Ein Junge hält einen Fußball in der Hand und Spricht in richtung Kamera. (Quelle: rbb/Abendschau)
rbb/Abendschau
Video: rbb aktuell | 16.04.2018 | Torsten Michels | Bild: rbb/Abendschau

Fußball-Verband geht gegen aggressive Eltern vor - "Mann, Papa, sei doch einfach mal leise!"

Sie feuern an und sie rufen rein: Eltern sind die treuesten Fans ihrer Kinder. Doch das setzt die Nachwuchskicker unter Druck. Und einige Spiele werden wegen aggressiver Eltern sogar abgebrochen. Beim Berliner Fußball-Verband gehen sie das Problem an.

"Ich möchte nicht, dass jemand angeschrien wird, wenn er einen Fehler macht", sagt ein elfjähriger Fußballer von Empor Berlin aus Pankow. Leider gehört es aber schon im Nachwuchsbereich mit dazu, dass Eltern sich am Spielfeldrand im Ton vergreifen. Sie wollen vermeintlich nur Gutes, aber ihre Unterstützung von außen mündet oft in verbale Entgleisungen.

Der Berliner Fußball-Verband machte im Oktober 2017 mit der Video-Kampagne "No to aggressive parents" auf das Problem im Jugendfußball aufmerksam. Nun gibt es ein Nachfolge-Video mit Nachwuchskickern von Empor Berlin. Der Tenor spricht den Kindern aus dem Herzen: "Ruhe bitte, am Rand."

Eltern sind sich der Tragweite nicht bewusst

Viele Eltern wollen aus ihrem Spross einen zukünftigen Fußballstar machen: Aus dem kleinen Patrick soll der nächste Cristiano Ronaldo oder Lionel Messi werden. Angetrieben von diesen Visionen hat dann oft der Gegenspieler -  oder auch der Schiedsrichter - Schuld, wenn der eigene Nachwuchs nicht zum Zuge kommt. Da hallt es schon mal "Hau ihn um!" oder "Du blinde Sau" über den Platz.

Gerd Liesegang, zuständig für die Gewaltprävention beim Berliner Fußball-Verband (BFV), zeigt wenig Verständnis für das Verhalten der Erziehungsberechtigten: "Bei den Eltern sind sich viele nicht darüber bewusst, welche Tragweite das hat." Der BFV nimmt sich des Themas der aggressiven Eltern am Spielfeldrand schon länger an. Deshalb gebe es die Eltern-Fan-Zonen, die nicht mehr direkt am Spielfeldrand, sondern in zehn bis 15 Metern Entfernung stehen sollen, sagte Liesegang dem rbb.

Des Weiteren gibt es auch Banner, die sich an Eltern richten und auf denen anständiges Benehmen eingefordert wird.

Etwa zehn Spiele werden pro Saison abgebrochen

Die aggressive Grundstimmung auf den Nachwuchsplätzen nimmt nicht eklatant zu, aber Liesegang fordert einen "bewussteren Umgang damit." In Berlin werden in jeder Saison etwa zehn Spiele wegen aggressiver Eltern abgebrochen. Das sei nicht schön, sagt Liesegang, aber "angesichts von mehreren hundert Spielen pro Wochenende jetzt auch nicht verheerend."

Dennoch: Überehrgeizige Eltern sollten sich an der Seitenlinie zügeln, so die Kampagne des Verbandes. Die Kinder von Empor Berlin bringen es auf den Punkt: "Lasst uns Kinder Fußball spielen".

Beitrag von Robin Krempkow

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen.

3 Kommentare

  1. 3.

    @Warmduscher: Das tun sie (diese komischen Eltern) bereits in der Schule, wenn ihr Jonas-Constantin oder ihre Claire-Chantalle schlechte Noten von den Lehrern bekommen hat.

  2. 2.

    Man muss ja richtig froh darüber sein,
    dass diese komischen Eltern nicht gleich
    auch noch
    mit dem Anwalt zum Fussballplatz kommen.

  3. 1.

    Ich fand das als Kind auch immer belastend, wenn irgendwelche Eltern, die absolut keine Ahnung haben von der Mannschaft (nicht mal die Namen der Kinder, ausser des eigenen) dann irgendwelche ungefragten Meinungen oder Ratschläge erteilen. Was bei uns zugegebenermaßen nicht oft passierte, aber wenn man mal gegen Mannschaften aus Problemvierteln spielte, dann gab es da mitunter schreiende und rabiate Eltern. Die waren so unglaublich Peinlich. Da muss der Schiedsrichter dann einschreiten und die vom Platz verweisen. Weil Schreie haben auf Kinder eine ganz andere Wirkung als auf Erwachsene.

Das könnte Sie auch interessieren