Wladimir Kramnik bei einem Schachturnier
Bild: imago/Sven Simon

Kandidatenturnier in Berlin - "Deutschland ist eine Schach-Nation"

Magnus Carlsen ist der König, aber wer ihn von seinem Thron stoßen könnte, entscheidet sich nun in Berlin: Acht Spitzenspieler treten gegeneinander an. Einer ist der Ex-Weltmeister Wladimir Kramnik - er hat eine besondere Beziehung zur deutschen Hauptstadt.

Der Mann mit den dunklen schwarzen Haaren und der Brille auf der Nase lächelt. Umgeben von Kameras und dem ständigen Klicken der Fotoapparate, wirkt er fast ein wenig verloren im Berliner Kühlhaus. Der Veranstatungsort mitten in der Stadt, zwischen Tiergarten und Kreuzberg gelegen, ist rappelvoll. Journalisten aus aller Welt sind da und wollen ihre Fragen loswerden.  "Natürlich kommen in mir nostalgische Gefühle hoch", sagt Wladimir Kramnik auf Englisch, mit starkem russischen Akzent. "Ich habe schließlich jahrelang in Berlin gelebt."

Mit den Farben seiner Kleidung hält es der russische Ex-Schachweltmeister ganz wie auf dem Brett: weißes Hemd, schwarzes Sakko. Der 42-Jährige ist jedoch nicht gekommen, um über alte Zeiten zu plaudern. Er hat eine Mission: Er will wieder Champion werden. Sieben Jahre lang, zwischen 2000 und 2007, trug er die Schach-Krone. Für die Rückkehr an die Weltspitze muss er in Berlin das Kandidatenturnier gewinnen. Zum ersten Mal wird es in der deutschen Hauptstadt ausgetragen.

Als Belohnung geht es gegen das Wunderkind

Das Kandidatenturnier ist die letzte Hürde auf dem Weg zur großen WM-Titelchance - vergleichbar mit der letzten Herausforderung bei einem Computerspiel, bevor es gegen den Endgegner geht. Wer als Sieger hervorgeht, trifft auf das norwegische Wunderkind Magnus Carlsen. Mit dreizehn Jahren gewann Carlsen den Großmeistertitel, seit 2013 ist er Weltmeister. Er ist ein Phänomen, ein Genie, das Nonplusultra im Schach. Ihn gilt es zu schlagen, doch der Weg führt über Berlin.

Die Schach-Euphorie in der Stadt ist groß, das Medieninteresse riesig. Es ist nach der WM das wichtigste Schachereignis - mehr als 180 Medien haben sich angekündigt und werden berichten. In der deutschen Hauptstadt kommen die Stars der Szene zusammen. Kramnik, die Nummer Drei der Welt, gehört dazu. Aber passt Berlin als Austragungsort überhaupt? "Deutschland ist eine Schachnation", meint Kramnik. "Für uns Schachspieler ist es wichtig zu spüren, dass da jemand hinter uns steht, dass die Schach-Fans Freude haben." Vier Jahre spielte Kramnik für Berliner Teams in der Bundesliga. Zu seinen Spielen kamen bis zu 3.000 Zuschauer. "Es ist ein bisschen wie nach Hause zu kommen."

Die Weltelite trifft sich in Berlin

Aber Kramnik ist nicht der Einzige, der Wunderkind Carlson herausfordern will. In Berlin bekommen die Fans des königlichen Spiels nur die Besten ihres Sports zu sehen. Schachrijar Mamedscharow aus Aserbaidschan ist derzeit die Nummer zwei der Schach-Welt und damit hinter Carlsen am besten platziert. Neben dem Weltranglistendritten Kramnik sind mit Wesley So (USA/4), Levon Aronjan (Armenien/5) und Fabiano Caruana (USA/8) noch drei weitere Top Ten-Spieler am Start.

Auch der Chinese Ding Liren (11) und der Russe Alexander Grischuk (12) wollen ihre Chance nutzen. Dessen Landsmann Sergej Karjakin (13) hatte sich Ende 2016 im WM-Duell mit Carlsen erst im Tiebreak geschlagen geben müssen. "Es ist ein starkes Teilnehmerfeld, sehr schwer vorherzusagen, wer da vorne ist", sagt Kramnik. Aber eines ist sicher: Der 42-Jährige will sich in seiner ehemaligen Heimatstadt von seiner besten Seite zeigen und hat eine Kampfansage an seine jüngeren Konkurrenten: "Ich will gewinnen."

Sendung: rbb UM6, 10.03.2018, 18 Uhr

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