Eiskunstläufer Peter Liebers ballt die Faust nach seinem Kurzprogramm bei den Olympischen Winterspielen in Sotchi
Video: rbb UM6 | 16.01.2018 | Stephanie Baczyk | Bild: imago/Schreyer

Berliner Eiskunstläufer beendet Karriere - Liebers' letzte Kür

Seine ersten Schritte auf Schlittschuhen hat Peter Liebers im zarten Alter von drei Jahren gemacht. Jetzt, 26 Jahre später, beendet der Berliner Eiskunstläufer seine Profikarriere und blickt zurück auf eine intensive Zeit mit vielen Verletzungen - und seinen größten Erfolg. Von Stephanie Baczyk

Als die letzten Takte des Coldplay-Songs "Clocks" verstummen, ballt Peter Liebers intuitiv die Faust. Er hockt da in seinem türkis-grauen Glitzer-Hemd und der schwarzen Hose auf dem Eis im Eisberg-Eislaufpalast in Sotchi, hält einen Moment inne, schnellt hoch und dann endlich löst sich die Anspannung in seinem Gesicht. Liebers lächelt. Erst zaghaft, dann verschmitzt. Dieser Moment, das weiß er, ist sein größter Moment. Er hat bei den Olympischen Winterspielen ein beeindruckendes Kurzprogramm abgeliefert. Und alle haben es gesehen.

"Olympia ist die Belohnung für die ganze harte Arbeit, die man gemacht hat. So habe ich das damals empfunden", erinnert sich Liebers. "Ich habe mit meinem Sportpsychologen, mit dem ich zusammenarbeite dann die 'Mission Tortenguss' gehabt. Also Olympia war, wie man so schön sagt nur noch das I-Tüpfelchen." Es gibt ein Interview, das verdeutlicht, wie ehrgeizig der gebürtige Berliner schon immer gewesen ist. Da sitzt er als 13-Jähriger im grauen Schlabberpulli vor der Kamera und spricht davon, eines Tages bei den Spielen unter den besten Fünf zu landen.

Liebers, der Kämpfer

Darauf angesprochen hält er kurz inne. "Ich habe dem Eiskunstlauf schon sehr viel geopfert", sagt er dann. "Es sind bestimmt 80, 90 Prozent meines jetzigen Lebens. Das ist viel Zeit. Und der Körper macht einiges mit." Sprunggelenksverletzungen, Knochenbrüche, Rückenprobleme - Liebers' Krankenakte ist lang. "Ich habe das mal Revue passieren lassen. In den letzten zwölf Jahren hatte ich neun größere Verletzungen mit teilweise Operationen. Das hat mich schon immer sehr zurückgeworfen." Aufgegeben hat er nie. Aber alles hat seine Zeit.

Liebers' Zeit als Profi-Eiskunstläufer geht in dieser Woche zu Ende. Nach zahlreichen Europa- und Weltmeisterschaften und sechs Deutschen Meistertiteln wird der Start bei den Europameisterschaften in Moskau diese Woche der letzte sein, das hat er so entschieden. "Es wird eine große Umstellung für mich", gibt er zu. "Ich freu mich aber, dass ich die EM noch laufen darf und mich dann hoffentlich noch mal gebührend verabschieden kann vom internationalen Zirkus." Klar wäre der 29-Jährige zum Abschluss der Karriere am liebsten ein weiteres Mal bei Olympia an den Start gegangen. Den Platz hat sich allerdings Kumpel und Trainingspartner Paul Fentz gesichert.

Jetzt wartet die Familie

Der Ärger über den verpatzten Auftritt bei den Deutschen Meisterschaften in Frankfurt und das Aus für die Spiele ist verflogen. Liebers hat für sich einen Haken hinter die Geschichte gemacht. "Och ja, mir geht's eigentlich gut damit", sagt er jetzt ein paar Wochen nach der Entscheidung und muss schmunzeln. "Erst mal gucken, wenn die Spiele wirklich losgehen. Wenn man die Bilder am Fernseher sieht und sich denkt: Ach Mensch, da wäre ich selber gerne gewesen. Mal gucken, wie es dann wird." Ehefrau Denise ist sich jedenfalls sicher, dass ihr Mann nicht ohne seinen Sport kann. "Es wird nicht so sein, dass der letzte Wettkampf vorbei ist und die Schlittschuhe hängen am Nagel", vermutet sie. "Er wird auf jeden Fall noch aufs Eis gehen, wenn auch nicht in dem Umfang."

Peter Liebers ist ein Familienmensch. Bis heute schauen seine Eltern, Frau Denise und der zweijährige Sohn Emil beim Training in der Eishalle in Berlin Hohenschönhausen vorbei. Dann nimmt Liebers den Jungen auf den Arm und dreht ein paar Runden mit ihm auf dem Eis, bis der Kleine lacht und vor Vergnügen quietscht. "Jetzt habe ich mehr Zeit für die Familie", sagt der 29-Jährige. "Und ich kann endlich fertig studieren." Vor Biotechnologie kommt aber erst mal ein längerer Urlaub - Dinge, die lange hinten angestellt werden mussten. 26 Jahre seines Lebens hat Liebers auf dem Eis verbracht - jetzt freut er sich ehrlich auf das Leben danach.

Sendung: rbb um 6, 16.01.18

Beitrag von Stephanie Baczyk

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