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Abendschau | 20.02.2018 | Sabrina Wendling | Bild: rbb

Müller für erneute Olympia-Bewerbung Berlins - Der Bär träumt wieder von den Ringen

Offenbar euphorisiert von den Winterspielen in Südkorea hat Altkanzler Gerhard Schröder eine erneute Olympia-Bewerbung Berlins angeregt. Und immer mehr steigen drauf ein. Auch Berlins Regierender Bürgermeister Müller ist dafür. Unter einer Bedingung.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller zeigt sich offen für eine Olympia-Bewerbung der deutschen Hauptstadt. "Paralympische und Olympische Spiele gehören zu den herausragenden und mitreißendsten Sportereignissen weltweit", sagte der SPD-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. "Die internationale Sportmetropole Berlin mit ihren ausgezeichneten Wettkampfstätten ist ein exzellent geeigneter Kandidat für die Austragung der Spiele."

Müller will nur exklusive Bewerbung Berlins

Allerdings muss aus seiner Sicht hinter einer möglichen Bewerbung ganz Deutschland stehen. "Sollte es den Willen geben, die Spiele nach Deutschland zu holen, bedarf es einer nationalen Bewerbung, hinter der sich Sport und Politik in Bund und Land geeint versammeln", so Müller. "Ein neuerliches Schaulaufen um den nationalen Bewerber darf sich nicht wiederholen."

2015 war Berlin bei einem nationalen Vorausscheid Hamburg unterlegen, ehe eine knappe Mehrheit der Hansestädter bei einer Volksabstimmung gegen Olympia votierte.

In der vergangenen Woche hatte sich der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) für eine neue deutsche Olympia-Bewerbung stark gemacht. Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur sagte er am Rande der Winterspiele in Pyeongchang: "Ich fände es gut, wenn wir uns noch einmal bewerben würden. Der einzige Ort, der eine Chance hätte, wäre Berlin." Auch Berlins Innensenator Andreas Geisel und Präsident der Handball-Füchse, Frank Steffel, hatten sich für eine erneute Olympia-Bewerbung der Stadt ausgesprochen.

rbb|24-Nutzer haben klare Meinung zu Olympia

Deutlich weniger euphorisch zeigte sich der Präsident des Landessportbundes, Klaus Böger. "Ich war schon so oft in meinem Leben für Olympia begeistert, ich habe die Schnauze voll für die Spielerchen hü und hott. Ich sage: Das steht gegenwärtig nicht an", so Böger in der rbb-Abendschau. "Was ich nie mehr will in Deutschland ist ein perverse Städtewettbewerb."

Das Zwischenergebnis der aktuellen rbb|24-Olympiaumfrage ist jedenfalls deutlich: 66 Prozent der Teilnehmer sind gegen eine erneute Bewerbung der Stadt.

Steuerzahlerbund warnt vor "Verschwendung"

Der Bund der Steuerzahler Berlin kritisierte die Neuauflage der Olympia-Debatte und erinnerte an die "beispiellose Verschwendung von Steuergeldern" bei der Bewerbung um die Spiele im Jahr 2000. „Es darf diesmal der Regierung nicht wieder so leicht gemacht werden, zusammen mit den beteiligten Wirtschaftsunternehmen die Staatskasse zu plündern“, sagte der Berliner Vorsitzende des Steuerzahlerbundes, Alexander Kraus. Laut einem Bericht des Landesrechnungshofes, der bis heute unter Verschluss sei, habe die Olympia GmbH in den Jahren 1991 bis 1993 Zuwendung aus Landes- und Bundesmitteln von insgesamt 54,8 Mio. DM erhalten, so der Steuerzahlerbund. Es habe "unangemessen hohe Personal- und Honorarausgaben" gegeben. Aufträge in Millionenhöhe seien "mündlich erteilt" worden. Und Vertragsunterlagen hätten später in den Akten gefehlt, wichtige Papiere seien vernichtet worden.

Sollte sich Berlin noch einmal für Olympische Spiele bewerben, forderte Kraus "ein Höchstmaß an Transparenz, umfangreiche Prüfungsrechte des Rechnungshofes auch für privatrechtliche Bewerbungsunternehmen und die absolute Einhaltung von haushaltsrechtlichen Vorschriften".

Sendung: Inforadio, 21.02.2018, 07:00 Uhr

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34 Kommentare

  1. 34.

    Nichts dagegen einzuwenden. Aber die Finanzierung einer Olympiade sollte schon stimmen, aber nicht auf Kosten der Steuerzahler.
    Denn wie ist es bis jetzt? Der Bürger zahlt, die IOC-Obrigkeiten streichen sich hohe Saläre ein und der Breitensport geht kaputt.

  2. 33.

    Hallo,
    mir ist der Bericht zu subjektiv in eine Richtung. Als ÖR-Sender hätte ich mir mehr Objektivität gewünscht. Es gibt nämlich auch viele Vorteile von Olympischen Spielen in Berlin. Aber von vornherein Nein zu sagen finde ich nicht in Ordnung.
    Grüße Felix

  3. 32.

    Nicht zur Ehrenrettung Berlins, vielmehr aus Gerechtigkeitsempfinden:
    In einer Zeit, in der in Buenos Aires für Stockholm und in Chicago für Shanghai geplant wird, ohne dass die jeweiligen Architekten auch nur einen Fuß auf das überplante Gelände setzen müssen, steht Berlin da nicht alleine da.

    Bodenständige Planung hat eben etwas mit UNmittelbarer Anschauung zu tun und mit praktischer HANDhabe ...

  4. 31.

    Sehr gut: Wenn man mit seinem Latein am Ende ist, bleibt einem immer noch die Hoffnung, vom eigenen Scheitern mit Spielen abzulenken - wenn es schon mit dem Brot nicht mehr so richtig klappt.

    Sein Gespür dafür, wie die Berliner ticken und was sie umtreibt, hat Herr Müller ja bereits beim Volksentscheid zur Bebauung des Tempelhofer Feldes, unter anderem mit einer schicken Bibliothek, an der sich die lieben Untertanen doch hätten erfreuen sollen, bewiesen (er war, niemand erinnert sich daran, damals Stadtentwicklungssenator). Selbst Klaus Böger (Ex-Fraktionsvorsitzender der SPD, Ex-Senator) zeigt da mehr politisches Talent. Aber Herr Müller sollte sich nicht sorgen: Aller Voraussicht nach ist er bald sowieso nicht mehr Regierender Bürgermeister, weil seine Partei bei den nächsten Wahlen auch in Berlin nur noch auf dem dritten oder vierten Platz landet.

  5. 30.

    Ansichstsache lieber Horst; mich reißt da gar nichts mit und hat es auch noch nie. Ich fand es noch nie reizvoll, anderen dabei zuzusehen, wie sie möglichst schnell im Kreis rennen, Gegenstände (Speere, Diskus, Eisenkugeln)möglichst weit von sich schleudern, auf Brettern Hänge herunterrasen und was mensch sich da so einfallen lässt. Sollen Sie machen, wenn Ihnen das Erfüllung bringt. Aber warum sollte ich das toll finden und viel Geld (Steuergeld) dafür (mit)bezahlen? Nein, Menschen, die sich auf so beschränktes Ziel fokussieren und bereit sind, dafür ihre Körper zu ruinieren, haben imho keine Vorbildfunktion. Mal abgesehen davon, haben diese Spektakel mittlerweile ein Ausmaß an Kommerzialisierung erreicht, dass mich einfach nur noch anwidert. Die olympischen Idee ist schon lange tot.

    Gruß
    Hajakon

  6. 29.

    Unser blasser Bürgermeister fabuliert von Olympia. Ja, so kann man auch von einer praktisch nicht existenten politischen Arbeit ablenken.
    Zum einen bezweifele ich stark, das er diese Pläne mit R2G überhaupt umsetzen kann, da ihm vermutlich der Rückhalt von Grünen und Linken fehlt. Zum anderen hat Berlin derzeit ganze andere Probleme, die es zu lösen gilt. z.B. sozialer Wohnungsbau, Flüchtlingskrise, personelle und strukturelle Probleme bei Polizei, Feuerwehr und Verwaltung, ausreichende Kita- und Schulplätze mit genügend Lehrkräften, und, und, und....

    Und noch eins. Wenn ich mir die Planung und Durchführung der Großbaustelle BER anschaue, wird mir bei der Planung eines Großereignisses wie Olympia Angst und Bange. Hat Berlin sich international mit dem BER-Desaster nicht ohnehin schon genug blamiert?

  7. 28.

    Lieber mal richtige Fahrradwege und ein Paar schöne (schöne!) Wohnungen bauen. Wenn uns dann langweilig wird können wir ja nochmal drüber sprechen, Michi.

  8. 27.

    Hat Herr Schröder auch gleich mal mit veröffentlicht, welche "Wohltaten" er zur Finanzierung des Proporzes umsetzen will? Die Agenda 2020 ließe dann grüßen, der Dumme ist der Steuerzahler, und rechte Rattenfänger freuen sich. Tolle Idee

  9. 26.

    Offensichtlich hat Hr. Müller nichts aus dem Größenwahnsinn seines Vorgängers gelernt der Berlin mit in seine bis heute anhaltende Krise gestürzt hat.

  10. 25.

    Bitte! Also bitte nicht natürlich. Überrascht ist man zwar nicht, wenn man das liest, denn die Berliner Verantwortlichen leiden ja gerne mal ein wenig unter Selbstüberschätzung oder gar Größenwahn. Aber überrascht ist man schon ein wenig, dass ausgerechnet eine Stadt, die regelmäßig unter Beweis stellt, dass sie weder haushalten (oder hängt Berlin etwa nicht am Finanztropf der restlichen Republik?) noch irgend welche großen Projekte vernünftig planen (BER!) geschweige fertig stellen kann, dass ausgerechnet die nach so einem Großereignis schreien. Macht Eure Hausaufgaben, Leute, und wenn die fertig sind gut waren, unterhaltet Euch wieder über Olympia!

  11. 24.

    "München leider ja bekanntlich nicht an Armut...... "

    Gegenüber den heutigen finanziellen Anforderungen nehmen sich die seinerzeitigen Kosten regelrecht bescheiden aus. Selbst, wenn das damalige Preisniveau mit berücksichtigt wird.

    Irgendwann ist der Rubikon eben überschritten und es wäre in Hype, das nicht zur Kenntnis zu nehmen.
    Die Münchner und diejenigen in Garmisch-Partenkirchen haben das zur Kenntnis genommen.

  12. 23.

    Wollen etwa die gleichen Leute, die noch nicht einmal einen Flughafen bauen können, jetzt sogar die Olympischen Spiele? Das ist der Witz des Tages! Bis dahin ist der neue Flughafen immer noch nicht betriebsbereit und die Gäste kommen dann mit der Postkutsche nach Berlin. Satire kann nicht besser sein.

  13. 22.

    Schon wieder mal eine schwachsinnige und extrem teure Bewerbung. Berlin kann keine Großprojekte. Und viele Menschen wollen das auch nicht. Das ist alles reine Geldverschwendung gegenüber den Steuerzahlern.

  14. 21.

    Der Berliner Bär ist schon jetzt ein Problembär!
    Mit einer Olympiabewerbung, wo das kommerzgeile IOC die Bedingungen diktiert und vor dem Hintergrund gescheiterter Großprojekte wird das Zotteltier ein Chaosbär!!!
    Der ist dann nicht mehr zu domestizieren!!!
    Die einzige deutsche Stadt, die fähig wäre Olympische Spiele auszurichten, ist München!!!
    Doch da spielt bestimmt die Bevölkerung nicht mit!

  15. 20.

    nur weil irgendein Altkanzler meint, Berlin muss jetzt doch noch Olympia bekommen, heisst das noch gar nichts ....denn selbst Olympia kann Berlin nicht .. neben Fussball, BER ... Berlin ist pleite .. aus und fertig ...

  16. 19.

    Ich kann mich dem Tenor hier nur anschließen.

    Einerseits ist Olympia im Ganzen leider nicht das, was es sein sollte und auch könnte, nämlich ein gelebt internationales Sportereignis als Anlass zur Völkerverständigung und Inklusion, in allen Aspekten - es ist in der Realität aber ein von Leistungsideologie durchzogener Wettbewerb mit Verwertungsinteressen in allen Aspekten, das schließt Korruption und Doping mit ein.

    Andererseits gibt es, nicht nur in Berlin, so viele sozial- o. auch sportpolitische Aufgaben, die so langfristig bestehen werden, dass man zunächst diese angehen sollte. Leider steht Berlin zudem für den generellen Ausverkauf, nicht nur im Wohnungsmarkt. Klar, dass in den Augen von abgehobenen Privilegierten neben bisher angekurbelten (und bislang gescheiterten) Prestigeprojekten Olympia ein weiteres wäre. Bodenständigkeit sieht anders aus. Ich hoffe nur, dass neben der klaren Absage an Olympia keine teuren Werbekampagnen dafür initiiert werden.

  17. 18.

    Vielleicht auch eine Chance

    Haben denn alle hier bereits die WM2006 vergessen? Solch ein Großereignis kann auch Möglichkeiten bringen, welche unter größerem Druck und mit entsprechenden Bundesmitteln umgesetzt werden. München leider ja bekanntlich nicht an Armut......

    Frage mich wer blos diesen Senat gewählt hat.....

    Ja es läuft hier einiges schief. Und der BER vorne weg (ist übrigens auch mit ein Brandenburger Projekt, ein Bundesland welches viele erfolgreiche Großprojekte gestemmt hat wie Cargoliftet, Chipfabrik.....).

    Also Schluss mit meckern und schauen wie man mit Möglichkeiten was ändern kann.....

  18. 17.

    Kann denn irgend Jemand mal den Größenwahn der Berliner Regierung (spez. des Regierenden) stoppen.
    Schaut Euch unsere Straßen, Geh- und Radwege an, weinen müsste die RRG bei dem Verfall unserer Stadt Berlin.

  19. 16.

    Die olympische Idee ist an der Gigantonomie zugrundegegangen. Solange der jeweils nachfolgende Ort den jeweils vorhergehenden Ort per Definition übertrumpfen muss, wird sich daran auch nichts ändern. Die Hamburger Bewerbung ist letztlich gescheitert, weil zur Gegenfinanzierung der astronomisch hohen Investitionen ein Medaillen-Soll seitens des Innenministeriums eingefordert wurde. Südkorea macht da augenblicklich besoffen, doch wenn eine Zehntel-Sekunde zwischen dem 1. und dem 4. Platz liegt, also zwischen Goldmedaille und dem Leer-Ausgehen, dann lässt sich mit Medaillen-Ertrag gerade NICHT planen. Mithin bliebe jeder Ort auf seinen Investitionen sitzen und könnte nur notdürftigst versuchen, den geschaffenen Stätten den Ruf der Nachhaltigkeit zu verschaffen. Das wird aber immer "krumm" und "schief" sein, weil es nichts Vergleichbares mit der Größenordnung von Olympia gibt.

    Als Mensch, der in Region wohnt und somit Mitbetroffener wäre: Ganz klar: Nein zur Olympia-Bewerbung!

  20. 15.

    Herr Müller, als Aufsichtsratvorsitzender des BER, sollte sich lieber zuerst um die Fertigstellung des Berliner Flughafens kümmern.
    Da hat er wohl genug zu tun, um diesen bis zu der nächsten Olympiade in Berlin in Betrieb zu bekommen.
    Die alten SPD-Genossen mit ihrem Vorreiter Altbundeskanzler Schröder träumen wohl noch von den alten glanzvollen Zeiten, in der ihre Partei noch eine große Volkspartei war.
    Aber Herr Schröder kann doch gern die Olympiade in Berlin durch Gazprom finanzieren lassen.

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