Im Fanblock des SV Babelsberg wird am 28.04.2017 beim Spiel gegen den FC Energie Cottbus Pyrotechnik gezündet. (Quelle: imago/Björn Draws)
Video: Brandenburg Aktuell | 08.02.2018 | J. Hellwig/S. Sperfeld | Bild: imago/Björn Draws

Verband räumt Fehler beim Urteil ein - Babelsberg 03 und der NOFV nähern sich an - langsam

Bis zum 14. Februar läuft die Zahlungsfrist für den SV Babelsberg 03. Bis dann müssen die Potsdamer 7.000 Euro an den NOFV überweisen, sonst droht der Spielausschluss. Am Donnerstag lud der Verband zu einer Pressekonferenz - und die begann kurios.  

Am Donnerstag sollte alles erklärt werden. Der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) hatte zur Pressekonferenz geladen. Mit von der Partie unter anderem der Präsident Rainer Milkoreit und der umstrittene Vorsitzende des Sportgerichts Stephan Oberholz. Wie so häufig in den letzten Tagen war das Verfahren gegen den SV Babelsberg 03 das Thema. Die Potsdamer sollen gegen ihren Willen 7.000 Euro Strafe zahlen.

Nun also der NOFV-Showdown. Die Möglichkeit, Missverständnisse auszuräumen, die in jüngerer Vergangenheit vor allem von Babelsberger Seite vehement angeprangert wurden - und das oft zu Recht. Der Verband gibt keine gute Figur ab im bisherigen Verlauf des Clinches mit dem SV Babelsberg 03. Den Vorwurf, "auf dem rechten Auge blind zu sein", muss er sich immer wieder gefallen lassen.

Unterschiedliche Herangehensweisen von Verband und Verein

Als die Pressekonferenz in Berlin-Rangsdorf beginnt, ergreift NOFV-Geschäftsführer Holger Fuchs das Wort. Soweit, so gewöhnlich. Doch nach ein paar Minuten dann das: "Bevor ich das Wort an den Präsidenten übergebe, bitte ich Sie, unserem Wunsch zu folgen, die Kameras abszuschalten und die Tonmitschnitte zu beenden", richtet sich Fuchs an die versammelten Journalisten. Keine Aufzeichnungen bei einer Pressekonferenz, das gibt es wirklich nicht alle Tage. Dabei gibt es so viel zu besprechen.

Der Auslöser für die Posse zwischen dem NOFV und dem SV Babelsberg 03 ist verhältnismäßig schnell beschrieben: Der Viertligist fühlt sich ungerecht behandelt. Nach dem Skandalspiel gegen Energie Cottbus im April 2017 waren die Babesberger für das Abbrennen von Pyrotechnik verurteilt wurden. Wäre in der Urteilsbegründung nur diese Straftat aufgeführt worden, die Potsdamer hätten die Strafe akzeptiert und die Situation zwischen Verband und Verein wäre mitnichten so eskaliert. Doch die Babelsberger werden auch für die "Nazischweine raus!"-Rufe, die als Antwort auf antisemitische Gesten und Äußerungen aus dem Cottbuser Fanblock erfolgten, verurteilt.

"Wir haben einen stilistischen Fehler gemacht"

Dann wurde also geredet. Zwei Stunden stellten sich die Funktionäre den Fragen der Journalisten. Und es wurde ein wenig heller am Ende des Konflikt-Tunnels. "Wir haben einen stilistischen Fehler gemacht", ließ sich der Vorsitzende des Sportgerichts des NOFV, Stephan Oberholz, entlocken. Der Verein sei nicht bestraft worden, weil aus Reihen der Babelsberger "Nazischweine raus!" gerufen worden sei. Dieser Satz sei fälschlich in das Urteil geraten. Für die Begründung sei entscheidend, dass im Fanblock Pyrotechnik gezündet worden war. Ein klare Annäherung und der Verusch, die verhärteten Fronten beider Parteien aufzuweichen.

Bis zum 14. Februar haben die Babelsberger Zeit, die 7.000 Euro Strafe zu bezahlen. Diese Frist bleibt bestehen. Eine Einigung ist zwar in Sicht, aber die Positionen sind noch weit auseinander. "Es muss jetzt eine Lösung geben", fügt Oberholz an. Der NOFV zeigt sich gesprächsbereit, in Kürze soll es einen Gesprächstermin mit den Babelsbergern geben - noch vor dem 14. Februar. "Ich wünsche mir einen ausdrücklichen Support des Verbandes, dass es richtig ist, gegen rassistische Auswüchse vorzugehen und würde mir wünschen, dass der Verband uns den Rücken stützt", sagte Babelsberg-Präsident Archibald Horlitz dem rbb.

Beide Parteien müssen wohl ein Stück von ihren Positionen abweichen, nur dann kann ein Schlußstrich unter die Posse gezogen werden, die nun schon ein Dreivierteljahr andauert.

Sendung: rbb um6, 08.02.2018, 18 Uhr  

Kommentar

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6 Kommentare

  1. 6.

    Liest ab und an mal jemand Korrektur? Oder haben Sie diesbezüglich einen Schlußstrich gezogen?
    Andererseits nicht so schlimm, wenn man lesen muss, dass der NOFV während einer Pressekonferenz verlangt, Film- und Tonaufnahmen zu unterlassen. Mussten auch alle Zitate der PK autorisiert werden?

  2. 5.

    Die Vorgänge rund um das Meisterschaftsspiel zwischen Energie Cottbus und dem SV Babelsberg, die letztlich zu der jetzigen Auseinandersetzung geführt haben als "Posse" zu bezeichnen halte ich für die eigentliche "Stilistische Fehlleistung" des verantwortlichen Journalisten.
    Mitnichten handelt es sich hier um ein lustiges Bühnenstück, sondern lässt an der Kompetenz der NOFV - Führung und deren Gerichtsbarkeit zweifeln. Dass es sich hier nicht um einen Einzelfall zu handeln scheint, belegen die Vorgänge um das Spiel zwischen Chemie und LOK Leipzig. Dass man nunmehr den Spielbeobachter der Partie, der von den rassistischen und antisemitischen Entgleisungen im Karl - Liebknecht - Stadion als einiger nichts mitbekommen haben will, allerdings einen einzelnen Mann mit rotem Pankerhaarschnitt identifizieren konnte zum Rassismusbeauftragten zu machen, spricht Bände. Dass die Pressekonferenz dann auch noch in einem Hotel stattfindet, welches wegen der deutlichen Nähe zur AFD und den "literaris

  3. 3.

    Die Lösung ist der Verband besteht nicht auf 7000 Euro aus einem Skandalurteil und entschuldigt sich für diese phänomenale Fehlleistung. Stephan Oberholz und alle Richter des Sportgerichts treten zurück von allem Funktionen im NOFV und es werden fähige, neutrale Richter anstatt dieser eingestellt. Und wenn das nicht dieses Mal passiert, dann wird der Druck beim nächsten Mal umso größer sein. Bei solchen Leute gibt es immer ein nächstes Mal.

  4. 2.

    Hoppla - eine Posse?
    Na, da haben wir doch schon den nächsten stilistischen Fehler. Unter einer Posse verstehe ich doch eine an sich unwichtige Sache, die einfach nur aufgebauscht wird. Ist dem so? Meint der Autor das tatsächlich?

  5. 1.

    Eine Urteilsbegründung, die lt. NOFV keine ist, ist also nach Lesart des NOFV ein stilistischer Fehler! Was wäre, wenn das einem ordentlichen Gericht "passiert" wäre?! Diese Verbandsführung ist untragbar!!!

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