spieler aus. Der Transfer hat sich schon bezahlt gemacht. Es scheint so, als habe der neue Ibisevic den alten bereits überholt. Weil Hertha aus dem DFB-Pokal und der Europa League ausgeschieden ist, gibt es in der Rückrunde deutlich weniger Spiele (17 statt 25 in der Hinrunde) - und für Ibisevic weniger Gelegenheiten, sich zu beweisen. 

Ibisevic: Gelassen auf die Chance warten

Wie schnell der Weg aus der zweiten Reihe in den Mittelpunkt sein kann, hat allerdings Ibisevics torreicher November gezeigt. Nach mehr als 400 Spielen als Profi weiß der Routinier um diese Tatsache und stellt sich gelassen hinten an. In Berlin hat er noch einen Vertrag bis zum Sommer 2019. Entspannt sieht Ibisevic auch sein Image als "Bad Boy", das er offensichtlich bei den Schiedsrichtern hat. Die gefühlte Regel lautet: Kommt es zu einem Zweikampf, an dem Ibisevic beteiligt ist, pfeift der Schiri für den Gegner. Aus dieser Schublade komme er schwer wieder raus. Allein in seinen zweieinhalb Jahren bei Hertha hat Ibisevic 19 gelbe Karten gesehen, dazu drei Platzverweise. 

Der Heißsporn mit der Mütze wartet ab. Seine Chance wird kommen. Vielleicht schon als Einwechselspieler im ersten Rückrundenspiel. Denn der Gegner ist Ibisevics Ex-Verein, der VfB Stuttgart. In Stuttgart wollte man den einstigen Großverdiener unbedingt loswerden. Eine Extra-Portion Motivation für Herthas Kapitän.

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