Trainer Moculescu und Manager Niroomand bei der Vorstellung des neuen Coachs. (Quelle: imago/Nordphoto)
Video: rbb um6 | 12.02.2018 | Andreas Witte | Bild: imago/Nordphoto

Stelian Moculescu ist neuer Trainer bei den BR Volleys - Der "Feind" auf meiner Bank

Dass Moculescu, langjähriger Coach des VfB Friedrichshafen, jemals als Neuer bei den BR Volleys vorgestellt werden würde, hätte niemand gedacht. Jetzt ist der "Erzfeind" da und soll die Berliner Saison retten. Zum neuen Manager war sein Verhältnis nicht immer rosig.

Es war der 01. Mai 2016 – in vielerlei Hinsicht ein historischer Tag. Die BR Volleys hatten soeben den Erzfeind VfB Friedrichshafen mit 3:0 in der Berliner Max-Schmeling-Halle deklassiert. Es war das dritte Spiel der Finalserie um die Deutsche Volleyball-Meisterschaft – und es war der dritte Sieg für die Hauptstädter. Während sich die in orange gekleideten Volleys in den Armen lagen und die beste Saison der Vereinsgeschichte feierten, musste der damalige Trainer der Friedrichshafener den vorerst letzten, und zugleich einen der scherwesten Momente seiner Karriere hinnehmen. Der Coach war damals niemand geringerer als Neu-Volleys-Trainer Stelian Moculescu. Es war sein bis dato letzter Auftritt in Berlin. Schon vor der Finalserie stand fest, dass die Volleyball-Ikone nach der Saison in Rente gehen würde. Dass er mit einer so krachenden Niederlage von der großen Bühne abtreten würde, damit hatte er wohl selbst nicht gerechnet. Was doppelt schmerzte, war eben der Gegner, der ihn gerade so vorgeführt hatte.

Moculescu tief beeindruckt von den Berliner Fans

Doch, es war nicht nur die Niederlage, die sich in das Gedächtnis des 67-Jährigen einbrannte, es waren vor allem die Szenen nach dem letzten gespielten Punkt. Die Max-Schmeling-Halle, bis auf den letzten Platz gefüllt, stand und applaudierte - nicht nur den Meister-Spielern, sondern eben auch dem gegnerischen Coach. Der wiederum war sichtlich gerührt, ob des Respekts von den eigentlich verfeindeten Fans. Das Berliner Publikum zeigte ein gutes Gespür für die außergewöhnliche Karriere des Rumänen. Niemand hatte den deutschen Volleyball in den letzten 25 Jahren so sehr geprägt wie Stelian Moculescu. Bei seiner Vorstellung betonte der Neu-Berliner den prägenden Einfluss dieses Abends auf seine Entscheidung: "Ich habe in den anderthalb Jahren seit meinem Abschied beim VfB Friedrichshafen viele Angebote aus dem Ausland erhalten, diese jedoch alle ausgeschlagen. Jetzt hat Berlin angerufen. Und nach dem besonderen Abschied, der mir hier bereitet wurde, konnte ich nicht nein sagen", berichtete Moculescu.

Moculescu und die BR Volleys verbindet eine waschechte Hassliebe. Bewusst überspitzt formuliert, verbindet die wohl auch die Trainer-Ikone und seinen neuen Manager Kaweh Niroomand. Beide haben den Deutschen Volleyball nachhaltig geprägt, beide gerieten in den vergangenen Jahren immer wieder verbal aneinander. Vor drei Jahren sprach Niroomand noch von einem "Nicht-Verhältnis" zwischen den Streithähnen. "Unser Verhältnis war geprägt von unserem beiderseitigen Ehrgeiz. Da können auch mal nicht so nette Worte fallen", sagte Niroomand. Jetzt versicherte der Manager: "Das Kapitel ist abgeschlossen. Stelian ist eine Trainerlegende." In Berlin sollen die zwei Alpha-Männchen nun zusammenarbeiten. Niroomand, der sich durchaus auch hin und wieder in sportliche Belange einmischt, leitet mit dem Trainer- auch einen Paradigmenwechsel ein. Der geschasste Luke Reynolds stand für mehr Mitbestimmung seitens der Spieler - auf allen Ebenen. Moculescu steht für einen autoritären Führungsstil.

Eine Saison zum Vergessen fordert Paradigmenwechsel

Unter Reynolds hatten die BR Volleys etliche Enttäuschungen zu verkraften. Im Supercup unterlag die Mannschaft dem VfB Friedrichshafen, im Pokal-Viertelfinale stolperte sie zu Hause über den TSV Herrsching. Zudem hat das Team in dieser Saison im Verlauf der Bundesliga-Hauptrunde schon vier Niederlagen kassiert, so viele wie seit sechs Jahren nicht mehr. Ein schwacher Auftritt zuletzt beim 0:3 bei der SVG Lüneburg beschleunigte die Entscheidung, sich von Reynolds zu trennen. "Er hat die Mannschaft nicht mehr erreicht, hat keine Impulse, keine Reize mehr gesetzt", sagte Niroomand.

Mit Stelian Moculescu kommt jetzt ein Trainer-Urgestein. Der Rumäne unterbrach extra seinen Gran-Canaria-Urlaub und sitzt zum ersten Mal am kommenden Mittwoch in der Champions League gegen die Weltklasse-Mannschaft von Zenit Kazan auf der Bank. Der "Erzfeind" auf der Bank, so könnte das Motto dieses Spiels lauten. Jetzt muss der 19-malige Deutsche Meister, 21-malige Pokalsieger und Champions-League-Sieger Moculescu erst einmal seine Mannschaft kennenlernen. "Wir brauchen jetzt jemanden, der mit harter Hand durchgreift und uns sofort hilft", sagte Kaweh Niroomand. Der erfahrene Moculescu könnte da genau der Richtige sein.

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