Die PotAS-Kommission bei der Präsentation an der Universität Potsdam(Quelle: rbb)
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Förderung von Spitzensportlern - Die Lorbeeren von gestern sind zukünftig nicht mehr genug

Im Gegensatz zu den Olympischen Winterspielen hatten Leichtathleten, Schwimmer und andere bei Sommerspielen zuletzt immer seltener Grund zum Jubeln. Deshalb soll die Sportförderung reformiert werden. In Potsdam wurde nun erklärt, wie das aussehen soll.

Der deutsche Sport hat ein neues Zauberwort: Potenzialanalysesystem heißt es. Oder in knackig: Potas. Ein computerbasiertes Berechnungsmodell, um die Erfolgsaussichten von Athleten, Sportarten und Verbänden zu prognostizieren und sie dementsprechend finanziell zu fördern. Potas ist Teil der Leistungsportreform, die Ende 2016 auf der Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) beschlossen wurde.

Der deutsche Spitzensport reagiert damit auf einen kaum zu übersehenden Abwärtstrend. 42 Medaillen brachten die deutschen Athleten 2016 von den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro mit, 1992 in Barcelona waren es noch derer 82. Der scheidende Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hatte daher "deutlich mehr Mittel" für den Spitzensport angekündigt, aber gleichzeitig eine Neustrukturierung der Förderung angeregt. Bislang unterstützte das Innenministerium Leistungssportler mit 170 Millionen Euro pro Jahr.

Drei Cluster-Gesellschaft

Das bisherige Fördersystem blickte vor allem in die Vergangenheit. Erfolg wurde mit viel Geld belohnt, bei Misserfolg wurde die Förderung gedrosselt. Die Konsequenz: Starkes wurde weiter gestärkt, schwächelnde Sportarten gerieten in einen Negativstrudel. Mit Potas sollen nun nicht nur die Erfolge zählen, sondern zudem Perspektiven und Strukturen in den Fokus rücken. Mit 16 Hauptattributen, 53 Unterattributen sowie 151 Fragen nähert sich Potas dem Leistungsvermögen von Sportlern und Disziplinen, um sie schließlich in eine von drei Gruppen einzuordnen, den sogenannten Clustern.

Diese unterteilen sich in das Exzellenzcluster, das Potenzialcluster und das Cluster mit wenig oder ohne Potenzial. Erreicht eine Sportart das Exzellenzcluster, werden die Förderwünsche zu 100 Prozent erfüllt. In dem zweiten Bereich gibt es Abstufungen der Förderung und im dritten Cluster gar nichts. Urs Granacher, Vorsitzender der Potas-Kommission, gab sich bei einer Pressekonferenz am Montag in Potsdam alle Mühe, das Sprachungeheuer "Potenzialanalysesystem" zu entzaubern.

Transparente und objektive Finanzierung

Bis Anfang Juni will der DOSB noch die Wintersport-Verbände befragen und durch das neue System bewerten lassen. Anschließend werde in die drei Cluster eingeteilt, erklärte Granacher. "Wir sind durch Potas in der Lage, die Vergabe von durchaus relevanten Finanzmitteln an die Bundessportfachverbände in gewissen Höhen transparent und objektiv zu dokumentieren", sagte Granacher. "Warum bekommt der Deutsche Schwimmverband Summe X und der Deutsche Radsportverband eine Summe Y?" Nun wird deutlich, dass Sportarten, die Medaillen bringen, auch weiterhin den größten Anteil an den Fördergeldern bekommen werden.

Chancen und Nachteile

Doch auch andere, die zuletzt nicht so erfolgreich waren, hoffen auf mehr Finanzmittel. So wie Ruben Goebel, er ist Leistungssport-Direktor beim Deutschen Schwimmverband. Das Potenzialanalysesystem sieht er als Motivation. "Wir sehen einfach die Chance darin, uns auch für die Zukunft, für die nächsten vier bis zehn Jahre so professionell aufzustellen, wie wir es ohne Potas eventuell nicht schaffen würden."

Wird durch das neue System der Leistungsdruck auf Sportler und Verbände erhöht? Dirk Schimmelpfennig, Leistungssport-Direktor vom DOSB, versuchte zu beruhigen: "Wir schauen uns noch mal genau an, welche Athleten für die nächsten und übernächsten Spiele die meisten Chancen haben und mit welchen Programmen muss man das untersetzen." Es seien zudem auch Förderentscheidungen möglich, die durchaus im Widerspruch zu einem Cluster stehen können.

Ende des Jahres soll die Potas-gestützte Förderung des deutschen Spitzensports greifen. Ab dann sollen mögliche Medaillen besser finanziert werden und die Expertenrunde verspricht sich ebenfalls mehr Edelmetalle durch das Potenzialanalysesystem.

Sendung: rbb UM6, 12.03.2018, 18 Uhr

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