Der frühere Radprofi Jens Voigt legt am 02.01.2017 auf dem Teufelsberg in Berlin nach einer seiner Vier-Kilometer-Runden der «Tour de Cure» einen kurzen Stopp ein (Quelle: dpa/ Soeren Stache)
Audio: Antenne Brandenburg | 04.01.2018 | Interview mit Jens Voigt | Bild: dpa

Sieben Marathons in sieben Tagen - Warum tun Sie das, Herr Voigt?

Sieben Marathons in sieben Tagen: Am Teufelsberg testet Ex-Radprofi Jens Voigt seit Dienstag bei Wind und Regen seine Grenzen aus. Innerhalb einer Woche will er fast 300 km laufen - für den guten Zweck. Von Felix Edeha

In Lauf- und Handschuhen steht Jens Voigt bei sechs Grad auf einem Parkplatz am Teufelsberg in Berlin Grunewald. Es nieselt. Schwarz auf weiß steht auf seinem Shirt: Shut up legs and do what I tell you - Seid ruhig Beine und tut, was ich euch sage. Voigts Ziel: Sieben Marathons in sieben Tagen.

Laufen gegen den Krebs

Von seinem Vorhaben erhofft sich der Wahl-Berliner Aufmerksamkeit für einen wohltätigen Zweck. "Das hier ist für eine Krebshilfeorganisation in Australien." Eine Sache, die ihm sehr ans Herz gewachsen sei, bekräftigt der 46-jährige.

Ein Sportkollege, mit dem er sich bei einem Radrennen in Australien das Hotelzimmer geteilt hatte, war an Krebs erkrankt. Drei Jahre danach ist der junge Mann an der schweren Krankheit gestorben. "Als ich im letzten Sommer wieder bei dem Radrennen war, standen seine Frau und seine beiden Töchter am Streckenrand. Eine Tochter hielt ein Schild hoch, auf dem stand: We miss you, Daddy!" Eine Erinnerung, die den sechsfachen Familienvater sichtlich berührt.

Jens Voigt bei seinem Marathon-Lauf am Teufelsberg (Quelle: rbb/Felix Edeha)
Jens Voigt umringt von Unterstützern und Medienvertretern. | Bild: rbb/Felix Edeha

Spenden sammeln und lebendig sein

Voigt hofft auf Spendengelder von Menschen auf der ganzen Welt, die seine Marathon-Idee verrückt und interessant finden. Bis jetzt seien schon mehr als 2.700 Euro zusammengekommen, sagt er. "Holy Moly! Ich kann nicht glauben, dass ich in den nächsten fünf Tagen noch 211 Kilometer laufen muss", schreibt der Tour-de-France-Rekordteilnehmer vor seinem dritten Marathon am Donnerstag auf Facebook. Täglich hält er in den sozialen Netzwerken seine Fans auf dem neuesten Stand, erzählt in Videobotschaften, wie er sich fühlt.

Durch die Spendenaktion will Voigt sich nach seiner 17-jährigen Profikarriere auch noch einmal selbst herausfordern: "Ich will mich einfach selber testen, ob ich noch am Leben bin und das noch kann - oder eben nicht mehr."

Das Jahr mit Herausforderung starten

Aber warum im Winter am Teufelsberg? "Ich mag es, das Jahr mit einer guten Herausforderung zu starten." Die Strecke am Teufelsberg im Grunewald hat Voigt gewählt, weil sie dicht an seinem Wohnhaus liegt und gut an das Berliner Verkehrsnetz angebunden ist. Bereits vor ziemlich genau einem Jahr sammelte er für die Krebshilfe über 25.000 Euro. Damals startete er die #EverestChallenge: Innerhalb von 24 Stunden wollte er die Höhenmeter des Mount Everest erreichen. Dafür fuhr er 100 Mal den Teufelsberg hoch und wieder runter.

Jens Voigt läuft mit Unterstützung für die gute Sache (Quelle: rbb/Felix Edeha)
Im Rudel läuft es sich gerade bei nassem Gegenwind viel besser. | Bild: rbb/Felix Edeha

Der Läufer ist nicht allein

Die kalten Temperaturen würden ihm nichts ausmachen, sagt Voigt: "Mein Körper funktioniert besser bei kühlerem Wetter, also ich bin ganz glücklich." Durch das nasskalte Wetter würde er nicht so viel schwitzen und müsse demnach auch nicht so viel Wasser trinken.

Voigt ist nicht alleine. Ihn begleiten täglich andere Läufer, darunter Freunde, Bekannte und Fans. Jeder, der mitläuft, wird von ihm per Handschlag begrüßt und mit Wasser und Bananen versorgt. Der gebürtige Mecklenburger scheint sich dessen bewusst, was er seinem Körper abverlangt.  Für den Fall der Fälle, dass seine Beine nicht mehr so wollen wie er, habe er einen Notfallplan parat: "Wenn  gar nichts geht, fahr ich die Strecke einmal mit dem Fahrrad", sagt er grinsend, "und am nächsten Tag laufe ich dann wieder. Das wird schon klappen!"

Beitrag von Felix Edeha

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