Die Fans des SV Babelsberg 03 schwenken die Fahnen beim Heimspiel
Bild: imago sportfotodienst

Strafzahlung nach Skandalspiel - SV Babelsberg will Ultimatum der Regionalliga Nordost ignorieren

Vermummte Fans, Pyrotechnik, Hitlergrüße - wegen diverser Fan-Ausfälle im Spiel gegen den SV Babelsberg wurde Energie Cottbus eine hohe Geldstrafe aufgebrummt. Doch auch die Babelsberger sollen zahlen und weigern sich. Der Verband droht mit Spielausschluss. Von Stephanie Baczyk

Im Karl-Liebknecht-Stadion im Potsdamer Stadtteil Babelsberg wird es am Freitagabend laut werden. Soweit, so gewöhnlich - schließlich hat der SV Babelsberg 03 ein Heimspiel. Die BSG Chemie Leipzig wird zu Gast sein. Regionalliga-Fußball unter Flutlicht. Die Rufe und Gesänge der Fans dürften sich dann allerdings weniger mit dem Spiel beschäftigen. Der Verein stellt sich darauf ein, dass Anhänger beider Klubs ihrem Ärger über den Nordostdeutschen Fußballverband (NOFV) Luft verschaffen werden.

Denn Freitag läuft für Babelsberg ein Ultimatum des NOFV ab. Bis dahin muss der Verein eine Strafe von 7.000 Euro zahlen, die ihm nach einem skandalträchtigen Spiel gegen Energie Cottbus im April 2017 aufgebrummt worden war. Damals hatten Vermummte aus dem Cottbuser Fanblock den Hitlergruß gezeigt. Fans des SV Babelsberg reagierten mit "Nazischweine-raus!"-Rufen. Die Anhänger beider Teams zündeten zudem Pyrotechnik. Nachdem Chaoten aus dem Block der Lausitzer versucht hatten, den Platz zu stürmen, stand die Partie kurz vor dem Abbruch.

Verband droht mit Spielausschluss

Wegen der Ausfälle musste Energie 16.000 Euro Strafe zahlen. Ein zweites Verfahren wegen antisemitischer Parolen und Hitlergrüße hatte der Nordostdeutsche Fußballverband allerdings eingestellt.

Babelsberg wurde hingegen zu einer Zahlung von 7.000 Euro verurteilt. Der Verein weigert sich allerdings nach wie vor, diese Strafe zu zahlen. "Dass diese Entscheidung skandalträchtig ist, bemerkten nicht nur Fans und Vorstand von Babelsberg 03, sondern auch der DFB, und der beschäftigt sich nun seinerseits mit dem zweifelhaften Verhalten des Verbandes", heißt es jetzt in einer Pressemitteilung des Klubs.

Der NOFV droht dem langjährigen Regionalligisten allerdings mit einem Spielausschluss, falls die Strafe nicht bis Freitag beglichen sein sollten. "Wir sind da recht entspannt", sagt Pressesprecher Thoralf Höntze. "Natürlich haben sie die Möglichkeit, das zu tun - aber wir können dagegen Einspruch einlegen." Den Babelsbergern geht es um die in ihren Augen nicht nachvollziehbare Entscheidung des NOFV, antisemitische Sprechchöre zu ignorieren.

Vereine hoffen auf friedliche Proteste

"Wer trotz des klaren Fingerzeigs des DFB leise Zweifel an der Lernfähigkeit der NOFV- Gerichtsbarkeit hatte, wurde dieser Tage mit der Verurteilung von Chemie Leipzig, unserer Gäste am kommenden Freitag, zu einer Geldstrafe in Höhe von 10.000 Euro in seiner Vermutung bestätigt", heißt es von Seiten des Klubs weiter. Beim Spiel gegen den Leipziger Stadtrivalen Lok hatten Chemie-Fans im Block Pyrotechnik gezündet und eine Fahne des Rivalen verbrannt. Dass die Lok-Anhängern mit rassistischen und homophoben Rufen aufgefallen sind, dass sei im Spielbericht des NOFV-Beobachters allerdings nicht aufgetaucht.

Es wird laut am Freitagabend im Karl-Liebknecht-Stadion, darauf haben sich die Vereinsfunktionäre des SV Babelsberg 03 eingestellt. Nach eigener Aussage haben sie Verständnis für die Wut und Proteste, die sich gegen das Verhalten des NOFV richten. Eines ist ihnen aber wichtig: Es soll ausschließlich friedlich - ohne Pyrotechnik - protestiert werden.

Sendung: Antenne Brandenburg, 01.02.2018, 14.00 Uhr

Beitrag von Stephanie Baczyk

Kommentar

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13 Kommentare

  1. 13.

    Dieses Babelsberger Geheul ist unerträglich. Es wäre schön, wenn hier die Vereinsführung auch mal mit gutem Beispiel voran gehen würde, aber genau das Gegenteil ist der Fall. Politische Aktivitäten, von welcher Seite auch immer, haben in unseren Fußballstadien nichts verloren. Meldet eine Demo an, wenn ihr was zu sagen habt und lauft die Straßen entlang! Ich bin öfter im Babelsberger Stadion zu Gast und überzeugt, dass dort ca. 1/3 der Zuschauer nur dabei sind, um diesen Ort für ihre politischen Ansichten zu mißbrauchen. Zum eigentlichen Thema: Beim Spiel gegen Cottbus, denen ich als Berliner den Aufstieg sehr wünsche, waren es übrigens eine Menge Babelsberger Chaoten, die von den Sitzplätzen der Haupttribüne, vermummt, auf den Platz stürmten. Und genau das sollte auch bestraft werden. Aber die Vereinsführung hat all dies sicher nicht gesehen, oder steht sie vielleicht schon unter dem Druck der linken Chaoten???

  2. 12.

    Die ewigen Diskussionen.....man sollte doch die Störenfriede( gelinde ausgedrückt) ranholen und abstrafen und nicht die Vereine. Die Autokonzerne werden doch auch nicht bestraft.... wenn ich ein Verkehrsdelikt begehe. Für alles gibt es Regeln!

  3. 10.

    Wenigstens ein Potsdamer, der durchblickt. Propaganda und Gewalt haben im Fußballstadion nichts verloren. Die " Schwarzen " aus Babelsberg, von Chemie Leipzig oder auch St. Pauli sind keinen Millimeter besser wie rechte Hooligans oder Leute , die Affengeräusche machen und dunkelhäutige Spieler diskriminieren. Sie maßen sich an, Richter zu spielen. Jetzt hat der DFB über sie gerichtet. Das ist gut so. Noch mal, Daumen hoch zu Ihrer Meinung!

  4. 9.

    Kommt auf die "Gästefans" an , keinesfalls auf die Gästespieler!
    Die "Nazikeule" sollte viel öfter ausgepackt und benutzt werden!
    Der Versuch "Fehlverhalten" zu relativieren ist einfach ekelhaft!
    Wer mit Nazi-Scheiße sympathisiert, dumme rechte Parolen grölt, den Vollidioten-Gruß zeigt muss abgeschoben werden! Menschen die Zivilcourage zeigen, sich aufrichten und "Nazis raus!" skandieren sollten gefeiert werden!
    Dieser Verein und seine Fans sollten gefeiert werden! (es gibt auch Ausnahmen)
    Spaß am Fußball, egal woher du bist. Miteinander feiern! Allen Arschlöchern Stadionverbot erteilen und umsetzen, überall! Kein Raum für Vollidioten, nirgends!

    Leute die nichts begriffen haben sind nie willkommen!

  5. 8.

    Darf ich Sie fragen, wie oft Sie als Zwickauer das Stadion in Babelsberg im Jahr besuchen? Ich bin kein Babelsberger Fan, aber die von Ihnen kolportierte negative Stimmung dort finde ich nicht schlimmer als in anderen Stadien der Republik. Zudem spielen sämtliche andere Fälle aus den Vorjahren hier keine, oder allenfalls eine untergeordnete Rolle.

    Es geht um das "Zweierleimaßmessen" des NOFV bezüglich rechtsradikaler Aussetzer einiger Dummköpfe. Leider ist es so, dass rechtsradikale Zwischenfälle so gut es geht vertuscht werden sollen. Schließlich müssen alle Verbände eine "Rangliste" führen... und niemand möchte in dieser Rangliste deutschlandweit ganz oben stehen.

    Ich kann als ehemaliger Spieler/Betreuer auf Kreisebene bestätigen, dass Aufklärung in solchen Fällen nur höchst unzureichend betrieben wird. Da wird ein farbiger Spieler über 90 Minuten von 30 Fans des Gegners massiv bepöbelt und beleidigt, die Strafe zahlt der Verein des Spielers, da dieser die 30 provoziert hätte.

  6. 7.

    Ich kann die Aufregung gar nicht verstehen. Es ist doch seit vielen Jahren "Standard" in Babelsberg, dass Gästespieler und -fans über die gesamte Dauer des Spiels auf das Übelste beschimpft und beleidigt werden. Und dass bei der kleinsten Reaktion darauf die in unserer Republik so beliebte Nazikeule ausgepackt wird. Dabei spielt es dann überhaupt keine Rolle, ob die Leute überhaupt Nazis sind oder nicht, Hauptsache der SV03 kann sich in der, der Öffentlichkeit mittlerweile hinlänglich bekannten, Opferrolle präsentieren. Dieses beschämende Spiel des SV03 ist doch schon so oft gespielt worden und hat mit Sport in keinster Weise etwas zu tun. Unabhängig davon muss Fehlverhalten natürlich sanktioniert werden, egal welche Seite es ausgeführt hat. Beim SV03 gelten die Vorschriften und Gesetzen jedoch immer nur für die Anderen.

  7. 6.

    Das Grundgesetz ist der Gegenentwurf zum Nationalsozialismus. Daher können "Nazis Raus" Rufe nicht strafbar sein. Dass es Probleme mit Muslimen gibt die sich nicht integrieren wollen und Deutschland unterwandern wollen bestreite ich nicht. Aber man muss kein Nazi werden um das Problem zu lösen. Weitgehende Änderungen im Asyl- und Ausländerrecht genügen. Dazu muss man mit demokratischen Mitteln Druck auf die Politik machen.

  8. 5.

    Gerd, welches deutsche Gesetz bitte genau untersagt den Ruf "NAZIS RAUS!" in Stadien? Nun, falls Du es nicht findest, lass Dir gesagt sein, es gibt keines. Und es gab auch nie eines. NAZIS RAUS rufen ist damit völlig legal, ob es Dir nun passt oder nicht.

    Und wenn es Dir im Karli mit dem Publikum in der Nordkurve nicht gefällt, geh doch auf Tribüne oder noch besser in ein anderes Stadion. Am besten nach kotbuss, dort teilt man auch Deine - hüstel, hüstel - vermeintlich unpolitischen Ansichten.

  9. 4.

    Gut,das es solche fans gibt ,die den nazi hools von cottbus paroli bieten..ausserdem soll frankfurt jetzt auch bestraft werden weil sie afd anhaenger ausschliessen wil..

  10. 3.

    Der SV Babelsberg 03 hat absolut recht. Wenn die NOFV-Richter wiederholt Tatsachen ignorieren die nicht in ihr Weltbild passen und willkürliche Urteile fällen ist das Amtsmissbrauch und Rechtsbeugung. Wo bleibt die Staatsanwaltschaft?

  11. 2.

    Wenn man keine Ahnung hat.....

    Das Fans auf das zeigen des Hitlergrußes usw. mit Nazis Raus rufen reagieren gehört zur Zivilcourage! Und keinesfalls bestraft!

    Des Weiteren sind die Fans von NullDrei NICHT gewaltbereit. In das KarLi kann man jederzeit mit Kind und Kegel gehen und bei Bratwurst, Getränk und netten Gesprächen die Spiele genießen.

  12. 1.

    Es ist immer wieder erstaunlich, wie der SV Babelsberg meint, Urteile und Gesetze gelten nicht für ihn.
    Teile der „aktivieren Fanszene“ z.T. auch schwarz gekleidet, sind gewaltbereit und fallen immer wieder durch Pyro und Böller, auch bei Auswärtsspielen auf. Nur weil man „antifaschistisch“ ist, darf man sich nicht alles erlauben.
    Sicher ist ein zeigen des Hitlergrusses strafbar, nur das mit Nazi raus Rufen und Böller zu begegnen ist es genauso. Wie wäre es mal, wenn der Verein die Strafe auf die so „toleranten“ Fans der sogenannten Nordkurve umlegt?
    Politik gehört nicht ins Stadion … aber das ist dem SV Babelsberg wohl egal, sind doch in regelmässigen Abständen auch Info-und Verkaufsständer der radikalen „Antifa“ im Stadion zu finden. Das konnte ich selbst sehen.

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