Fans des SV Babelsberg 03. (Quelle: imago/Sebastian Wells)
Video: Brandenburg Aktuell | 01.02.2018 | S. Frase/F. Herkt | Bild: imago/Sebastian Wells

Babelsberg-Präsident bezieht Stellung zu NOFV-Strafe - "Lassen uns nicht dafür bestrafen, dass wir uns zur Wehr setzen"

Der SV Babelsberg 03 soll 7.000 Euro Strafe für das Verhalten der eigenen Fans bezahlen - und weigert sich. Im skandalträchtigen Spiel gegen Energie Cottbus vor knapp einem Jahr kam es auf beiden Seiten zu Ausschreitungen. Die Potsdamer riskieren nun sogar einen Spielausschluss. Der Vereinspräsident Archibald Horlitz erklärt exklusiv im rbb warum.

rbb|24: Beim Spiel gegen Energie Cottbus am 28. April 2017 kam es zu Leuchtkörper-Würfen und unschönen Szenen auf beiden Seiten - Ihr Verein wurde zu 7.000 Euro Strafe verurteilt. Am Freitag läuft die Zahlungsfrist ab. Warum wollen Sie die Frist verstreichen lassen?

Archibald Horlitz: Weil in der Urteilsbegründung steht, dass wir unter anderem für Rufe eines einzelnen Fans bestraft werden. Ich zitiere, "ein einzelner Fan mit rotem Punker-Haarschnitt rief "Nazi-Schweine raus", und das Urteil geht in keiner Art und Weise darauf ein, was vorher passiert ist.

Im Gäste-Block haben sich strafrechtliche Dinge ereignet, wie zum Beispiel das Zeigen des Hitler-Grußes und antisemitische Schmähgesänge. Wir lassen uns nicht dafür bestrafen, dass wir uns hier zur Wehr setzen. Wir erkennen allerdings den Teil der Strafe an, der sich auf die Pyro-Technik bezieht.

Wir verstehen aber die Argumentation des Nordostdeutschen Fußballverbandes nicht, das Urteil beziehe sich ausschließlich auf die Pyrotechnik. Die "Nazi-Schweine raus"-Rufe finden im Urteil trotzdem Erwähnung. Nachträglich wurde dieser Umstand als Fehler anerkannt, das Urteil bleibt aber weiterhin bestehen.

Die Strafe der Cottbuser wurde abgemildert, die der Babelsberger nicht. Der DFB hat sich nun eingeschaltet und das Urteil des NOFV in Frage gestellt. Sind Sie sich sicher, dass Sie mit Ihrem Protest durchkommen?

Da bin ich in keinster Weise sicher. Wir stören uns an zwei Dingen: Das Eine ist die Ungleichheit der Strafe. Energie Cottbus bekam die Möglichkeit in Revision zu gehen, wir nicht. Alles, was bislang gegen uns ausgeurteilt wurde, fand ohne unsere Anwesenheit statt. Wir bekamen also überhaupt nicht die Chance, Richtung Strafmilderung zu gehen - während die Cottbuser Strafe um fast 90 Prozent abgemildert wurde.

Es ist ein Geisterspiel verhängt worden, was die Cottbuser als Schaden von ungefähr 100.000 Euro beziffert haben, plus eine Strafe von 16.000 Euro. Das alles für Vorgänge aus drei Spielen. Übrig geblieben ist eine Zahlung von 6.000 Euro für drei Spiele. Unsere Strafe beträgt 7.000 Euro für ein Spiel. Die Relationen stimmen absolut nicht.

Der DFB und das NOFV-Sportgericht haben nun angedeutet, dass sie nicht unbedingt an diesem Urteil festhalten wollen.

Doch, man will an unserem Urteil festhalten. Der NOFV hat behauptet, er hätte keinerlei Kenntnisse von Ausschreitungen im Cottbuser Block gehabt. Nach Auswertung der Quellen, wie zum Beispiel Bildmaterial des rbb, Facebook und YouTube, wurde zunächst kein Vergehen erkannt. Da muss man schon sehr blind gewesen sein, wann man da nichts wahrgenommen hat.

Nach erneuter Sichtung ist man doch zu dem Entschluss gekommen: Da war was. Nun ist aber Folgendes passiert: Energie sollte eine zusätzliche Strafe aufgebrummt werden, an unser Urteil sollte aber nicht rangegangen werden. Diese zusätzliche Cottbuser Strafe wurde im Anschluss zurückgezogen.

Dann riss der DFB das Verfahren erneut an sich, doch wieder berührte es nur den Cottbuser Teil der Strafe, während bei uns stumpf auf Vollstreckung des Urteils beharrt wird. Das ist für uns auch aus sachlichen Gründen absolut nicht nachvollziehbar.

Denken Sie, am SV Babelsberg 03 wird ein Exempel statuiert?

Der NOFV macht hier irgendwelche Muskelspiele Richtung DFB. Nach dem der NOFV mit dem einzigartigen Vorgang konfrontiert wurde, dass der DFB gegen ein Urteil eingeschritten ist und sich des Falles angenommen hat, wurde dem NOFV sozusagen die gelbe Karte gezeigt. Ich kann das nur von außen beurteilen, aber es ist schon witzig, dass sich der Richter, der sowohl beim DFB als auch beim NOFV tätig ist, klar gegen die Vorgaben des DFB wendet.

Wir werden dieses Urteil zu keinem Zeitpunkt und niemals akzeptieren. Auch nicht implizit durch die Zahlung einer Strafe."

Archibald Horlitz, Präsident des SV Babelsberg 03

Wird Ihr Verein die Regionalliga-Saison zu Ende spielen?

Im Zweifelsfall werden wir unter Protest und geeigneter Begleitmusik die Strafe zahlen müssen, aber das wird nicht ohne Konsequenzen bleiben. Wir werden dieses Urteil zu keinem Zeitpunkt und niemals akzeptieren. Auch nicht implizit durch die Zahlung einer Strafe.

Wir werden uns deutlich bemerkbar machen, wenn hier wirklich der Ausschluss vom Spielbetrieb droht. Dann geht die Sache auch vor ein ordentliches Gericht. Und da, davon bin ich überzeugt, haben wir allerbeste Karten.

Das Gespräch führte Stefan Frase

Kommentar

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4 Kommentare

  1. 4.

    Natürlich ist es nicht schön, was da im Spiel gegen 03 vorgefallen ist. Jedoch jetzt noch eine ungerechte Bestrafung verhängen zu wollen, das geht gar nicht! Ich dachte immer, nur beim DFB gäbe es solch eine Ungleichbehandlung. Nun also auch schon beim NOFV. Ihr sollt wissen, auch ein Cottbuser steht auf Eurer Seite!

  2. 3.

    Meine Unterstützung für euch aus Nordhausen.
    Lasst euch von diesen Schteibtischtätern nicht unterkriegen!

  3. 2.

    Der SV 03 - sollte der NOFV hier nicht gegensteuern - sollte dann auf jeden Fall Klage vor einem Zivilgericht führen. Das hat mit Sportgerichtsbarkeit und Verhältnismäßigkeit im Urteil nichts mehr zu tun. Ganz abgesehen von Urteilsbegrüdung und der Begründung der Revisionsverweigerung. Und medial würde ich mir auch den entsprechenden Sportrichter des NOFV mal zur Brust nehmen - nicht der erste Fall in seiner Laufbahn, wo er eigentlich Rechtsbeugung nach Gutdünken vornimmt. Mal beim Berliner Verband nachfragen und Vereinen wie Türkyurt und Makkabi Berlin.

  4. 1.

    Der Weg vor ein ein ordentliches Gericht ist genau der richtige Weg. Rechtsbeugung muss man auch vor einem Schiedsgericht nicht ertragen. Einseitiges urteilen und ignorieren von Tatsachen ist einfach unerträglich. Solche unfairen Richter sollten entfernt werden, im Interesse der Rechtssicherheit.

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