Davie Selke jubelt nach einem Tor
Video: Abendschau | 11.01.2018 | Heike Bettermann | Bild: imago/Cordon Press/Miguelez Sports

Rückrundenauftakt in Stuttgart - Von Super-Mario, einem Mini-Gomez und einem Rückkehrer

Die Bundesliga-Rückrunde startet: Der VfB Stuttgart hat sich mit Mario Gomez in der Offensive verstärkt, doch die Hertha will am Samstag mit einem "Mini-Gomez" dagegenhalten. Und vielleicht berappelt sich ein Herthaner wieder. Von Astrid Kretschmer

Des Stürmers erste Pflicht ist? Richtig - Toreschießen. Den Stürmer, der für seinen Verein dieser Arbeitsplatzbeschreibung am erfolgreichsten entspricht, nennt man Torjäger. Und auch wenn der Torjäger/Stürmer ohne die Mannschaft nichts wäre, so steht er doch immer im Mittelpunkt. Nicht ganz zu Unrecht hatte sich ein Weltklasse-Spieler wie Philipp Lahm darüber beschwert, dass ein Verteidiger keine Chance auf die Auszeichnung "Weltfußballer des Jahres" hätte.

Auch wenn bei Hertha oder Stuttgart zeitnah wohl kein Spieler auf der Weltfußballer-Shortlist landet: Am Samstag (15:30 Uhr) dreht sich beim Aufeinandertreffen beider Teams auch fast alles um die Sturmreihen.

Keine Angst vorm Gomez-Hammer

Mit keinem geringeren als mit Mario Gomez reagierte der VfB Stuttgart auf seine Harmlosigkeit im Sturm. Nur 13 Tore in der Hinrunde bedeuten einen Vereinsnegativrekord in der Bundesliga. "Ich werde keinen Spieler hochloben", sagte Hertha-Trainer Pal Dardai vor der Auswärtspartie über den Nationalstürmer. "Trotzdem muss ich sagen: Mario ist ein guter Stürmer, fleißig, macht auch Laufarbeit für die Mannschaft und trotzdem kann er knipsen."

Die Qualitäten von Gomez kennt Pal Dardai nur zu gut. Aus seiner eigenen Zeit als aktiver Profi, aber auch aus der Hinrunde. Noch im Trikot des VfL Wolfsburg zeigte Mario Gomez beim 3:3 gegen Hertha eine starke Leistung und traf einmal. In der Partie sei der 32-jährige "schwierig zu bremsen gewesen" gab Dardai zu. Aber mit vereinten Kräften, "gemeinsam kriegen wir das hin", glaubt der Ungar.

Entscheidung zwischen Langkamp und Lustenberger

Wer Gomez dann im Defensivzentrum der Berliner stoppen soll, wollte Dardai noch nicht verraten. Neben dem gesetzten Niklas Stark hat Dardai in der Innenverteidigung die Wahl zwischen Sebastian Langkamp: "Für Basti spricht die Kopfballstärke und wir wissen, dass Stuttgart sehr viele Flanken schlägt", so Dardais Überlegung - oder Fabian Lustenberger: "Für Lusti spricht das Antizipieren". Mit dem Schweizer hätte der Hertha-Coach mehr spielerische Elemente. Abwehrchef Karim Rekik (Fußprellung) und Flügelspieler Alexander Esswein (nach Erkältung) fallen bei Hertha definitiv aus. Mittelfeldspieler Vladimir Darida soll zunächst nur auf der Bank sitzen. Ob es bei U21-Europameister Mitchell Weiser schon für einen Startelfeinsatz reicht, ließ Dardai noch offen.

Selke war einst der schwäbische Mini-Gomez

Hertha hat derzeit in der Offensive mehr als nur eine "Sturmhoffnung" zu bieten. In den letzten acht Bundesligaspielen erzielten die Blau-Weißen 17 Tore, im Schnitt also mehr als zwei pro Partie. Herthas neue Offensivstärke ist auch ein "Davie Selke-Effekt". Der 22-jährige Neuzugang aus Leipzig verpasste den Saisonauftakt verletzt, war dann aber in seinen zehn Spielen für Hertha an sieben Toren beteiligt (4 Treffer, 3 Assists). Ganz großer Sport war sein Doppelpack beim Ex-Verein Leipzig zum Jahresausklang beim 3:2-Sieg. Mit seiner Dynamik und Torgefährlichkeit erinnert Selke ein bisschen an den jungen Gomez - wie "Super-Mario" spielte Selke bis 2009 für den VfB.

Neuerdings auswärtsstark

Die verbesserte Offensive sorgte für eine andere Hertha auf fremden Plätzen: Fünf Auswärtsspiele ist Hertha ungeschlagen und erzielte dabei zehn Tore. Daran will Michael Preetz anknüpfen: "Punkten wäre nicht schlecht - das haben wir uns in Stuttgart vorgenommen, aber der VfB hat zu Hause fast alle Punkte geholt, die sind da stark", so der Hertha-Manager. "Das wird eine schwierige Aufgabe für uns, aber wir haben rechtzeitig für diese Partie unsere Auswärtsproblematik überwunden." Die Mannschaft sei in den letzten Spielen "auswärts richtig gut in Schwung gekommen, insbesonders mit dem letzten Spiel in Leipzig und wir versuchen, diesen Schwung rüberzuretten nach Stuttgart, hofft Preetz.

Ibisevic kehrt zurück

Mit Vedad Ibisevic kehrt einer der Nachfolger von Mario Gomez beim VfB zurück. Erst lief es prächtig für den Bosnier bei den Schwaben, dann nicht mehr und Ibisevic wechselte nach Berlin. Dort findet sich der Hertha-Kapitän nach einer erfolgreichen Zeit zum Rückrundenstart in einer gewöhnungsbedürftigen Situation wieder. Der Youngster Selke ist drauf und dran, dem zuvor immer gesetzten Routinier den Rang abzulaufen. Bei seinem Ex-Klub wird sich Ibisevic wohl zunächst auf der Bank wiederfinden. "Ganz normal", gab sich Ibisevic zu Wochenanfang diplomatisch, "Davie hat gespielt, hat getroffen und ich habe nicht gespielt. Jetzt muss ich auf die Chance warten und unterstütze Davie und die ganze Mannschaft." Bei dem extrem breiten Kader sind momentan eher die Talente von Kapitän Ibisevic als Vermittler gefragt. "Ich stehe zur Verfügung," so Ibisevic mit einem etwas bitteren Lächeln.

Saisonziel Top Ten oder besser

Hertha BSC liegt mit 24 Punkten auf Platz zehn der Bundesliga-Tabelle. "Wir haben eine Top-Ten Plazierung vor der Saison ausgegeben. Da sind wir im Korridor drin", sagt Michael Preetz. Und: "Top Ten heißt nicht nur Platz zehn, sondern auch besser, dieses Ziel wollen wir angreifen."

Die ersten Punkte der Saison fuhr Hertha gegen den VfB bereits durch einen 2:0-Sieg ein. Und in der Rückbetrachtung war es - natürlich - ein Stürmer, der in Erinnerung bleibt. Beide Tore erzielte Matthiew Leckie. Ausgerechnet. Bis zu diesem Zeitpunkt war er der erfolgloseste Schütze der letzten Bundesliga-Saison. In 30 Spielen für Ingolstadt war er total leer ausgegangen. Für Hertha traf er in Folge noch zweimal, dann wurde es ruhiger um den Australier, auch weil ihm, regelmäßig mit der Nationalmannschaft auf Weltreise, etwas die Luft ausging.

Leckie muss sich wieder steigern

Dabei wäre sein Einsatz gegen Stuttgart doch ein gutes Omen, weiß auch Pal Dardai. "Ja natürlich," stimmt der Trainer zu," es gibt diesen Aberglauben." Aber nicht zuletzt in dem Vorbereitungsturnier in Bielefeld am Wochenende, "wo wir zwei Mal 60 Minuten grottenschlecht gekickt haben", so der Ungar, präsentierte sich Leckie schwach.

Laut Dardai gäbe es "mal einen guten Einsatz, dann mal weniger gute Einsätze".
Leckie müsse "sich steigern" und "er wisse dies", dann würde er auch wieder spielen.
Ob dies am Wochenende gegen Stuttgart der Fall sein wird, das wollte der Trainer noch nicht sagen. So oder so - mit einer Voraussage zum Spiel von Hertha beim VfB Stuttgart wird man nicht schief liegen. Ein Angreifer könnte mal wieder im Mittelpunkt stehen.

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