LGBT-Flaggen für mehr Toreranz im Fußball werden bei einem FC St. Pauli-Spiel im Stadion geschwenkt. (Quelle: dpa/Krause)
Audio: Fritz | 06.03.2018 | Klaas Wilhelm Brandenburg | Bild: dpa/Krause

Runder Tisch gegen Homophobie im Fußball - "Die Amateur-Vereine können auch nicht alles leisten"

Im Umgang mit Trans-Menschen stehen die Berliner Fußball-Vereine noch ganz am Anfang - das wurde beim runden Tisch gegen Homophobie im Fußball deutlich. Zu der Diskussion waren allerdings nur wenige Fußball-Vereine gekommen. Von Klaas-Wilhelm Brandenburg

Es ist ein Abend für ehrliche Worte. "Du wirst den Fußball nicht von heute auf morgen verändern", sagt Bernd Schultz. "Du kannst nichts erzwingen, keine Akzeptanz verordnen. Aber es ist die Stärke großer Verbände, sich für solche Themen zu öffnen." Schultz muss es wissen – ist er doch Präsident des Berliner Fußballverbandes und Hausherr des Abends. Gemeinsam mit dem Lesben- und Schwulenverband (LSVD) hat er ins beschauliche Grunewald geladen, wo die Berliner Fußballer ihre Heimat haben. Das Thema des runden Tisches, der hier stattfindet, ist allerdings weniger beschaulich: Homo- und Transfeindlichkeit im Fußball.

Vielleicht deshalb ist der Konferenzraum des Berliner Fußball-Verbands nur zu gut zwei Dritteln gefüllt, obwohl die Runde durchaus prominent besetzt ist: Zu Bernd Schultz hat sich Bundestags-Vizepräsidentin Petra Pau gesellt. Auch der Pressesprecher der Berliner Eisbären ist gekommen – nur die Fußball-Vereine selbst sind kaum vertreten. Das allerdings will Christian Rudolph vom LSVD, der ebenfalls in der Runde sitzt, gar nicht unbedingt kritisieren: "Der runde Tisch ist nur eine Aktion von vielen – übers laufende Jahr sind wir auch mit den großen Vereinen im Gespräch und erfahren da auch immer mehr Unterstützung." So sei man im vergangenen Jahr erstmalig gemeinsam auf dem Lesbisch-Schwulen Straßenfest in Schöneberg aufgetreten und habe das auch dieses Jahr vor.

"Man darf sich nicht entmutigen lassen!"

Auch dem Berliner Fußball-Verband sei das Thema wichtig, betont Präsident Bernd Schultz: "Die Regenbogenfahne hängt bei uns am Landesleistungszentrum, an unserer Sportschule, an unserem Ausbildungszentrum, um ein deutliches Zeichen zu setzen." Auch in der Schiedsrichter- oder Trainer-Ausbildung stehe das Thema Homophobie auf der Agenda. Trotzdem gibt Schultz zu: "Es wird ewig lange dauern, bis das Thema auf den Sportplätzen ankommt. Man darf sich nicht entmutigen lassen!"

Geld hat der Berliner Fußball-Verband bisher allerdings keines locker gemacht, um Homo- oder Transfeindlichkeit zu bekämpfen. Aber Schultz verspricht: "Wenn es da beim LSVD irgendwo an Mitteln fehlen sollte, dann finden wir da sicherlich auch Wege."

(v. l. n. r.) Bernd Schultz (Präsident Berliner Fußballverband), Petra Pau (Die Linke), Yasmine-Blanche Werder (aus dem Vorstand des LSVD Berlin-Brandenburg) und Christian Rudolph vom LSVD. (Quelle: rbb/Brandenburg)(v. l. n. r.) Bernd Schultz, Petra Pau, Yasmine-Blanche Werder und Christian Rudolph

Im Umgang mit Trans-Menschen "noch ganz am Anfang"

Schwerpunkt-Thema des Abends ist der Umgang mit Trans-Personen. "Das ist allgegenwärtig, gerade in Berlin", sagt Jasmin Rowanowski. Die 26-jährige spielt beim Steglitzer FC Stern 1900. Als eine Mitspielerin von ihr vor ein paar Jahren zum Mann wurde, trat dieser deshalb aus dem Verein aus, denn, so Romanowski: "Das Thema wurde lieber totgeschwiegen, statt sich damit wirklich auseinanderzusetzen."

Bernd Schultz gibt zu: "Es ist im Fußball nach wie vor oft ein Nicht-Thema." Und Christian Rudolph vom LSVD ergänzt: "Wir sind da wirklich noch ganz am Anfang, dass wir überhaupt ein Bewusstsein für die Menschen schaffen und auch für die Probleme, die damit auftreten." Rudolph selbst habe mittlerweile viele Menschen kennengelernt, die mit dem Fußball aufgehört haben, weil sie trans sind. In der Politik sei das Thema dank Parteien wie der AfD kein leichtes, so Linken-Politikerin Petra Pau: "Mein Optimismus, dass wir in Sachen Trans-Rechte weiterkommen, ist im aktuellen Bundestag sehr gedämpft. [...] Wir werden uns noch wärmer anziehen müssen."

"Die Amateure können auch nicht alles leisten"

So endet der runde Tisch ohne wirklich greifbare Ergebnisse – und in Sachen Trans-Menschen auch ohne eine allzu hoffnungsfrohe Perspektive. Aber auch in Sachen Homophobie gebe es noch genug zu tun, sagt Christian Rudolph: "Die Amateur-Vereine sind bemüht, aber können auch nicht alles leisten. Meiner Meinung nach könnten die großen Vereine uns da mehr unterstützen, auch finanziell." Schließlich könne man eigentlich sowieso nie genug machen. "Mein Wunsch wäre, dass wir gar nicht mehr über das Thema sprechen müssen, weil Schwule, Lesben oder Transgender ganz selbstverständlich Teil der Fußball-Vereine sind – und auch sichtbar sind", sagt er. Bis dahin ist es noch ein langer Weg.

Beitrag von Klaas-Wilhelm Brandenburg

Kommentar

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5 Kommentare

  1. 5.

    Ich war positiv überrascht von dem Hinweis auf diese Folge des "Bergdoktors". Ja! Eine durchaus lohnenswerte Besprechung in den Medien habe ich anschließend vermißt. Vielleicht ist sie mir auch entgangen - oder das Thema wird tatsächlich häufig noch totgeschwiegen. https://www.zdf.de/serien/der-bergdoktor/zwiespalt-100.html Andererseits in einer ZDF-Serie, die in den Bergen spielt das Thema im Kontext Fußball aufzumachen - wie gesagt, mich hat's überrascht - sind wir gesellschaftlich vielleicht doch schon weiter als viele glauben wollen ;) Auf jeden Fall wünsche ich den Fußballverbänden und dem LSVD bei ihren gemeinsamen Aktivitäten viel Erfolg. Die Fußballverbände können sich ruhig mal trauen dafür auch ordentlich Geld in die Hand zu nehmen. Wir brauchen mehr mutige Vorreiter*innen, die zeigen wo's lang gehen kann!

  2. 4.

    Das Problem liegt ja darin, dass Homosexualität immer noch in breiten Bevölkerungsteilen, quer durch alle gesellschaftlichen Schichten, nicht als höchstpersönlicher Lebensbereich akzeptiert wird sondern z.T. immer noch mit Ekel oder Abscheu belegt ist. Genau das ist mir so unverständlich, denn es ist mir völlig egal, welchen sexuellen Neigungen oder Praktiken meine Mitmenschen nachgehen, denn meine Lebensweise wird davon in keinster Weise beeinflusst, es hat keinen Einfluss auf den Umgang zwischen demjenigen und mir. Es geht mich schlicht nichts an, ob zwei Männer zusammen Spaß im Bett haben, ob ein Mann zu einer Domina geht, um seine Befriedigung zu finden, ob jemand asexuell ist oder es vier mal am Tag braucht. Ich lebe mein Leben davon unberührt. Solange dies nicht in den Köpfen der Menschen ankommt, Schwule als "unmännlich" und Lesben als "nur noch nicht richtig durchge..." gelten, gibt es diese Diskriminierung. Zum Glück ändert sich das gesellschaftliche Klima aber langsam.

  3. 3.

    Ihr Kommentar fängt sehr zutreffend, ja richtig an, dann hapert es aber gewaltig,leider. In der DDR wurde das Wort Homosexuallität ausgeklammert. Die gab es offiziell nicht. Meine ehemaligen Besuche dort im Ostteil von Berlin haben dies gezeigt. Klar gab es Schwule Cafés und Bars, doch waren diese nur geduldet. Ich erinnere mich gerne an einen Jugendlichen, der vorm Café Sennefeld stand und neugierig das Treiben im Innern durch ein Schaufenster beobachtete. Ich winkte ihn rein und er schüttelte den Kopf. Ich ging heraus und wir beide setzten uns irgendwohin und unterhielten uns über eine Stunde lang. Das war ein sehr interessantes Gespräch, denn seine Eltern durften nichts wissen von seiner Veranlagung. Mir tat dieser Junge leid. Der damals gedrehte Film“ Coming Out“ spielt diese Situation auch Beispielhaft nach.

  4. 2.

    Na da leben Sie aber ein wenig in Ihrer eigenen Welt.

    Zwar wurde der sog. Schwulenparagraph in der DDR erheblich früher abgeschafft als im Westen. Dies geschah aber nur im Zuge der Neuordnung des Strafgesetzes. Bis dahin war im übrigen der gleichgeschlechtliche Verkehr strafbar, und anders als im Westen, auch bei Frauen.

    Die Gesetzesstreichung hatte aber keinerlei Auswirkungen auf die gesellschaftliche Akzeptanz von Schwulen und Lesben. Sie wurden weiterhin angefeindet und ausgegrenzt, sowohl vom sozialistischen System, als auch von der Bevölkerung. Nur weil ein Paragraph wegfällt, bedeutet das doch noch lange keine Änderung der Geisteshaltung der Bürger die diesem Gesetz unterstehen.

    Ihre Sichtweise hat schon was von Geschichtsklitterung.

  5. 1.

    Das ist ein gesamtgesellschaftliches Problem,es geht um Toleranz und um das Miteinander,die gutbürgerliche Gesellschaft ist in ihrer Entwicklung nicht vorangekommen,viele verstaubte Ansichten sind noch verbreitet,ohne als Besserwisser gelten zu wollen,die DDR war weiter in dieser Entwicklung,leider wurde nicht das Beste aus beiden Staaten übernommen,sondern der verstaubte BRD-Mantel auch der DDR angezogen,so gibt es noch Gesetze aus der Kaiserzeit,nichts mit 21 Jahrhundert.

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