Oberbürgermeister Jann Jakobs bezieht Stellung zum SV Babelsberg 03. (Quelle: imago/Martin Müller)
Audio: Antenne Brandenburg | 05.02.2018 | Jann Jakobs | Bild: imago/Martin Müller

Potsdam-OB schaltet sich in Babelsberg-Verfahren ein - "Neonazis werden durch das Urteil ermuntert"

Der SV Babelsberg 03 soll 7.000 Euro Strafe zahlen, weil Fans im Spiel gegen Energie Cottbus Pyrotechnik abbrannten. Der Verein sträubt sich aber, denn: Im Urteil beanstandet der Nordostdeutsche Fußballverband auch Anti-Nazi-Rufe. Der Streit geht in die nächste Runde.

Der Streit zwischen dem Regionalligisten SV Babelsberg 03 und dem Nordostdeutschen Fußballverband (NOFV) spitzt sich zu. Die Brandenburger waren wegen des Abbrennens von Pyrotechnik im Spiel gegen Energie Cottbus im April 2017 zu einer Strafe von 7.000 Euro verurteilt worden. Ein Ultimatum für die Zahlung war am Freitag abgelaufen. Der Verein beklagt, dass in der Urteilsbegründung auch aufgeführt wurde, dass ein Babelsberger Fan "Nazischweine raus" in Erwiderung von Attacken Cottbuser Anhänger gerufen habe. "Solange auch nur der leiseste Anschein erweckt wird, dass das sanktioniert wird, können wir das Urteil nicht akzeptieren", sagte Vorstandschef Archibald Horlitz. "Die Sanktion für das Abbrennen von Pyrotechnik nehmen wir hingegen hin."

Am Montag meldete sich auch der Potsdamer Oberbürgermeister Jann Jakobs. Der SPD-Politiker sagte dem rbb, dass das Verhalten von den Cottbuser Fans ausgegangen sei. "Das ganze Verhalten ist eindeutig rechtsradikal und das ist Neonazitum, was sich dort geäußert hat. Der Nordostdeutsche Fußballverband muss sich gut überlegen, mit welchen Auswirkungen ein Urteil verbunden ist", so Jakobs. "Im Augenblick müssen sich die Nazis durch das Urteil regelrecht ermuntert fühlen. Von daher halte ich es für dringend revisionsbedürftig."

NOFV verteidigt Vorgehen - Babelsberg reagiert

Das wollte der NOFV nicht unkommentiert lassen und veröffentlichte am Montagnachmittag eine Pressemitteilung. Darin gab der Verband an, das Sportgericht sei bis zum Urteil nicht "auf rechte Parolen, Hitlergrüße, etc. hingewiesen" worden. Zudem habe der SV Babelsberg bei seiner Berufung gegen das Urteil vor dem Sportgericht Formfehler begangen: Eine Unterschrift soll gefehlt haben, dadurch war die Berufung unzulässig. Der NOFV gab an, der Verzicht auf die Strafzahlung der Babelsberger sei dem Verband "rechtlich nicht möglich."

Darauf wiederum regierte der SV Babelsberg umgehend mit einer Stellungnahme. Darin wirft der Verein dem NOFV konsequentes Lügen vor. So habe man das Sportgericht bereits im Verfahren auf verfassungsfeindliche und volksverhetzende Entgleisungen im Gästeblock hingewiesen. Eine Unterschrift sei im Falle der Berufung laut Satzung nicht notwendig gewesen.  

Bis kommenden Donnerstag will der NOFV nun darüber entscheiden, ob beim Verbandsgericht ein Antrag auf ein Verfahren gegen den SV Babelsberg 03 gestellt wird. "Bis dahin gibt es keine Verlautbarungen", sagte Verbands-Geschäftsführer Holger Fuchs am Dienstag. Bei einer möglichen Verurteilung könnte eine Spielsperre drohen, nicht aber ein Zwangsabstieg, über den in den Medien bereits spekuliert worden war.