Die Spieler des 1. FC Union laufen in der Gruppe über den Trainingsplatz zum Aufwärmen
Audio: Inforadio | 02.01.2017 | Kollegengespräch mit Stephanie Baczyk | Bild: imago/Matthias Koch

Trainingsauftakt mit einem potentiellen Neuzugang - Union Berlin will sich ein wenig neu erfinden

Neues Jahr und neue Ziele? Der 1. FC Union ist zurück aus der kurzen Winterpause und will nach den vergangenen, teils enttäuschenden Wochen zunächst wieder mehr Variabilität entwickeln. Gesucht werden noch selbstbewusste Häuptlinge. Von Stephanie Baczyk

Unions Coach André Hofschneider ist heiß. Er steht da inmitten seiner Spieler in seinen kurzen Hosen auf dem Trainingsplatz und klatscht und schreit. "Reden, reden, reden", fordert er, mit den Händen fuchtelnd, während sich seine Spieler ein Duell auf dem Kleinfeld liefern. Sie knien sich rein - nicht ohne zwischendurch auch mal zu flachsen. "Heute war's okay", fasst Hofschneider das Gesehene beim Trainingsauftakt anschließend mit einem Augenzwinkern zusammen. "So'n Ballentzug macht ja einen Fußballer schon auch ein bisschen verrückt."

Fußballfreie Zeit als Wunschtraum

Dabei ist diese Winterpause aus Sicht der Eisernen bitter nötig gewesen - in den Wochen vor Weihnachten lief nicht mehr viel zusammen. Zuletzt waren es fünf Spiele ohne Sieg, dazu der Rausschmiss von Trainer Jens Keller Anfang Dezember.

"Um sich gar nicht mit Fußball zu beschäftigen, war die Pause zu kurz", gibt Hofschneider ehrlich zu. "Man schaltet ja nicht automatisch mit dem ersten Tag ab. Im Gegenteil, da kommen noch viele Gedanken, die nachlaufen."

Sich vor allem Gedanken über die sportliche Zukunft der Eisernen zu machen, ist Lutz Munacks Job. Unions Geschäftsführer Sport hat die vergangenen Monate mehr als einmal analysiert - Keller aufgrund der spielerischen Entwicklung beurlaubt, Hofschneider als neuen Trainer installiert. "Aus Rückschlägen gestärkt zurückzukommen, ist eine Situation, die wir uns zutrauen", sagt er jetzt mit Blick auf 2018, macht aber auch deutlich: "Wenn wir es nicht schaffen aufzusteigen, aber Variabilität und einzelne Spieler entwickeln, kann daraus ein sehr hoher Wert für das nächste Jahr entstehen."

Allrounder Dietz beeindruckt mit kritischer Art

Einer, den man ab sofort entwickeln will, ist Lars Dietz. Der Blondschopf ist 1,90 Meter groß und flexibel einsetzbar. Er kann auf den Außen- und Innenverteidigerpositionen und auf der Sechs spielen. Und er ist gerade mal 20 Jahre alt. "Im persönlichen Gespräch hat er mich schon beeindruckt mit seiner offenen und kritischen Art", beschreibt Coach Hofschneider den jungen Mann, der zuletzt in der zweiten Mannschaft von Borussia Dortmund gekickt hat. "Sportlich bringt er gewisse Facetten mit. Das macht natürlich die Fantasie groß, dass man da jemanden hat, den man weiterentwickeln kann."

Im Fall Dietz wartet der 1. FC Union noch auf das endgültige Signal von Borussia Dortmund - auf der Homepage der Schwarz-Gelben ist der Youngster bereits verabschiedet worden. Möglich, dass er der einzige Neuzugang im Winter bleibt. "Ich halte den Kader grundsätzlich für gut und stark und spielfähig in unterschiedlichen Systemen", sagt Lutz Munack mit Blick auf weitere Verpflichtungen und Abgänge. "Vor Weihnachten ist mit allen Spielern gesprochen worden. Diese Woche finden noch ein, zwei Gespräche statt, sodass jeder weiß, woran er ist. Das ist uns auch wichtig. Und dazu gehört auch die Ansage, wenn ein Spieler in der Planung keine so große Rolle mehr spielt."

Hofschneider auf der Suche nach den Häuptlingen

Welche Profis in den Planungen von Neu-Trainer André Hofschneider eine Rolle spielen, wird sich zeigen. Torhüter Jakob Busk, der beim Trainingsauftakt krankheitsbedingt fehlte, muss um seinen Platz im Kasten der Köpenicker zittern. Mit Daniel Mesenhöler schart ein Ersatzmann mit den Hufen, der seine Klasse in der vergangenen Saison mehrere Monate unter Beweis gestellt hat.

Ähnlich verhält es sich bei der Frage nach dem Kapitän und den Führungsspielern. "Es ist jetzt nicht so, dass ich sage: Wir lassen alles so für die Ewigkeit. Oder im Gegenzug: Wir müssen alles ändern", sagt Hofschneider. "Ich glaube schon, dass wir auch Häuptlinge haben in der Mannschaft, nur sie haben es vielleicht zu oft von ihrer eigenen Leistung abhängig gemacht. Ich weiß nicht, ob ein Stefan Effenberg immer überragend gespielt hat, aber er war immer ein Häuptling."

Regen und Testspiele statt Sonne und Sandstrand

André Hofschneider brennt für seinen Start ins Jahr 2018 als Chefcoach. Am Samstag reist er mit Union ins Trainingslager nach Oliva Nova an die spanische Mittelmeerküste. Dort sind zwei Testspiele geplant - gegen den belgischen Erstligisten KAA Gent und den starken Drittligisten Wehen Wiesbaden. Und wie der Zufall es will, ist aber erst einmal Regen angesagt. Perfekte Bedingungen, um zu klatschen, zu schreien und mit den Händen zu fuchteln. Und dabei nicht so schnell ins Schwitzen zu kommen.

Sendung: Inforadio, 02.01.2018, 16.15 Uhr

Beitrag von Stephanie Baczyk

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