SV Babelsberg 03 - FC Energie Cottbus im Karl-Liebknecht-Stadion am 28.04.2017 (Quelle: imago/Björn Draws)
Bild: imago sportfotodienst/Björn Draws

Nach Skandalspiel zwischen Cottbus und Babelsberg - DFB-Gericht entscheidet über Strafe gegen Energie Cottbus

Das Derby zwischen Babelsberg 03 und Energie Cottbus im April 2017 schlug wegen der Ausschreitungen hohe Wellen - und tut es immer noch. Im Fall der Strafe gegen Cottbus fällt das DFB-Bundesgericht am Dienstag ein Urteil.

Durch hohe Sicherheitsvorkehrungen sollte das brisante Duell zwischen dem SV Babelsberg 03 und dem FC Energie Cottbus in der Regionalliga Nordost ordentlich über die Bühne gehen. Doch bereits Mitte der ersten Halbzeit an diesem 28. April 2017 eskalierte die Situation auf den Rängen des Karl-Liebknecht-Stadions. Cottbuser Fans stürmten den Platz, aus beiden Fanlagern wurde Pyro-Technik abgefeuert. Auch rassistische und antisemitische Rufe waren aus dem Cottbuser Gästeblock zu vernehmen. Das Spiel endete 2:1 für die Potsdamer, doch das Ergebnis wurde schnell zur Nebensache.

Das Skandalspiel trat eine Welle der Empörung, aber auch eine Reihe von Verfahren los, die bis zum heutigen Tag anhalten. Der Nordostdeutsche Fußball-Verband (NOFV) und dessen Rolle in der Aufarbeitung der Ereignisse riefen sogar den Deutschen Fußball-Bund auf den Plan, der sich des Verfahrens annahm. Am Dienstag soll in Frankfurt am Main eine Entscheidung fallen, wie es in der Causa Energie Cottbus weitergeht. Eine Chronologie der Ereignisse.

28. April 2017

Die Regionalligapartie zwischen dem SV Babelsberg 03 und Energie Cottbus ist keine halbe Stunde alt, als trotz hoher Sicherheitsmaßnahmen die Situation auf den Rängen eskaliert. Ein Platzsturm, Pyrotechnik und das Skandieren antisemitischer Parolen führen zu zweimaliger Unterbrechung der Partie. Die Begegnung steht kurz vor dem Abbruch. Rufe wie "Arbeit macht frei - Babelsberg 03" oder "Zecken, Zigeuner, Juden - Babelsberg" ertönen während des Spiels  aus dem Cottbuser Fanblock. Wenige Tage Später verurteilt Energie Cottbus die Ereignisse rund um das Spiel. "Das sind Kriminelle", gibt Energie Präsident Michael Wahlich über die Beteiligten Fangruppierungen zu Protokoll.

22. Juni 2017

Der Nordostdeutsche Fußball-Verband (NOFV) verurteilt Energie Cottbus nach den Geschehnissen beim Auswärtsspiel in Babelsberg zu 10.000 Euro Strafe und zu einem Heimspiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Zusätzlich bekommen die Lausitzer nach mehrmaligen Verfehlungen der eigenen Fans bei den Spielen in Bautzen, Meuselwitz und Leipzig weitere 6.000 Euro Strafe aufgebrummt. Insgesamt wird Energie also mit 16.000 Euro zur Kasse gebeten. "Das Urteil ist für uns katastrophal", heißt es auf der Webseite der Cottbuser.

In der Urteilsbegründung des NOFV fehlen die antisemitischen Parolen aus dem Cottbuser Fanblock. Die Strafe wird ausschließlich wegen des Abbrennens von Pyrotechnik und des Platzsturms ausgesprochen.  

Energie Cottbus geht gegen das Urteil in Berufung.

24. Juli 2017

Energie Cottbus hat mit dem Widerspruch Erfolg. Das Geisterspiel ist vom Tisch und von den 10.000 Euro Strafe werden 4.000 Euro zur Bewährung ausgesetzt. Zusätzlich muss Energie beim Auswärtsspiel in Babelsberg im April 2018 ohne eigene Fans auskommen und an den Gastgeber eine Ausgleichszahlung überweisen.

25. und 29. September 2017

Gegen die Babelsberger wiederum war eine Strafe von 7.000 Euro ausgesprochen worden. Auch sie gehen in Berufung, doch scheitern damit. Babelsberg-Präsident Archibald Horlitz schreibt einen offenen Brief an DFB-Präsident Reinhard Grindel.

Daraufhin wird ein neues Verfahren gegen Energie Cottbus eingeleitet, bei dem auch auf die rechtsradikalen Parolen eingegangen werden soll. "Nur in absoluten Ausnahmefällen hat der DFB-Kotrollausschuss das Recht, Verbandsgerichtsentscheidungen vor dem DFB-Bundesgericht überprüfen zu lassen. Dies gilt insbesondere bei rassistischem Verhalten. Das ist bei Energie Cottbus der Fall", begründet DFB-Vizepräsident Rainer Koch die Entscheidung.

24. November 2017

Der NOFV reagiert im neu eingeleiteten Verfahren: Der FC Energie Cottbus wird wegen des unsportlichen diskriminierenden Verhaltens seiner Anhänger zusätzlich mit einer Geldstrafe in Höhe von 5.000 Euro belegt, wovon 2.000 Euro für präventive Maßnahmen gegen Rechtsextremismus und Rassismus verwendet werden können.

25. November 2017

Energie Cottbus zeigt sich verwundert über das neuerliche Urteil und geht am 1.12.2017 in Berufung. Die Argumentation: Die doppelte Verurteilung für ein und denselben Sachverhalt trotz bereits rechtskräftiger Strafe sei nicht zulässig.  

10. Januar 2018

Der Cottbuser Berufung wird seitens des NOFV voll umfänglich stattgegeben.

17. Januar 2018

Doch nun schaltet sich wieder der DFB ein. Der DFB-Kontrollausschuss legt beim DFB-Bundesgericht fristgerecht Revision gegen das Urteil des NOFV-Verbandsgerichts ein und zieht damit das Verfahren an sich.

31. Januar 2018

Der FC Energie Cottbus ruft erstmalig einen "Tisch der bunten Vielfalt" zusammen, an dem Vertreter des Vereins, des Verbandes, des Innenministeriums, des Verfassungsschutzes und anderer gemeinsame Ziel zur Positionierung für demokratische Werte, Vielfalt und Toleranz festlegen.

14. Februar 2017

Unterdessen geht auch der Konflikt zwischen dem SV Babelsberg 03 und dem NOFV weiter. Die Babelsberger wurden für das Abbrennen von Pyrotechnik verurteilt. Weil in der Urteilsbegründung jedoch weitere Vorwürfe gemacht wurden, eskalierte die Situation: So wurden die Babelsberger auch belangt, weil Anhänger als Antwort auf antisemitische Gesten und Äußerungen aus dem Cottbuser Fanblock "Nazischweine raus!" gerufen hatten. Der Verein weigerte sich, die Strafe zu zahlen. Ein Spielausschluss drohte.

Am 14. Februar kündigen Babelsberg und NOFV schließlich  in einer gemeinsamen Pressemitteilung schließlich eine Art Friedensgipfel an. Der Termin im März biete allen Beteiligten die Möglichkeit "der Vorbereitung einer lösungsorientierten Gesprächsführung", hieß es.

DFB-Urteil am 27.02.2018

Am Dienstag wird sich das Bundesgericht des DFB nun zu dem Urteil des NOFV vom 10. Januar äußern, mit dem der Verband dem Cottbuser Widerspruch gegen eine neuerliche Strafe Recht gegeben hatte.

Sendung: rbb um6, 27.02.2018, 18 Uhr

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