Das Logo des SV Babelsberg 03 im Karl-Liebknecht Stadion in Potsdam (Quelle: dpa/Ralf Hirschberger)
Video: rbb aktuell | 02.02.2018 | Daniel Gäsche | Bild: dpa/Ralf Hirschberger

NOFV-Ultimatum - Der SV Babelsberg muss mit dem Schlimmsten rechnen

Showdown im Nordosten der Fußball-Republik: Der Regionalverband will den Viertligisten SV Babelsberg 03 zur Zahlung einer Geldstrafe zwingen. Die Frist sollte um Mitternacht auslaufen, doch die Nulldreier wollen nicht zahlen - daher droht ihnen der Zwangsabstieg.

In der Regionalliga Nordost droht der Streit zwischen dem Nordostdeutschen Fußballverband (NOFV) und dem SV Babelsberg zu eskalieren. Die Potsdamer wollen eine für Freitag gesetzte Frist zur Zahlung einer Geldstrafe in Höhe von 7.000 Euro verstreichen lassen. Das bestätigte der Vorstandsvorsitzende des SV Babelsberg, Archibald Horlitz, am Donnerstag rbb|24.

Nulldreier wollen aus Protest nicht zahlen

Dem Klub droht der Ausschluss vom Spielbetrieb, zahlen will Babelsberg die Strafe aus Protest dennoch nicht. Stein des Anstoßes sind Ausschreitungen im Spiel der Vorsaison zwischen Babelsberg und Energie Cottbus am 28. April (2:1). Beide Vereine waren wegen Pyrowürfen und eines Platzsturms zunächst nur zu Geldstrafen und einem Geisterspiel bestraft worden. Auf rassistische und antisemitische Schmähungen aus dem Cottbuser Block reagierte der Verband nach Bekanntwerden erst später.

In einem zweiten Verfahren wurde Energie nachträglich zu einer Zahlung von 5.000 Euro verurteilt. Dieses Urteil wurde später jedoch wegen "eines Verfahrenshindernisses" aufgehoben.

Sollte der NOFV den SV Babelsberg tatsächlich vom Spielbetrieb ausschließen, rechnet Horlitz mit dem Schlimmsten. Diese bisher nie angewendete Strafe sei "quasi die Todesstrafe für einen Verein, da dies eine Insolvenz fast zwangsläufig nach sich zieht", sagte Horlitz am Freitag. "Hier scheint der NOFV jegliches Augenmaß verloren zu haben."

DFB-Kontrollausschuss legte Revision ein

Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) legte Revision gegen die Verurteilung des SVB ein, DFB-Vizepräsident Rainer Koch äußerte "erhebliche Bedenken an der Rechtmäßigkeit" der Entscheidung. Babelsberg stört sich vor allem daran, dass in der ursprünglichen Urteilsbegründung aufgeführt wurde, dass ein Babelsberger Fan "Nazischweine raus" gerufen habe.

Der urteilende Richter Stephan Oberholz bewertete dies zuletzt als Fehler. Dass Cottbus letztlich für die rassistischen Beleidigungen verurteilt wurde, zugleich aber keine Neubewertung des eigenen Urteils stattfand, ist für Babelsberg "weder begründet, noch sonst wie nachvollziehbar". Der Verein lasse sich nicht verbieten, gegen Rassismus und Antisemitismus zu protestieren, sagte Horlitz am Freitagabend dem rbb. "Das kann nicht sein, dass sich ein Sportgericht herausnimmt, uns dafür zu verurteilen."

"Die zeigen uns den ausgestreckten Mittelfinger"

Man akzeptiere den Strafanteil für Pyro, "aber nicht die Urteilsbegründung", sagte Horlitz. Auch die Höhe der Strafe stehe in keiner Relation. Die finanziellen Sanktionen gegen Cottbus seien anders als bei Babelsberg nachträglich verringert worden. Dass der NOFV die Potsdamer am Donnerstag wegen Ausschreitungen in einem anderen Spiel verurteilte, empfindet Horlitz als Provokation. "Der NOFV zeigt uns den ausgestreckten Mittelfinger und kippt weiter Benzin ins Feuer, während wir uns um Deeskalation bemühen", sagte er.

NOFV-Verbandsführung will ernst machen

NOFV-Geschäftsführer Holger Fuchs bekräftigte derweil Babelsbergs Zahlungspflicht im MDR: "Die Frist endet um 24 Uhr. Wir werden am Montag prüfen, ob Geld eingegangen ist oder nicht." Der dem NOFV zugehörige DFB-Vizepräsident Erwin Bugar ergänzte: "Wir werden den Tag abwarten. Wenn die Frist verstreicht, werden wir Konsequenzen daraus ziehen." Babelsberg müsse ohne die fällige Zahlung mit dem Abstieg rechnen. "Es geht nicht anders. Die Frage der Glaubwürdigkeit des NOFV steht auf dem Spiel."

Sendung: rbb Aktuell, 01.02.2018, 21.45 Uhr

Kommentar

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6 Kommentare

  1. 6.

    Das Problem ist doch nicht die Strafe an sich. Das Problem ist doch, dass die SV03 Fans selbst den Anlass zu dieser Strafe lieferten. Wenn ich bei rot mit dem Auto über die Kreuzung fahre, brauch ich mich doch auch über ein Bußgeld nicht zu wundern. Wenn die Gegenseite sonst etwas schreit, gibt das den SV03 Fans noch lange nicht das Recht, gleiches zu tun.

  2. 5.

    Ich verstehe sowieso nicht, warum Sportverbände in Deutschland privat organisiert sind. Das Verkürzt den Rechtsschutz (zB Schiedsgerichte) und öffnet Missbrauch und Korruption Tür und Tor.

  3. 4.

    und die Funktionäre wundern sich immer noch, dass sich die Basis immer mehr von den Verbänden abwendet? Im Amateurbereich ist "der Verband" nur noch als Geldeintreiber oder Strafeneintreiber bekannt in meinem alten Fußballkreis wurden die SR dazu animiert Pässe auf die kleinsten Verstöße (z.B. vermeintlich zu altes Foto etc) zu prüfen und zu melden, damit Strafen verhängt werden können. Man brauchte das Geld, da durch den Spielbericht Online die ganzen Strafgelder für zu späte Ergebnismeldungen oder fehlende Kreuze auf dem Spielbericht weggefallen waren. das sind unsere "Verbände"... kassieren überall Gebühren und Strafen - natürlich alles nur um uns im Amateurbereich zu unterstützen...ist ja für uns... schließt Geheimverträge mit der DfL damit die nicht so viel an die Amateure abgeben muss, Korruption... Aber einmal im Jahr bekommt ein Verein im Kreis einen Ball geschenkt und man macht hübsche Bilder für die Presse Hashtag#Alles für die Amateure Widerlich!!!!!

  4. 3.

    Schön das es die Nazis bis in die Sportgerichte geschafft haben. Land der Richter und Henker.

  5. 2.

    Der NOFV beschädigt seine Glaubwürdigkeit immer mehr. Warum macht er sowas?
    Oder geht es hier nicht um den NOFV, sondern um persönliche Vorlieben einigte Funktionäre?

  6. 1.

    Sollten irgendwelche finanziellen Nachteile aus dem rechtswidrigen Verhalten des NOFV für Babelsberg 03 entstehen (durch eine elementar falsche Schiedsgerichtsentscheidung, Verhalten des Geschäftsführers) kann ich mir gut vorstellen, dass der Verband dafür letztlich Schadensersatz leisten muss (§ 31 BGB). Und zwar solange das Schadensereignis (Abstieg) fortwirkt.

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