Anna-Felicitas Sarholz bei ihrem neuen Job beim BAK. (Quelle: rbb)
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Torhüterin Anna-Felicitas Sarholz und ihr neues Leben - Zufriedener ohne den Heldinnen-Nimbus

Anna-Felicitas Sarholz war die "Heldin von Getafe" bei Turbine Potsdam, gewann als 17-Jährige die Fußball-Champions League. Aber dann setzten ihr die mediale Aufmerksamkeit und diverse Verletzungen zu. Wie man als Star wieder zurück in die Reihe tritt. Von Uri Zahavi und Mathias Ehlers

Fast acht Jahre sind nun schon vergangen, seit Anna-Felicitas Sarholz die Sternstunde ihrer kurzen Karriere erleben durfte. Im Mai 2010 wurde sie als 17-Jährige Torhüterin von Turbine Potsdam zur "Heldin von Getafe",  als sie nach zwei gehaltenen und einem verwandelten Elfmeter den Champions League-Pokal in den Abendhimmel des Madrider Vororts stemmen konnte. Der unerwartete Erfolg hatte Sarholz schlagartig bekannt gemacht, in der Presse wurde aus der quirligen und eigenwilligen Sportlerin flugs "Potsdams wilde Torhüterin." Viel prasselte auf die junge Frau ein, Komplimente, Ehrungen und nicht zuletzt auch Unmengen an Erwartungen.

Verletzungen setzen Sarholz schwer zu

Doch Verletzungen brachten Sarholz aus dem Tritt, sie brach sich den Mittelfuß, mehrfach das Kahnbein in der linken Hand und erkrankte schließlich am Herzbeutel. Hinzu kam das Zerwürfnis mit dem Deutschen Fußballbund. Aus persönlichen Gründen verzichtete Sarholz 2010 auf die Teilnahme an der U19-Europameisterschaft, ließ sich dafür aber auf Turbines Champions League-Party blicken. Ein Affront für den DFB und für Sarholz war die Karriere in der Nationalmannschaft damit schon beendet, bevor sie überhaupt beginnen konnte.

Sarholz rauft sich nach einem gegentor die Haare. (Quelle: imago/foto2press)
Der Abschied bei Turbine: zum Haare raufen | Bild: imago/foto2press

Unschöner Abschied bei Turbine Potsdam

Auch bei Turbine hatte es Sarholz zunehmend schwer. Der damalige Trainer Bernd Schröder zweifelte nach all den gesundheitlichen Rückschlägen daran, dass Sarholz wieder in Form kommen würde. Ohnehin hatte der gestrenge Schröder seine Probleme mit der lebenslustigen Torhüterin und stellte ihre Einstellung immer wieder infrage. Im Sommer 2015 nimmt die Zeit bei Turbine Potsdam ein unschönes Ende: Sarholz erfährt aus der Zeitung, dass ihr auslaufender Vertrag nicht verlängert wird. Die Wege trennen sich. Eine herbe Enttäuschung für Sarholz, die heute eingesteht:  "Der Sport hat mir nicht mehr gegeben, was ich wollte. Mit Turbine hatten wir alles gewonnen und die Nationalmannschaft war kein Thema. Ich war satt."

Es sind ungewöhnlich ehrliche Worte, die im durchprofessionalisierten und oft glattgebügelten Fußball-Geschäft in dieser Form nicht häufig zu hören sind. Trotzdem war die Enttäuschung über die Art und Weise ihrer Demission, nach zehn Jahren in Potsdam, riesig. "Nach der langen Zeit erwartet man, dass vernünftig miteinander umgegangen wird und man sich zumindest in die Augen schaut."

Anna-Felicitas Sarholz stemmt den Champions-League-Titel in die Höhe. (Quelle: imago/Oliver Schneider)
Erfolg und Fluch zugleich: Der Champions-League-Sieg. | Bild: imago/Oliver Schneider

"Ich hab alle Angebote abgelehnt"

Nach ihrem Abschied aus der Brandenburgischen Hauptstadt, flatterten die Angebote nur so herein. Große, ambitionierte und erfolgreiche Vereine zeigten ihr Interesse. Sie hätte in der Bundesliga bleiben, oder ins Ausland gehen können. Aber die Angst vor einer neuerlichen Verletzung war einfach zu groß. Diese nachdenklichen, verletzlichen Töne, skizzieren den wahren Charakter einer nach außen immer taffen und etwas rebellischen Frau. Sarholz fasste einen mutigen Entschluss: Sie erklärte das Ende ihrer Karriere im Leistungssport.

Da also ein Neuanfang bei einem ambitionierten Verein für die mittlerweile 25-Jährige kein Thema war, schloss sie sich stattdessen Babelsberg 03 an. Landesliga statt Bundesliga. Der Wechsel eröffnete ihr die Chance, als Trainerin Fuß zu fassen. Sie trainierte nebenbei die neun- und zehnjährigen Mädchen und auch der Gedanke einer eigenen Torwartschule reifte.

Im Sommer 2017 wechselt sie zum Berliner AK. Selbst spielt sie nicht mehr aktiv Fußball. Sie konzentriert sich voll und ganz auf ihre Trainertätigkeit. "Wenn du die Kinder durch das Training von der Straße und von dem Unsinn wegholst, dann ist das unfassbar schön. Wenn du am Ende des Trainings ein Lächeln bekommst oder die Kids ihren Eltern erzählen, wie toll das Training war, dann gibt es nichts Ehrlicheres."

Nicht mehr "special", sondern nur "normal"

Sarholz wohnt wieder in Dessau, wo ihre Mutter auch lebt. Mehr als zwölf Tattoos hat sie sich bislang unter die Haut stechen lassen. Ein Mitgrund für die Schublade, in die sie oftmals gesteckt wurde. Doch mit dieser kann sie nichts anfangen. Sie ist ein Familienmensch. Und sie pendelt. Mit dem Auto. Zweimal die Woche nach Berlin, einmal nach Potsdam.

Mit der aktiven Fußballkarriere hat sie endgültig abgeschlossen. Sie will nicht mehr die "Heldin von Getafe" sein. Beim BAK ist sie Anna, die Torwarttrainerin. So wünscht sie sich das. Vielleicht hat sie sich am Spitznamen des Kult-Trainers Jürgen Klopp orientiert. Den nennen sie bei seinem Liverpool FC ganz einfach "the normal one".

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